Karl Renz: Du bist der unbewegliche Zuschauer


KDu bist der unbewegliche Zuschauer – das Absolute „Ich“ – der Absolute Seher, der sich selbst Bild für Bild erlebt. Ein Bild nach dem anderen kommt aus der illusionären Zukunft und geht in die illusionäre Vergangenheit. Aber du bewegst dich nicht. Die Bilder ziehen wie ein Film an deinen Augen vorbei. Aber du bewegst dich nicht in ihnen. Niemals! Es ist die imaginäre Bewegung der Bilder – Momente kommen und gehen. Aber statt das alles zu wissen, kenne lieber deine wahre Natur, das, was-du-bist. DAS muss die Mechanismen nicht kennen. Es ist sowieso magisch! Genieß deine Show einfach – sei DAS, was alles oder nichts versucht – nur um dich selbst zu verwirklichen.

Das ist der Aspekt – dich selbst in einer persönlichen Kameraposition  zu verwirklichen. Wenn du der Raum bist, gibt es schon keinen Bezugspunkt mehr. Dann nimmst du dich als Gewahrsein wahr, dann gibt es nicht einmal Raum und Zeit. Selbst diese beiden sind Fragmente dessen, was-du-bist und dann ist die Erfahrung des „darüber hinaus“ ein neuer Film – eine Abwesenheit des Films. Das ist der Teil des Films: Das unpersönliche Gewahrsein, das sich einstellt, dann das Menschsein als ein persönliches Erleben. Alle sieben Ebenen des Films sind ständig gegenwärtig. Die Wahrnehmung bewegt sich lediglich zwischen den verschiedenen Möglichkeiten, die bereits da sind. Dabei kommst du niemals und gehst niemals. Es gibt sieben verschiedene Möglichkeiten, dich selbst zu träumen oder dich selbst zu erfahren. Und keine davon ist besser als die andere.

aus: Karl Renz, „Worry And Be Happy“
GSog. spirituelle Lehrer werden nicht müde, dich zu ermahnen, dein Selbst zu verwirklichen, und zeigen dir Wege auf, wie du das am geschicktesten anstellst. Meditieren, kein Fleisch essen, Mantras murmeln, deinen Atem kontrollieren, negative Emotionen eliminieren oder akzeptieren, … – und dann kommt dieser Karl daher und lacht sich schlapp. Alles nur Teil des Films, sagt er. Auch wenn du glaubst, dein Ziel endlich erreicht zu haben: „Das unpersönliche Gewahrsein, das sich einstellt, dann das Menschsein als ein persönliches Erleben.“ Na Klasse, denkst du, jetzt hab ich’s endlich geschafft, jetzt bin ich auch ein spiritueller Lehrer und kann meinen armen Mitmenschen den Weg zeigen, wie man sein Selbst verwirklichen kann: Meditieren, kein Fleisch essen, Mantras murmeln, deinen Atem kontrollieren, negative Emotionen eliminieren oder akzeptieren, …

Und dann ist da dieser Siddharta Gautama und fragt ganz blöd: Welches Selbst wollt ihr eigentlich verwirklichen? Hää? Meint der das ernst oder spinnt der? Huang-po hat ja auch so was gemurmelt: „Alle Buddhas und alle Lebewesen sind nichts als der eine Geist, neben dem nichts anderes existiert.“ Und den soll ich armes Suppenhuhn nun verwirklichen? Irgendjemand muss hier verrückt sein?
RKürzlich zitierte ich Ram Dass u.a. mit dem Satz: „Es tut uns leid, lass deine Schuhe draußen, du kannst nicht hereinkommen.“ Das muss einem nicht leidtun, das ist einfach so. Nicht „ich“ muss eine „Selbst-Vorstellung“ verwirklichen, sondern – ich zitiere Karl: „Du bist der unbewegliche Zuschauer – das Absolute ‚Ich‘ – der Absolute Seher, der sich selbst Bild für Bild erlebt.“ Nicht ich, der ich nur eines der unzähligen Bilder bin, muss etwas verwirklichen, sondern der unbewegliche Zuschauer – das Absolute „Ich“ – der Absolute Seher – verwirklicht sich selbst durch all die Bilder, die er erlebt, verwirklicht sich zum Beispiel durch die Bilder von „mir“, von „dir“, von „allem, was ist“.

