Huang-po: Ich will mit beiden Händen loslassen


B

Frage: Täuschung kann uns den eigenen Geist verbergen, aber bisher habt ihr uns nicht gelehrt, wie wir die Täuschung loswerden können.

Huang-po: Entstehen wie Beseitigen der Täuschung sind beide Täuschungen. Diese wurzeln nicht in der Wirklichkeit, sondern bestehen nur durch das dualistische Denken. Wenn du nur aufhörtest, entgegengesetzten Begriffen wie „gewöhnlich“ und „erleuchtet“ anzuhängen, würde die Täuschung von allein aufhören. Wolltest du sie dann noch  – wo auch immer – zerstören, würdest du entdecken, dass auch nicht eine Haaresbreite von irgendetwas zurückgeblieben ist, das du erfassen kannst. Dies ist die Bedeutung von: „Ich will mit beiden Händen loslassen. Dann werde ich gewiss Buddha in meinem Geist entdecken.“

aus: Huang-po, „Der Geist des Ch’an“

HNachdem ich mich gestern ein bisschen lustig über das Namasté gemacht habe, wo man bei uns doch eher „Grüß Gott“, „Moin Moin“ oder von mir aus „Guten Tag“ sagt, heute kurz eine Erinnerung an die Symbolik dieser Namsté-Handhaltung. Wir haben zwei Ohren, zwei Nasenlöcher, zwei Augen, … ziemlich schwierig bei so viel Polarität das Eine auszudrücken. Die Augen können bestenfalls zur Nase hin schielen, bleiben aber immer noch zweifach. Am besten gelingt uns das mit unseren beiden Händen, die wir einfach zusammenlegen und so das Eine repräsentieren können. Anstatt jedoch ständig seine spirituelle Gesinnung durch das Zusammenlegen der Hände zu demonstrieren, wäre es wohl sinnvoller, damit aufzuhören,  „entgegengesetzten Begriffen wie ‚gewöhnlich‘ und ‚erleuchtet‘ anzuhängen.“

Huang-po geht es darum, das Illusionäre dualistischen Denkens bewusst zu machen. Erst einmal klingt das nach einer sehr nachvollziehbaren Methode: Hör auf, entgegengesetzten Begriffen wie ‚gewöhnlich‘ und ‚erleuchtet‘ anzuhängen, dann hört die Täuschung von allein auf. Das ist es aber allem Anschein nach nicht, worauf Huang-po hinaus will. Er sagt: „Entstehen wie Beseitigen der Täuschung sind beide Täuschungen.“ Da drängt sich dem Leser vermutlich die Frage auf: Wenn sowohl das Entstehen wie das Beseitigen der Täuschung Täuschungen sind, wozu sich dann überhaupt an die Arbeit der Beseitigung der bestehenden Täuschungen machen? Also alles lassen, wie es ist?

9Das will Huang-po vermutlich nicht sagen, sonst hätte er wohl kaum diesen Hinweis gebracht: „Die Täuschungen wurzeln nicht in der Wirklichkeit, sondern bestehen nur durch das dualistische Denken.“ Die Täuschungen sind also nicht real, sondern nur Kopfgeburten. Ohne die ganze Denkerei würden keinerlei Probleme existieren. Es gäbe Herausforderungen, aber keine Probleme. Wer dies nicht versteht, wird sich immer wieder daran machen, zu versuchen seine Probleme zu lösen. Das wird dann sein wie der Versuch, die neunköpfige Hydra zu töten, der aus jedem abgeschlagenen Kopf zwei neue Köpfe nachwuchsen, was sie immer gefährlicher werden ließ. Wer jedoch die Unwirklichkeit aller Probleme sehen kann, hat keine Probleme und daher auch nicht die Idee, nichtvorhandene Probleme beseitigen zu müssen.

Damit niemand das mit den Herausforderungen einerseits und den Problemen andererseits in den falschen Hals kriegt, hier noch einmal Ryōkans Zeilen:

Wenn du einem Unheil begegnest,
ist es gut, dem Unheil zu begegnen.
Wenn du stirbst,
ist es gut zu sterben.
Dies ist die wunderbare Weise,
dem Unheil zu entrinnen.

S

 

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4 Antworten zu Huang-po: Ich will mit beiden Händen loslassen

  1. fredo0 schreibt:

    nun , ist es Zeit , zu was auch immer …
    manchmal wirds besser , manchmal schlimmer …
    doch stets passt die Zeit , zu dem was ist ,
    da ist nie zuviel , wird nichts vermisst .

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  2. Osheewan schreibt:

    und wenn man diese namaste haltung ganz schnell hintereinander wiederholt dann wird applaus, applaus daraus…..

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  3. punitozen schreibt:

    ……„Entstehen wie Beseitigen der Täuschung sind beide Täuschungen.“…..

    “ Wat is´dat is – ob`ste dir jetäuscht hast -merk`ste hinterher .
    Hinterher jibt`s ooch nuscht zu tun .
    Wat war det war , da jibst nuscht mehr dran zu tippen .
    Ob´ste det nu ` jglobst oder nisch `,
    Wat is`denn so`ne Täuschung , frag`ste dir , janz stickum ?
    Jetzt setz`te dir uff`n Arsch –
    und atmest aus , atmest ein , atmest aus –
    und kiek`ste wat passiert – wat is ` nu ? “
    “ Nischt ! “

    “ Sieh`ste , so kann`ste Dir , scheinbar vorstellungsfrei und problemlos
    uff `s Neue täuschen ! “
    “ So`n , blinder Esel , so`n Blinder ! “

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  4. Osheewan schreibt:

    wie hat schon mal der olle osho gesagt..you never know from where the fridge comes…..

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