Linji: Formlosigkeit vs. nihilistische Ansichten

BEin alter Weiser sagte: Der Tathagata offenbart seinen Körper auf vielfältige Weise, um sich den üblichen Vorstellungen der Welt anzupassen. Er fürchtet, die Menschen zu nihilistischen Ansichten zu führen, und erfindet deshalb Fantasienamen. Die zweiunddreißig Merkmale und achtzig herausragenden Eigenschaften sind solche Fantasienamen. Der leibliche Körper ist nicht der Erwachte. Formlosigkeit ist die wahre Form.

aus: Linji Yixuan, „Linji Yulu“

N

Wer ich bin? Na, wisst ihr ja: Der Nitya sozusagen. „neti-neti“ Na gut, ich bin männlich. „neti-neti“ Okay, ich bin ein alter Sack. „neti-neti“ Hmm, ich bin der, der gerade so einen leichten Druck im Kopf verspürt. „neti-neti“ usw. usw. bis zu guter Letzt nix mehr übrig bleibt, was mir noch einfallen könnte, wer oder was ich denn alles sein könnte. Da ist einfach NIX. Mich gibt’s anscheinend nicht. Na so was. Da soll man kein Nihilist werden! „neti-neti“ Nicht mal ein Nihilist darf ich sein? Oh, du lieber Augustin, alles ist futsch!

Der Tathagta wollte uns ja angeblich davor bewahren, Nihilisten zu werden, und hat uns deshalb ein paar heilige Märchen erzählt. Zweiunddreißig Merkmale und achtzig herausragenden Eigenschaften hat er sich uns zuliebe zugelegt. Kann ich mir irgendwie nicht vorstellen, aber was weiß so eine Null wie ich schon, was der Typ tatsächlich von sich gegeben hat und was andere sich so dazu gereimt haben. Wenn schon der Tathagata Märchen erzählt hat …

Der leibliche Körper sei nicht der Erwachte, Formlosigkeit sei die wahre Form, sagt der Linji. Also wenn ich die „neti-neti„-Prozedur hinter mir habe, kann ich das bestätigen, was der Linji da sagt. Ich bin zwar Nichts, aber nicht Nichts (no-thing aber nicht nothing), denn ich bin immer noch als Bewusstsein vorhanden, auch wenn ich da kein Ding gefunden habe, zu dem ich sagen könnte: Das bin ich und das bin ich nicht. Also dass ich immer noch als Bewusstsein vorhanden bin, schreib ich jetzt nur, weil ich glaube, das vielleicht ausdrücken zu sollen. Schließlich ist das hier ja ein Blog und da kann ich nur schreiben, also dualistisches Zeugs von mir geben.
RIch könnte mich ja auch einfach vor das Notebook setzen und die Klappe halten, aber das tut man einfach nicht, wenn man schon unbedingt meint, einen Blog haben zu müssen. Ich könnte höchstens ein Filmchen von mir machen, wie ich dasitze und die Klappe halte und heilig aus der Wäsche schaue, aber das würde euch vermutlich spätestens nach einer Minute langweilen und mich auch. Höchstens Ronny hätte das vielleicht sogar gespeichert und sich schlapp gelacht. Also schreib ich lieber und das ist zwangsläufig dualistisch. Da schreibe ich z.B., dass ich Bewusstsein bin. Aber ich sitz doch nicht hier und denke: Ich bin Bewusstsein. Das muss ich doch nicht denken, es genügt doch, es einfach zu sein oder von mir aus nicht zu sein. Ein Blatt am Baum, denkt doch auch nicht, dass es ist. Es ist einfach. Es denkt auch nicht „ich bin das Seiende“ oder so’n Käse. Das ist völlig überflüssig. Insofern sind das alles nur Märchen, die hier zu finden sind; Beiträge, Kommentare – alles Märchen – wie beim ollen Tathagata. Und ewig rauscht die Linde.
L

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6 Antworten zu Linji: Formlosigkeit vs. nihilistische Ansichten

  1. kekabe schreibt:

    …ich habe jetzt so gelacht!!!

    Guten Morgen und liebe Grüße in den Mittwoch!
    Kerstin

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    • Nitya schreibt:

      Lachen am Morgen vetreibt Kummer und Sorgen, falls Kummer und Sorgen überhaupt aufgetaucht sind. Sonst ist Lachen am Morgen einfach purer Luxus.

      Liebe Kerstin, mögest du heute noch viele Gelegenheiten zum Lachen bekommen. Aber vielleicht benötigst du ja solche Gelegenheiten gar nicht und lachst auch immer wieder einfach so ohne jeden Grund dem Mai ins Gesicht.

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  2. Georg Alois schreibt:

    Das ist doch Freiheit pur! oder?
    „Du hast keine Chance, also nutze sie!“
    Und auch vielen Dank an Brigitte, dass sie mich an Janis Joplin erinnert hat……
    Schönen Tach auch!

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  3. Ronny schreibt:

    „Ich könnte höchstens ein Filmchen von mir machen, wie ich dasitze und die Klappe halte…“ warum eigentlich net

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