Liä Dsi: Wie gräbt man der Staatgewalt ihr Grab?

MHambo Lama Daschi-Dorsho Iltigelow, geb. 1852

Yang Dschu sprach: Vier Gründe sind es, dass die lebenden Menschen nicht zur Ruhe kommen: Der eine ist das lange Leben, der zweite ist der Ruhm, der dritte ist Rang und Stand und der vierte ist der Besitz. Um dieser vier Dinge willen fürchten sie die Geister, fürchten sie die Menschen, fürchten sie die Macht und fürchten sie die Strafe. Die das tun, sind Menschen, die nicht zur Besinnung kommen. Man kann sie töten, man kann sie am Leben lassen: Ihr Schicksal wird von außen her bestimmt.

BWer seinem Los nicht widerstrebt, was braucht der hohes Alter zu begehren? Wer sich nicht um Ansehen kümmert, was braucht der Ruhm zu begehren? Wer nicht nach Macht trachtet, was braucht der Rang und Stand zu begehren? Die solches tun, sind mit sich selbst im Reinen. Auf der ganzen Welt finden sie keinen Gegner; ihr Schicksal wird von innen her bestimmt. Darum  sagt ein Sprichwort:

WDie Leute ohne Ehr und Amt
Sind nur zur halben Last verdammt,
Und schafft man Speis‘ und Kleidung ab,
Gräbt man der Staatsgewalt ihr Grab.

aus: Liä Dsi, „Das wahre Buch vom Quellenden Urgrund“

AWährend als Anarchisten verkleidete Terroristen davon träumen, der Staatsgewalt mit Sprengmitteln aller Art das Grab zu graben und damit eine Kettenreaktion von Gewalt und Gegengewalt auslösen, macht uns Liä Dsi mit einer genialen Methode bekannt, die keinerlei Gewalt bedarf. Er sagt, wer auf ein langes Leben, auf Ruhm, auf Rang und Stand und auf Besitz verzichten kann, gräbt genau damit der Staatsgewalt das Grab. Wer solches tut, ist mit sich selbst im Reinen. Auf der ganzen Welt findet er keinen Gegner; sein Schicksal wird von innen her bestimmt. Er hat nichts mehr zu verlieren und lässt sich weder korrumpieren noch sonst wie manipulieren. Er selbst ist nicht daran interessiert, andere zu beherrschen, noch hat er die geringste Lust, sich beherrschen zu lassen. Das wäre dann wahre Anarchie und nicht irgendein Zerrbild von ihr. Die Frage, mit der sich jeder Einzelne hier konfrontiert sieht, ist: Was ist mir ganz persönlich wichtiger: Dieser unspektakuläre Rückzug aus den Verlockungen des Mammons und der Macht oder irgendein spektakulärer Krawumm, der immer nur die Staatsgewalt verewigt hat?

B

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4 Antworten zu Liä Dsi: Wie gräbt man der Staatgewalt ihr Grab?

  1. thomram schreibt:

    Danke für deine Funde, Nitya.
    Ich habe den Jang Dschu auch zitiert und was dazu gesenft.
    https://bumibahagia.com/2016/05/07/auf-der-ganzen-welt-sie-finden-keinen-gegner/

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  2. Georg Alois schreibt:

    Da hast Du es doch wieder geschafft, lieber Nitya, mich freudig zu überraschen!! Das ist so schön, morgens immer so ein „Überraschungsei“ auspacken zu dürfen. Danke!

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  3. punitozen schreibt:

    Berliner Kämpfe

    Revolution? Aber kein Gedanke!
    Es brodelt im Hexenkessel der Panke,
    es hupen die Autos, es knattern die Flinten,
    Demonstrationen vorne und hinten –
    Tun sie auch so wie die Menschenfresser:
    die Panke war stets ein stilles Gewässer.

    Jahrelang – bängliches Zögern und Drehen.
    Jahrelang – wir werden ja sehen!
    Jahrelang – Krupp und Tirpitz sollen leben!
    Jahrelang – rin in die Schützengräben!
    Jahrelang – Reklamiertenschiß.
    Kompromiß … und Kompromiß …
    Jahrelang – Ausverkäufe an Sieg …
    Sozialisierung? Krieg ist Krieg.

    Und nun ist auf einmal Friede auf Erden.
    Und nun soll das alles anders werden.
    Wir hassen den bauchigen Kassenschrein.
    Wir wollen alle glücklich sein!

    Man kann sich über das Tempo zanken,
    Nicht so bei uns an der blauen Panken.

    Wenn die Regierung einen wie Liebknecht hätt!
    Die Regierung aber sitzt auf dem Klosett
    und berät wie früher in der Reichskanzlei,
    was nunmehr und ob es zu tun sei.
    Es erinnert an schlechteste alte Zeiten:
    das Gesellschaftsspiel der Verantwortlichkeiten,
    der deutsche Streit um die Kompetenz –
    der alte politische Zirkus Renz.
    Unterdessen schwillt der Spartakus
    zur Macht empor, weil er will und muß.

    Und der Bürger? Du liebe Güte!
    Es wackeln im Wind die Zylinderhüte.
    Er ist gegen jede Volksempörung.
    Politik ist geschäftliche Störung.
    Spartakus will seine Rasse bedrohn?
    Das geht zu weit mit der Revolution.
    Und wenn der Bürger noch zuschlagen wollte!
    Es schläft Tante Minchen, es schläft Onkel Nolte …
    Spartakus packt die Geschichte beim Schopf.
    Der Bürger wackelt empört mit dem Kopf.

    Und so stehn wir am Anfang und stehn am Ende.
    Deutsches Blut floß über deutsche Hände.
    „Lumpen! Deserteure! Proleten!“
    So kann man dem Ding nicht entgegentreten.
    Ist Ruhe die erste Bürgerpflicht,
    die von Empörern ist es nicht.
    Gewalt gegen Gewalt, Kraft gegen Kraft:
    das ist die alte Wissenschaft.
    Weißt du, Deutscher, wie die neue heißt?
    Gegen Gewalt den Geist!
    Nur der Geist kann die Streitaxt begraben!

    Aber freilich: man muß einen haben.

    Kurt Tucholsky
    Aus der Sammlung Revolutionsersatz

    ….Während als Anarchisten verkleidete Terroristen davon träumen, der Staatsgewalt mit Sprengmitteln aller Art das Grab zu graben und damit eine Kettenreaktion von Gewalt und Gegengewalt auslösen, …… füttert Punito die Katz `!

    Ein friedliches Wochenende
    Punito

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    • Nitya schreibt:

      Lieber Punito,

      gibt es etwas Wichtigeres als die Katze zu füttern? Alles für die Katz!

      Und danke für den Tucholsky. Er ist doch immer wieder eine Freude.

      Herzlichst
      Nitya

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