Wenn das allgemein bekannt wäre, so phantasiere ich mal, gäbe es keine Missionare mehr. Wer wäre denn noch an ihren Märchen interessiert? Na ja, phantasieren kann man viel. Ich liebe z.B. Märchen, ich liebe Geschichten – also mal ganz abgesehen von meinen Eichhörnchen und Piepmätzen die da auf den Lärchen vor meinem Küchenfenster herumturnen. Karl sagt: „Es gibt sieben verschiedene Möglichkeiten, dich selbst zu träumen oder dich selbst zu erfahren. Und keine davon ist besser als die andere.“ Na Klasse, ich kann gar nicht nicht träumen! Selbst die Abwesenheit des Films ist Teil des Films. Das ist wirklich lustig, wie mir das das erste Mal bewusst war, dass da gerade kein Film war, dachte ich natürlich sofort: Das ist es aber jetzt! Und musste sofort so lachen. Nein, da ist kein Entrinnen aus dem Film. Sobald Bewusstsein da ist, läuft der Film. Also kann man sich entspannt zurücklehnen und „Glotze gucken“. Man darf sogar Chips dabei knabbern und auf das Scheiß-Programm schimpfen. Und Lachen … Lachen über das ganze Theater ist erlaubt und Klatschen nicht verboten.

W

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12 Antworten zu Karl Renz: Du bist der unbewegliche Zuschauer

  1. Osheewan schreibt:

    hab die falsche taste gedrückt und mein langer kommentar ist weg, hab keine lust mehr ihn zu wiederholen…die biene über karls kopf find ich süß und sie erinnert mich an meinen letzten urlaub auf kreta mit meiner freundin moira….ach ja noch, danke karl für deine mail, die hat mir sehr gutgetan und geholfen….ciao, ich glaub das war s für mich hier in diesem blog, vielen dank beloved satyam nitya

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  2. Alexandra schreibt:

    Danke! Irgendwie geht diese einfache Botschaft bei mir immer wieder unter, weil ich dann wieder hier und da etwas lese und meine, „das bringt mich weiter“. Was für ein Witz!

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    • fredo0 schreibt:

      das was da „weiterbringt“ , ist ja die sich einschleichende ahnung ,
      dass das „weiter“ wo ganz anders liegen könnte ,
      wie im „noch nicht da“ bisher vermutet …

      ( nämlich genau in dieser ahnung😀 )

      jede erwartung von einem „weiter“ baut ja auf der vorstellung
      von einem bereits vorhandenen (etwas) auf …
      dass das „weiter“ jenseits oder entgegen dieser vorstellung sein könnte ,
      vermag diese erwartung einfach nicht erfassen …

      da ist jedoch keine mangelsituation vorhanden , sondern schlichte zwangsläufigkeit .
      jedes mangelgefühl füttert da noch zusätzlich die ebengleiche vorstellung von „etwas“ (dem es halt mangelt ) …

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  3. Eno Silla schreibt:

    „Lachen über das ganze Theater ist erlaubt und Klatschen nicht verboten.“:

    #Verafake

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  4. toenungen schreibt:

    Du bist der ‚unbewegliche‘ Zuschauer …
    Warum ‚unbeweglich‘?
    „Unbeweglich“ zündet ein mentales Störfeuer, schließt es doch sein Gegenteil mit ein. Der Verstand ist beschäftigt.
    Die Erfahrung, die gemacht werden will – Der Zuschauer sein – wird erschwert.
    tg

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    • Nitya schreibt:

      „Der unbewegliche Zuschauer“ ist nicht an Erfahrungen interessiert, die gemacht werden wollen. Er wird auch weder durch mentale noch sonstige Störfeuer gestört.

      Ganz glücklich bin ich mit dem Begriff „unbeweglich“, wie ihn Karl Renz hier verwendet, allerdings auch nicht. Der Zuschauer ist im Grunde jenseits von beweglich und unbeweglich, jenseits jeder Beschreibungsmöglichkeit.

