Jed McKenna: Das ist der Kern der Bhagavad-Gita.


BJED: „Arjuna, als moralisches Wesen, wirft seine Waffe zu Boden und weigert sich, einen Krieg zu beginnen. Krishna wandelt ihn um in einen Träger des rechten Handelns, indem er ihn von seiner Illusion befreit, und Arjuna nimmt seine Waffe auf und entfesselt die Schlacht. Rechtes Handeln hat nichts zu tun mit Richtig oder Falsch, mit Gut oder Böse, mit Ungezogen- oder Bravsein. Es ist frei von Altruismus oder Mitleid: Moral, das ist jenes Regelwerk, sind jene Maßstäbe, die den Kern deines Lebens bestimmen, während du dein Schiff noch selbst zu steuern versuchst, anstatt es einfach der Strömung zu überlassen.“
JULIE: „Ohne Scheiß?“
JED: Ich lache. „Im Tao heißt es: ‚Wo das große Tao verloren geht, zeigen sich Güte und moralisches Handeln.‘ Das ist damit gemeint.“
JULIE: „Ohne Scheiß?“
JED: „Also noch so ein Ausdruck und du solltest dir die Zähne putzen.“
JULIE: „Also, etwa so, wie wenn die Figur, die du verkörperst, auf der Bühne steht …“
JED“… und ihre Rolle spielt. Sie sieht die Zukunft auf sich zuströmen und lässt sich von ihr tragen. Sie braucht dazu nicht erst in einem Regelbuch nachzuschlagen.“
JULIE: „Und wenn dieses Strömen dir sagt: Beginne einen Krieg …?“
JED: „Ganz klar, dann beginnst du einen Krieg.“

aus: Jed McKenna, „Verflixte Erleuchtung“

SAlso den Cartoon vom Ralph Ruthe finde ich Oberklasse. Da ist eine Kellnerin, die keine Kellnerin ist oder sein will und eine offensichtlich erleuchtete Kollegin, die lachend die Kaffeemaschinenbedienerin spielt und der Rollenverweigerin rät, es ihr gleich zu tun, was diese ihr vermutlich sehr übel nehmen wird.

Arjuna will auch seine Rolle als Krieger nicht mehr spielen und denkt über eine edlere Rolle nach: Ein heiliger Einsiedler, der die Welt transzendiert hat – das wär doch was! Jedenfalls besser als bei diesem Gemetzel mitzumachen, bei dem viele seiner Verwandten und Freunde sterben würden. Lieber Kriegsdienstverweigerer als Krieger und Massenmörder. Aber sein Wagenlenker Krishna macht ihm da einen Strich durch die Rechnung, indem er ihm klar macht, dass er nichts transzendiert, wenn er die Rollen wechselt. Er ist identifiziert mit dem Krieger, indem er diese Rolle ablehnt, und er ist identifiziert mit dem Einsiedler, indem er diese Rolle bevorzugt. Er kann beide nicht als Rollen sehen, sondern glaubt, sie zu sein.

Das bringt einen natürlich schnurstracks zur Frage der Moral. Ich muss da natürlich gleich wieder an meine Kriegsdienstverweigerungsverhandlung denken: „Stellen Sie sich vor, Sie gehen mit Ihrer Freundin im Wald spazieren. Da kommt ein Kerl aus dem Hinterhalt und will Ihre Freundin vergewaltigen. Zufällig liegt da eine Pistole herum. Was machen Sie jetzt?“ Wenn ich jetzt sage, dass ich den Kerl über den Haufen schießen werde, hab ich natürlich verloren. Also fiel mir nichts Blöderes ein, als zu sagen: Wenn ich den Kerl an den Füßen von meiner Freundin wegziehe, kann er ihr nichts tun. Das war natürlich saublöd, das fiel sogar den Heinis von der Prüfungskommission auf. Als sie mir das um die Ohren hauen wollten, brüllte ich sie an, dann sollten sie aufhören, mir so blöde Fragen zu stellen. Aber was täte ich denn tatsächlich, wenn ich der Gewalt eines anderen begegnen würde? Eigentlich kann ich das ja immer erst im Nachhinein sagen. Vermutlich würde ich mich zur Wehr setzen. Ich sag mal: In angemessener Weise – was immer das sein wird. Darf ich ja heute sagen, weil ich vermutlich über das wehrfähige Alter hinaus bin. Wehren würde ich mich trotzdem. Das lasse ich mir auch nicht von irgendeinem spirituellen Moralapostel madig machen. Ganz so, wie das Jed McKenna erzählt: „Und wenn dieses Strömen dir sagt: Beginne einen Krieg …?“ – „Ganz klar, dann beginnst du einen Krieg.“ Ganz in diesem Sinn: „Moral, das ist jenes Regelwerk, sind jene Maßstäbe, die den Kern deines Lebens bestimmen, während du dein Schiff noch selbst zu steuern versuchst, anstatt es einfach der Strömung zu überlassen.“

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23 Antworten zu Jed McKenna: Das ist der Kern der Bhagavad-Gita.

  1. Osheewan schreibt:

    Da ist mir gestern doch auch einer zwei mal auf die Füße gelatscht beim Tanzen. Da ist bei mir doch auch glatt der Krieg ausgebrochen und ich bin ihm so richtig heftig und gekonnt auf den Mittelfußknochen getreten, das hat man mir schon als kleines Mädchen als geeignete Selbstverteidigungs- Massnahme empfohlen und jetzt hab ich es endlich mal einsetzen können….what a feeling……..

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  2. Osheewan schreibt:

    ach übrigens, man hat mir später gesagt, der tanz hieße pogo oder so ähnlich und da würde das dazu gehören. das hab ich halt einfach nicht gewußt…..

