Osho: A muss in B verwandelt werden?


oshoDie Zen-Mönche haben etwas gesagt, das zum Seltsamsten gehört, was je gesagt wurde. Sie sagen: Diese Welt ist Gott. Sie sagen: Das gewöhnliche Leben ist Religion. Sie sagen: Alles ist okay, so wie es ist. Nichts muss verändert werden, weil schon die bloße Vorstellung von Veränderung zur Zweiteilung führt: Das, was ist, muss in etwas anderes verändert werden, was es sein sollte. A muss in B verwandelt werden – damit haben wir die zwei. Sie sagen: Diese Welt ist göttlich, Gott ist nirgendwo anders; denn dieses „irgendwo anders“ erzeugt eine Dualität. Gott ist nicht der Schöpfer, und du bist nicht das Geschöpf – du bist Gott. Gott ist nicht der Schöpfer – diese Schöpfung selbst ist göttlich, die erschaffende Kraft selbst ist Gott.

Der Verstand sucht ständig Unterscheidungen zu treffen; das ist die Spezialität des Verstandes. Je mehr Unterscheidungen du treffen kannst, desto klüger dein Verstand. Und der Verstand wird immer sagen, dass diese Mystiker ein bisschen spinnen, weil die Grenzen nicht klar sind. Darum wird Religion gern Mystizismus genannt, und mit Mystizismus meinen die Leute nicht gerade etwas Gutes. Sie meinen etwas Vages, Nebulöses, Wolkiges, etwas, das nicht klare Realität ist, sondern wie ein Traum.

aus: Osho, „Die Verbotene Wahrheit“

In Oshos „Verbotener Wahrheit“ geht es um das sog. Ketzerevangelium des Apostels Thomas, das 1946 im Nilsand von Nag Hammadi in Oberägypten gefunden wurde. Der Textausschnitt oben bezieht sich auf folgende Aussage:

B

Jesus sieht Säuglinge. Er sagt zu seinen Schülern: Diese Säuglinge gleichen denen, die ins Reich eingehen. Sie sagen zu ihm: Werden wir denn klein ins Reich eingehen? Jesus sagt zu ihnen: Wenn ihr die Zwei zu Einem macht, das Äußere wie das Innere und das Obere wie das Untere, wenn ihr das Männliche und das Weibliche in euch zu einem Einzigen macht, damit das Männliche nicht männlich und das Weibliche nicht weiblich ist – wenn ihr Augen schafft anstelle eines Auges, Hände anstelle einer Hand, Füße anstelle eines Fußes, Wirklichkeit anstelle eines Bildes, dann werdet ihr ins Reich eingehen. (Thomas, 22)

„Diese Säuglinge gleichen denen, die ins Reich eingehen.“ Sollen wir jetzt alle Windeln anziehen und süß lächeln, um ins Reich eingehen zu können? So hat das Jesus wohl kaum gemeint. Es geht um das Thema Dualität. Säuglinge trennen noch nicht. Für normale Erwachsene ist das völlig unvorstellbar – wobei Vorstellung schon wieder Trennung wäre. Nicht nur unvorstellbar, sondern auch alles andere als erwünscht. Ganz im Gegenteil tun sie alles, um immer mehr Unterscheidungen zu finden, was dann schließlich darin gipfelt, was sie Wissenschaft nennen. Bedauerlicherweise verpassen sie es so, ins Reich eingehen zu können, was aber nicht sonderlich schlimm ist, weil sie damit eh nix anfangen könnten. Reich? Was soll denn das sein? Reich, ja reich wollen sie schon sein. Aber Himmelreich – wer glaubt denn noch an den Klapperstorch?