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      • Susanne schreibt:

        „„Der unbewegliche Zuschauer“ ist nicht an Erfahrungen interessiert, die gemacht werden wollen. Er wird auch weder durch mentale noch sonstige Störfeuer gestört. “

        Eine Erfahrung ist das Erleben einer Bewegung. In einer vorgestellten Einheit gibt es keine Bewegung und damit auch nichts zu beobachten.
        Ich sage, der einzige Grund meines Daseins ist es Erfahrungen zu machen.
        Was sollte der unbewegliche Zuschauer denn schauen, wenn da keine Erfahrung/Bewegung ist ?

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      • Nitya schreibt:

        Ich kenne den Grund meines Daseins im Gegensatz zu dir nicht.

        Ein Spiegel spiegelt jede Bewegung und Nicht-Bewegung, die vor ihm erscheint.

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  5. Susanne schreibt:

    In einem Spiegel können nur Dinge erscheinen die existieren. Nicht-Bewegung existiert nicht.

    Erfahrung, das Erleben von Bewegung, ist mein bewusstes Sein. Ich kenne, d.h. ich erlebe das.
    Kann da ein Jemand sein, der das nicht kennt ?

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    • fredo0 schreibt:

      „““In einem Spiegel können nur Dinge erscheinen die existieren. Nicht-Bewegung existiert nicht.“““

      da wird das (Spiegel)Bild falsch verstanden. das was da „bezeugt“ entspricht dem Spiegel …
      der ist , als Spiegel , schon immer unbeweglich , bzw. nur wenn unbeweglich , kann Spiegelung (= neutrale Wahrnehmung ) gelingen …
      ist auch der Spiegel mit bewegt ( z.B. durch Mit-Leid oder An-Teilname ) verschwindet diese an sonsten jederzeit mögliche ( anfangs zusätzliche , später dann als elementar unterliegend erkannte) neutrale Wahrnehmung im Ereigniss …

      Dieses „sich im innere Zurücktreten vorfinden“ , ( halt ohne dass da jemand zurücktritt ) ist der Schlüssel zum Verstehen …
      Anfangs wird dies -auch- empfunden … „Mensch dieses innere zurückgetretene bin ich ja auch , das ist ja , auch , da“… später , meist peu a peu , wird dies -auch- zum -eigentlich- „Mensch , ich bin ja – eigentlich – genau dies innerlich zurückgetretene“ …
      Und das Auftauchen von eine zuvor unbekannten Unbezweifelbarkeit dieses „inneren Zurücktretens“ , lässt es als „das Eigentliche“ gewissermassen in den Alltags-Erlebnis-Fluss „einsickern“ ( ohne den jedoch jemals zum versiegen zu bringen … wär auch schade drum ) …

      vielfältige Bilder versuchen diese an sich unwörterbare „Haltung“ zu umschreiben , mitschwimmen in der Strömung des Flusses , und und …
      der Spiegel und seine Spiegelung ist ein weiteres dieser Bilder .
      Keines dieser Bilder trifft vollständig „den Nagel auf den Kopf“ , denn diese Haltung kennt weder Nagelkopf noch Hammer …

      und ich schon gar nicht …😀

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      • Susanne schreibt:

        „kann Spiegelung (= neutrale Wahrnehmung ) gelingen “

        was soll das sein, neutrale Wahrnehmung ?
        wann willst du, fredoo, in deinem realen leben neutrale Wahrnehmung praktizieren ?

        erzählen wir hier von dingen/vorgängen, die tatsächlich im leben des erzählers geschehen
        oder wird hier von fantastischen Möglichkeiten erzählt, die nicht sind, aber sein könnten ?

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  6. fredo0 schreibt:

    deine frage zeigt auch eine beschränkung dessen an , was du zu „sein“ glaubst …

    niemand „praktiziert“ neutrale wahrnehmung … ( im sinne einer bewussten handlung )
    doch ist es möglich , zu bemerken ( in sinne eines versinkens oder verödens der „macher“idee o.ä. ) das DA nix anderes ( wichtig nix anderes ! ) wie neutrale wahrnehmung ist … in dem was DA IST …
    dadurch wie das vertraut „Ich“-machende auch nicht verdrängt oder negiert , es wird auf eine gewisse art in seinem auftauchen „transparent“ … und verliert damit seine hypnotische (neben)wirkung in seinem „nur-so-kann-es-sein“ …

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