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    • Nitya schreibt:

      Gott sei Dank bin ich über dieses Alter hinaus. Das hätte mir gerade noch gefehlt, dass mir mir jemand auf meinen Senk-, Platt-, Knick- und Spreizfüßen und auf meinen Hammerzehen herumtrampelt!

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  3. kekabe schreibt:

    …naja, Identifikation muss erkannt werden, gar nicht so leicht bei den vielen Argumenten, die wir uns selber liefern…
    Dann erst kann sich dieser wunderbare Satz entfalten:
    „Wo das große Tao verloren geht, zeigen sich Güte und moralisches Handeln.“

    Guten Morgen, danke und *winke*,
    Kerstin

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    • Nitya schreibt:

      Na ja, liebe Kerstin, sie wird erkannt oder sie wird nicht erkannt. Manchmal hilft ja ein zarter Hinweis eines anderen, oft bewirkt der allerdings eher das Gegenteil. Wir lieben halt unsere blinden Flecken.

      Einen guten Morgen auch dir

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  4. kekabe schreibt:

    Ein wundervoller Clip mit dem Fluss…😉

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  5. Susanne schreibt:

    „Wehren würde ich mich trotzdem. Das lasse ich mir auch nicht von irgendeinem spirituellen Moralapostel madig machen. Ganz so, wie das Jed McKenna erzählt: „Und wenn dieses Strömen dir sagt: Beginne einen Krieg …?“ – „Ganz klar, dann beginnst du einen Krieg.“ “

    Sich wehren bezeichne ich als Re-Aktion. Einen Krieg beginnen kann eine Aktion sein. Ich sage kann, weil man sich das auch als Abwehr-Handlung, als Re-Aktion interpretieren kann.

    Ich frage mich, wie ein unpersönliches Strömen mir sagen kann, beginne einen Krieg ?
    Wer interpretiert ein unpersönliches Strömen ?

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    • Nitya schreibt:

      Es gibt keine Aktion. Es gibt nur das unpersönliche Strömen, das sich manchmal sehr persönlich anfühlen mag.

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      • fredo0 schreibt:

        so meine Gedanken dazu …

        dieses Strömen dekoriert sich häufig als persönlich …
        dieses -als ob persönlich – ist jedoch nur ein ein Hilfsmittel …
        für die nur eingeschränkt talentierte Erinnerungsfunktion im Homosapiens …
        damit sie zumindest halbwegs ihren Job erledigen kann ,
        wird halt „als persönlich“ erinnert , was da – nur so – strömt …
        dann klappt das erinnern irgendwie besser , mit so einem helden der geschichte …

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      • Nitya schreibt:

        So kann man es auch sagen.

        Hallo Herr Fredo! Einen feinen Tag auch!🙂

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  6. fredo0 schreibt:

    auch dir ein feines pfingsten … und den eichhörnchen eine sondernuss …😀

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  7. punitozen schreibt:

    …..Wir haben ein Ego, und damit fängt das Schlamassel an…. 🙂
    Ein schönes Wochenende
    Punito

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  8. Susanne schreibt:

    Auf mein Tun bezogen würde ich unpersönliches Strömen mit absichtslosem Handeln gleichsetzen.
    In meinem Leben gibt es einen Mann, 2 Kinder, einen Arbeitgeber, Haus und Garten.
    Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, mein Handeln in diesen Beziehungen geschieht absichtslos bzw. wäre ein unpersönliches Strömen. Ich erlebe/erfahre also kein unpersönliches Strömen. Das es so etwas tatsächlich gibt müsste ich also glauben, wenn ich es für wahr halten möchte. Etwas zu glauben, was ich nicht selber erfahre/erlebe macht mich zu einem Religionsanhänger. Sollte ich dann noch glauben, dass mein Glauben wahrer ist, wie der anderer Religionen, dann darf ich sogar das Abzeichen Religidiot tragen.

    Und ja, ich bin ein Religidiot.
    Hat hier noch einer den wahren Galuben ?

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    • Nitya schreibt:

      Am Anfang steht die Prämisse. Darauf wird dann ein logisches Gedankengebäude gebaut. Damit kann man dann glauben, mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Tatsachen zu stehen und kein Religionsanhänger zu sein.

      Alles ist unpersönliches Strömen. Auch angeblich absichtsvolles Handeln ist Teil des Strömens. Dass es so etwas wie absichtsvolles Handeln gäbe, ist reiner Glaube. Die Voraussetzung für absichtsvolles Handeln wäre eine Ich-Instanz,die in der Lage wäre, Kontrolle über das Leben zu haben.

      Immer wieder und bis zum Erbrechen Buddha: „Handlungen geschehen, doch gibt es keinen Handelnden.“ Darüber zu diskutieren wäre absolut sinnlos. Das kann nur im stillen Betrachten gesehen werden und nicht wenn der Verstand seine Glaubensvorstellungen verteidigt.

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      • Osheewan schreibt:

        da scheint mir doch, die Frauen haben ihren wahren Galuben, und die Männer erbrechen ihren Buddha….fragt sich doch glatt wie lange das noch so weitergehen soll…..!

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  9. Alexandra schreibt:

    Spitze diese Seite! Ehrliche, freche und humorvolle Beiträge! Kein spirituell anmutendes seichtes Geschwafel! Danke! Wenn jemand auf noch mehr frech-ironische und trotzdem gehaltvolle Lektüre Lust hat, dem kann ich Herrmann Lehner empfehlen: „Als Pablo träumte, er wäre Ali“ z.B. Macht allein schon Spaß, wie er dort den Verstand tituliert. Auch ganz toll finde ich: Mark Twain (z.B. Briefe von der Erde oder der geheimnisvolle Fremde.) Da wird aufgeräumt! Kannte früher von Mark Twain nur Tom Sayer…

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