 
Osho bringt es so auf den Punkt: „Nichts muss verändert werden, weil schon die bloße Vorstellung von Veränderung zur Zweiteilung führt: Das, was ist, muss in etwas anderes verändert werden, was es sein sollte. A muss in B verwandelt werden – damit haben wir die zwei. Sie sagen: Diese Welt ist göttlich, Gott ist nirgendwo anders; denn dieses „irgendwo anders“ erzeugt eine Dualität.“ ‚Das Himmelreich‘ wäre schon so eine Vorstellung, die zur Zweiteilung führt. „Wenn ihr die Zwei zu Einem macht …“ Kann man das überhaupt: Das Zweigeteilte zu Einem machen? Ich fürchte mit ‚Machen‘ ist da nichts zu machen. Eher mit dem Bleibenlassen des Machens, eher mit dem Bleibenlassen des Zweiteilens, eher mit dem Bleibenlassen der ganzen Vorstellerei.

Auch wenn’s euch schon zu den Ohren rausquillt, nochmal Seng-ts’an mit seinem „Suche nicht nach dem Wahren, enthalte dich lieber deiner Vorstellungen!“ ‚Irgendwo anders‘ ist eine Vorstellung, B ist eine Vorstellung. A ist einfach das, was ist in diesem Augenblick – und das ist alles, was ist. Da ist kein Zweites. Es ist ja nicht so, dass wir nicht gelernt hätten, mit irgendeinem eingebildeten Zweiten umzugehen, und da gibt es auch kein Verbot, weiterhin damit zu spielen, aber vielleicht wissen wir dann einfach, dass wir nur mit Vorstellungen spielen bzw. dass die Vorstellungen ganz von allein vor unseren Augen herumtanzen und nehmen sie nicht mehr so tierisch ernst oder können uns vielleicht sogar mit ihnen und mit uns selbst als Teil der Vorstellungen amüsieren.

K

 

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12 Antworten zu Osho: A muss in B verwandelt werden?

  1. Osheewan schreibt:

    guten morgen lieber nitya, wir können es wohl beide nicht lassen….aber es fällt mir immer schwerer die texte zu lesen. mit den jesus zitaten tu ich mich immer schwer, weil mir die sprache nicht liegt, aber inhaltlich liebe ich das thomas evangelium sehr und auch dein bild von dem säugling läßt mich fröhlich sein. den max stirner find ich auch gut, allerdings erinnert mich der vortrag immer so an hitlers offizielle sprechweise, der mann hat ja privat ganz anders gesprochen und dieses hitlersprech mag ich einfach nicht mehr hören, bzw. find ich oberkasperhaft…einen schönen tag für dich, hoffentlich wird es endlich wärmer, ich mag bald nicht mehr…

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  2. Georg Alois schreibt:

    „Die Menschen als Individuen sind wirklich irrelevant, ausser natürlich als illusionäre Charaktere in einem Bühnenstück, genannt „Leben“.“ Ramesh Balsekar …………..welch grossem Witz man aufgesessen war.

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  3. Alexandra schreibt:

    „Diese Welt ist göttlich“ und „nichts muss verändert werden“: Ich kann in meinem Leben im Moment alles akzeptieren, was gerade da ist. (auch wenn ich nicht alles toll finde.) Aber wenn ich in die Welt gucke, den vielen Schwachsinn sehe, den Menschen verzapfen, die Heuchelei, den Größenwahn, die Ungerechtigkeit, dann fällt mir das schwer, das zu akzeptieren. Und ich frage mich, könnte ich auch so denken, wenn ich in einem Slum leben müsste, unter vollkommen unmenschlichen Bedingungen? Abgesehen von den Menschen kann ich die Welt als göttlich sehen. Auch mit ihren Gegensätzen. Aber was das menschliche Einwirken betrifft, steuern wir doch geradewegs auf den Abgrund und die Selbstvernichtung zu, oder nicht? Das ist jetzt zugegebenermaßen nicht nondualistisch gedacht, aber ich kann diesen Fragen nicht aus dem Weg gehen. Wenn nur alles ein Theaterspiel ist und ich als DAS nur der Zuschauer finde ich das irgendwie abgeschmackt.

