Ramesh Balsekar: Der Witz an dem Ganzen


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Frage: Wenn sich der Mind in Ruhe befindet und Gedankenstille herrschst, dann führt die erste Regung im Mind zu der beharrlichen Frage: Was ist der Sinn dieser ganzen Manifestation, in der wir alle wechselseitig erscheinen? Und wo ist ihr Ursprung?

Ramesh: Diese Beharrlichkeit liegt an der Tatsache, dass das Bewusstsein, das sich fälschlicherweise mit dem individuellen psychosomatischen Apparat als das „Ich“ identifiziert hat, beständig seine eigene Quelle sucht. Und wie Nisargadatta Maharaj sagte, ist der Witz an dem Ganzen, dass einzig und allein Bewusstsein existiert; was das Bewusstsein daher als seine eigene Quelle sucht, ist es selbst! Die Suche hält solange an, bis das intuitive Erfassen geschieht, dass Bewusstsein das ICH-Gewahrsein ist, das sich seiner selbst nicht gewahr sein kann, weil Gewahrsein kein Selbst kennt, dessen es sich gewahr sein könnte. Getrennt und aufgespalten in erkennendes Subjekt/erkannte Objekte, erkennt das ICH jeden konzeptuellen Gegenstand, der erkannt werden kann – außer das, was erkennt. Das, was erkennt, ist unbegreifbar, da es keine Sache ist; und es ist keine Sache, da es unbegreifbar ist!

aus: Ramesh Balsekar, „Die Lehre erleben“

LAm Samstag schrieb Alexandra: „Leider ist meine Denkmaschine noch gewaltig aktiv.“ Damit dürfte sie wahrscheinlich nicht einsam auf weiter Flur dastehen. Das ist ja das, was man uns allen jahrelang antrainiert hat und worauf wir doch glauben konnten, stolz sein zu dürfen: Dass wir denkende Lebewesen sind und dass wir uns genau damit von den Tieren unterscheiden. Wir können darüber nachdenken und nach reiflicher Überlegung unter Einbeziehung aller ethischen und wirtschaftlichen Aspekte zu dem Entschluss gelangen, dass männliche Küken auch weiterhin geschreddert werden dürfen und unter zusätzlicher Einbeziehung der Wissenschaft können wir sogar herausfinden, dass krebserregende Stoffe nicht krebserregend sind. Wir unterscheiden uns also tatsächlich von den Tieren.

 
So ist das nun mal: Denken ist einfach ein Werkzeug wie etwa ein Messer. Mit einem Messer kann man sich beispielsweise ein Butterbrot schmieren oder aus einem jungen Weidenast eine Weidenpfeife herstellen.

WMan kann natürlich mit einem Messer auch anderen Leuten den Kopf abschneiden. Nicht geeignet ist ein Messer allerdings nur mal so als Beispiel für das Fotografieren der Zugspitze oder eines anderen Bergmassivs oder von mir aus auch eines Dackels. Und genauso ist es mit dem Denken. Es eignet sich etwa gut dafür, wenn ich ausrechnen will, was 5 Krabbenbrötchen kosten, wenn ein Krabbenbrötchen dieses Jahr 4,50 Euro kostet. Und wenn ich dann denke: „Gott sei Dank esse ich keine Krabbenbrötchen!“, dann ist das eben auch gedacht. Ich kann natürlich auch von jemandem denken, dass er eine dumme Sau ist, und das dem Betreffenden vielleicht sogar sagen, dann habe ich das Denken zur Waffe gemacht. Wenn ich nun allerdings über das Denken herausfinden will, was der Ursprung  dieser ganzen Manifestation ist, in der wir alle wechselseitig erscheinen, dann kann ich darüber zwar stundenlang herumphilosophieren und vielleicht sogar dicke Bücher schreiben, am Ende meiner Bemühungen werde ich allerdings so unwissend sein wie am Anfang. Dafür ist das Denken einfach so wenig geeignet wie ein Messer zum Fotografieren.  Zu wissen, dass ich da nichts weiß und auch niemals etwas darüber wissen kann, ist also schon mal ziemlich hilfreich. Sokrates, ick hör dir trapsen.
GroschenRamesh sagt: „Die Suche [nach der eigenen Quelle des Bewusstseins] hält solange an, bis das intuitive Erfassen geschieht, dass Bewusstsein das ICH-Gewahrsein ist, das sich seiner selbst nicht gewahr sein kann, weil Gewahrsein kein Selbst kennt, dessen es sich gewahr sein könnte.“ Intuitives Erfassen geschieht oder geschieht nicht, da wären wir mal wieder bei diesem „Friss Vogel oder stirb!“-Prinzip. Wenn der Groschen fällt, dann fällt er; wenn nicht, dann kannst du gar nichts machen, dann helfen dir auch die raffiniertesten Überlegungen keinen Millimeter weiter. Buddha hielt sein Blümelein hoch, Mahakashypa lächlete hold, weil bei ihm der Groschen gefallen war, während die anderen, immerhin die geistige Crème de la Crème, nur Bahnhof verstanden und entsprechend indigniert aus Wäsche guckten. Na ja, immerhin haben sie uns eine Flut von heiligen Schriften hinterlassen. Gott sei Dank! Sonst hätte Hui-neng, der 6. Ch’an-Patriarch, gar nichts mehr zum Zerreißen gehabt.

HuinengGibt’s denn gar keinen Trick, wie man vielleicht doch …? Na ja immerhin das: Sich eingestehen, dass man keine Ahnung hat und es auch nichts erreichen gibt. Offenheit ist ein guter Nährboden, Vertrauen, Liebe … aber bitte: Keine Garantie (Haftung ausgeschlossen)!

Das folgende Bildchen stellt zwar nicht Buddha dar, sondern die hinduistische Göttin Shakti, aber für den Groschen macht das nicht den geringsten Unterschied.

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2 Antworten zu Ramesh Balsekar: Der Witz an dem Ganzen

  1. Alexandra schreibt:

    „In die Ewigkeit, wo alles eins ist, kam eine winzig kleine Wahnidee geschlichen und GOTTES SOHN (das Bewusstsein) vergaß über sie zu lachen. Und weil er das vergaß, ist der Gedanke zu einer ernsten Idee geworden und sowohl der Umsetzung als auch realer Wirkungen fähig.“ (In Kurs in Wundern, TB Kap. VIII,27,6. Wie weit sich der Wahnsinn wohl noch ausbreitet?

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  2. fredo0 schreibt:

    Eine kleine Kostbarkeit … womöglich für den ein oder anderen sogar eine große …
    Rameshs letztes Interview … Klarheit in höchster Reife …

    „Thy will has been done“

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