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    • fredo0 schreibt:

      dies ist kein Widerspruch …
      ein Welt die in ihrem „tatsächlichen“ = Gott ist …
      und ein Welt die einer ihrer Erscheinungen ( in diesem Falle dem HomoSapiens ) als ungerecht , brutal oder gar vernichtend erscheint …
      diese Empfindungen sind ja parteiisch wertende Empfindungen einer ErscheinubngsFORM ( wie gesagt , in unserem Beispiel dem HomoSapiens ) …
      dessen möglicher Untergang mag dem HomnoSapiens schrecklich sein … so wie das Apfelbaumblatt im Herbst bestimmt auch keine Freude empfindet , wenn es gegen den Kompost verwelkt … doch ohne diese Aspekt eines Erneuerungszyklus keine neue Apfelblüte im Frühjahr …und wer weiß , was sich aus dem mir auch wahrscheinlichen Untergang des Homosapiens ( mit all seinen „schrecklichen“ Begleiterscheinungen ) dereinst für eine neue Blüte auf unserem Planeten ergeben kann ( und halt nur möglich mit diesem „Untergang“ seiner z.Z. dominierenden Spezies, denn erst muss da Platz sein , dann …. ! … neu )

      Das „Problem“ besteht da nur dann , wenn „ich“ mich als -Mensch- sehen , und vor allem darin begrenzt !
      Vermag ich mich als -LEBEN- sehen , dass (zusätzlich) beliebt , in der Form fredoo-Mensch zu erscheinen , verliert sich die Schrecklichkeit der Veränderung und wird in einen Zyklus der Erneuerung „integriert“ zu dem halt immer auch Zerstörung und Veränderung gehört , ja gehören muss.
      Der Schmerz , der Kummer , das Leid der Form fredoo wird dadurch nicht negiert oder gar verlacht , sondern genau das wird auch zum notwendigen Ausdruck des Lebens …

      Ein Spruch dazu von diesem fredoo : “ Der Mist der Gegenwart , ist immer auch der Dünger der Zukunft“ .
      😀

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    • Nitya schreibt:

      „Das ist jetzt zugegebenermaßen nicht nondualistisch gedacht, aber ich kann diesen Fragen nicht aus dem Weg gehen. Wenn nur alles ein Theaterspiel ist und ich als DAS nur der Zuschauer finde ich das irgendwie abgeschmackt.“

      Liebe Alexandra,

      wie schon Marianne angedeutet hat: Du kannst nicht nondualistisch denken, weil Denken immer dualistisch sein muss. Es ist wie mit den Farben und Formen: Du könntest nichts mehr erkennen, wenn es keine Farb- und Formkontraste gäbe. D.h. dass wir ohne diese Kontraste auch nicht kommunizieren könnten.

      Dass die Aussagen von Fredo für dich zynisch klingen, mag daran liegen, dass da immer noch so etwas wie ein persönlicher Zuschauer als Vorstellung existiert. DAS ist so unpersönlich wie die Sonne, von der man sagt, dass sie über Gerechte und Ungerechte scheine. Über einen kopfabsäbelnden IS-Mörder scheint dieselbe Sonne wie über von mir aus Ramana Maharshi. Ist die Sonne deshalb zynisch?

      Fredos hoffnungsvollen Satz würde ich übrigens so nicht unterschreiben wollen: „Der Mist der Gegenwart, ist immer auch der Dünger der Zukunft.“ Das mag für die Landwirtschaft gelten, aber ich bezweifle, dass er für das Leben an sich gilt. Sollte diese Welt vor die Hunde gehen, und im Moment sieht alles danach aus, dann hat ihr der ganze Dünger nicht helfen können. Na ja, auch ein Landwirt kann seine Felder durch Überdüngung ruinieren.

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  4. Alexandra schreibt:

    Da höre ich gerade etwas von einer besseren Zukunft heraus!
    Und so wie du es schreibst klingt es für mich eher zynisch. Muss da gerade an die Judenvernichtung denken. Sorry, wahrscheinlich sehe ich das echt vom dualistischen Standpunkt aus, aber „da steh ich nun und kann nicht anders“.

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    • fredo0 schreibt:

      zu alexandra … ein tipp von mir … nix ist falsch an dem , was und wie wir denken … wenn gedacht – ist es immer richtig …
      andere versionen des be-denkens , durch kommunikation angeboten , können folgende erfreuliche funktion haben … ( und das ist nach meiner meinung der tiefere sinn dieser „tipps“ durch „andere“ meinung , durch belehrung oder satsang oder halt auch lesen ) : wenn dann der nächste gedanke ( bei einem selbst auftaucht ) findet womöglich eine erinnerung an dies kommunizierte statt , und der gleiche gedanke , der ohne diese erinnerung sofort wieder zu „meiner (gewohnten) meinung“ würde , kann in einer breiteren aussage wahrgenommen werden , oder tieferen bedeutungstiefe , oder oder …
      selbst die bestens formulierten „wahrheiten“ anderer sind völlig bedeutungslos und ohne jede wirkung ( auf mich selbst ), wenn sie nicht durch dies „eigene erleben von -meinen- gedanken“ dann möglicherweise „breiter“ aktiviert werden .
      wohlgemerkt es geht dabei nicht um richtiges verstehen … gedanken haben stets mehrere bemerkungs-„ebenen“ … je nach impuls aus achtsamkeit werden sie dann erst zu erinnerungs“meinen“gedanken abgespeichert … stets „passend“ zur möglichen achtsamkeit …
      in dem sinne bleibt alles kommunikative stets nur angebot … ich finde ja , erfreulicherweise …
      😀

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      • Alexandra schreibt:

        lieber freedoo, ich weiß zwar nicht, ob ich dich richtig verstanden habe, aber wenn, dann tue ich schon das, was du empfiehlst. (grins). Mal sehn wo es hinführt. Die Person und daher wahrscheinlich der Wunsch zu „verstehen“ ist halt noch da. Daran kann ich auch so nix ändern. Bin 49 Jahre lang ein Verstandesmensch gewesen und stelle mich jetzt dem „mindcrash“. Aber die Sehnsucht, das zu finden, was wirklich wahr ist, ist da. Daneben bestimmt alle möglichen Ängste, das Persönchen, für das ich mich immer gehalten habe, zu verlieren. So muss ich halt Geduld mit mir und dem Leben haben.

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  5. Marianne schreibt:

    Das Thema „Wandlung“ bzw. „Veränderung“ kann gar nicht anders als dualistisch betrachtet werden, wenn man die Zeitdimension eingeführt hat: Dann gibt es immer ein Vorher und ein Nachher. Wenn wir so wieder zum „Säugling“ werden wollen, sind wir schon in die Falle der Prä-/Trans-Verwechslung getappt… http://integralesleben.org/?id=1155
    Als zeitlose Metapher hat das Bild des Säuglings nicht nur die Qualität des Ungetrennten, er ist auch unschuldig und vor allem un(noch-nicht)verletzt!
    Ich habe gestern hier für mich nachgespürt, welche Seite in mir zu einem karottenknabbernden Hamster-Filmchen in glückselige Resonanz geht … fühlt sich ziemlich kindlich an…😉

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  6. Susanne schreibt:

    „Nichts muss verändert werden, weil schon die bloße Vorstellung von Veränderung zur Zweiteilung führt: Das, was ist, muss in etwas anderes verändert werden, was es sein sollte. A muss in B verwandelt werden – damit haben wir die zwei.“

    Faule Säcke (w/m) sagen dann, ich muss mich nicht verändern, ich bin vollendet wie ich bin.
    Dabei ist gerade die Veränderung der Erscheinung DAS was IST. Veränderung ist das eigentliche Sein. Jedenfalls der Anteil davon, welchen wir tatsächlich erleben. Die Quelle, der Geist, ist weder denkbar, noch erlebbar. Wozu also gedanklich sich damit beschäftigen ? Nur das was erscheint, das was geschieht, kann aufmerksam betrachtet werden. Jeder kann dann Veränderung beobachten, die einfach geschieht. Und dann passiert es in der Regel. Es entstehen Impulse mitzuwirken an der Veränderung. Und so soll es sein, das ist unsere göttliche Kraft.
    Dann entsteht durch unser Tun Heil oder Unheil, abhängig davon, ob wir selber heil oder unheil sind.
    Wenn also jemand Unheil ist und trotzdem glaubt er wäre bereits vollendet, dann wird Unheil geschehen und er wird es nicht einmal bemerken.

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