Ikkyû Sôjun: Am Ende wird doch alles vernichtet


T Meine Sekte erhält die höchste Form des Zen,
wirft Ego und Umwelt beiseite
und betritt die Dunkelheit des Daseinsgrundes.
Wo jedoch sind spiritueller Friede
und ein aufrechtes Leben verwirklicht?
Am Ende aller Zeiten wird doch alles vernichtet.

aus: Ikkyû Sôjun, „Gedichte von der verrückten Wolke“

Erwachte oder Erleuchtete im Netzwerk Erleuchtung versuchen mal wieder Auskunft darüber zu geben, was es mit dem Erwachen und der Erleuchtung so auf sich hat. Ich krieg ja immer Zustände, wenn ich diese Organisierung des Nicht-Organisierbaren mitkriege. Das mag daran liegen, dass mir grundsätzlich alle Organisationen suspekt sind, aber vielleicht – ach, ich hab keine Ahnung. „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind“ – da hab ich mich längst vom Acker gemacht.Tor


Eckhart: „In jedem Menschen sind zweierlei Menschen. Der eine heißt ‚der äußere Mensch‘, das ist der Mensch der Sinnlichkeit, der andere Mensch heißt ‚der innere Mensch‘, das ist des Menschen Innerlichkeit.

Von den zweierlei Menschen schreibt auch Ikkyû Sôjun. Der eine weilt in der „Dunkelheit des Daseinsgrundes“, der andere versucht, spirituellen Frieden und ein aufrechtes Leben zu verwirklichen, und muss erleben, wie am Ende aller Zeiten all sein Bemühen vernichtet wird. Nun könnten die sog. Erwachten mit ihrem Erleuchtungsmaßstab kommen und diesem ach so unvollkommenen Ikkyû die Erleuchtung absprechen wollen, weil es ihm anscheinend nicht gelungen ist, spirituellen Frieden und ein aufrechtes Leben zu verwirklichen. Wer dies denkt, möge sich vielleicht noch einmal den Text von Eckhart über die Abgeschiedenheit anhören. Vielleicht beginnt er dann zu ahnen, wie absurd sein Erleuchtungsmaßstab ist.

Der innere Mensch ist nie nicht da, der äußere Mensch kommt und geht. Erleuchtung ist nichts, was erworben werden könnte, weil Erleuchtung allgegenwärtig ist. Ob das bewusst ist oder nicht, ändert nichts an dieser Allgegenwärtigkeit. Und der äußere Mensch, wie weit auch immer er sich in seinem Leben entwickelt haben mag, muss zu guter Letzt mit Ikkyû feststellen: „Am Ende aller Zeiten wird doch alles vernichtet.“ Diese Einsicht macht bescheiden gegenüber der „Verrückten Wolke“, die wir alle als „äußere Menschen“ sind. Bescheiden und liebevoll. Vielleicht.
V

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4 Antworten zu Ikkyû Sôjun: Am Ende wird doch alles vernichtet

  1. punitozen schreibt:

    “Am Ende aller Zeiten wird doch alles vernichtet.“
    Bis dahin : “ Tag um Tag – guter Tag , ganz im besonderen mit Kaffee ! “🙂
    PUNITO

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  2. Elwood schreibt:

    Erfülle mir spirituellen Frieden

    Eines Tages kam ein Engel zur Erde um die Menschheit kennen zu lernen. Er hatte soviel über die Menschen gehört und er konnte seine Neugier nicht mehr bändigen.
    Die Schönheit der Erde überwältigte ihn. Die sonnenbeschienenen Berge, die dunklen Wälder, die tosenden Winde, die bunten Täler, die vom Tau geküsste Erde, die wunderbar duftet, die Tiere, so kräftig und sanft. Überall solche Schönheit. Als der Engel die Menschheit sah, und die Musik ihrer Herzen hörte und das Lied ihrer Seele vernahm, wurde er sehr ehrfürchtig.
    Er verliebte sich sehr in das menschliche Mysterium. Der Abend nahte, aber er verweilte noch. Die Erde und die Menschen hatten ihn so bewegt dass er zögerte wieder zu gehen. Doch seine Zeit ging dem Ende zu und er ging mit Tränen in den Augen. Er war enorm bereichert worden durch diese Erfahrung auf der Erde. Bevor er zurück ging in seine Welt, wollte er jemandem auf der Erde auf seinem Weg helfen, aus reiner Freude.

    Er schaute sich um und entdeckte vier Leute, die ihres Weges gingen. Er ging zu ihnen und sagte „Ich bin hier, um jedem von euch einen Wunsch zu erfüllen“. Wie es der Zufall wollte, waren alle vier Spirituelle Sucher.
    Der erste sagte „Ich habe unaufhörlich nach göttlicher Wahrheit gestrebt – das war nichts als Mühe und Ringen. Erfülle mir Spirituellen Frieden“

    „Aber Mühe und Ringen sind eine der Freuden im Leben“ sagte der Engel. Er verstand den Wunsch des Suchers nicht.

    „Ich möchte Frieden haben“ beharrte der Mann.

    Das sollte sein Wunsch sein. Der Engel wandelte den Jungen in eine Kuh, die sehr zufrieden Gras auf einer Weide kaute.

    Etwas konsterniert wandte sich der Engel dem zweiten Sucher zu.

    „Gott ist rein, ich aber bin es nicht“ sagte er. „Bitte befreie mich von allen Unreinheiten, Leidenschaften, Gefühlen und Wünschen“

    „Sind diese denn nicht die Quellen des Lebens?“ erkundigte sich der Engel.

    „Aber ich will nicht das Leben, ich will Reinheit!“ beharrte der zweite Mann. Er schloss seine Augen und wartete auf seine Verwandlung. In weniger als einer Sekunde verschwand er und tauchte in einem fernen Tempel als Marmorstatue wieder auf.

    Dann sagte der dritte „Mache mich perfekt; nichts weniger als das.“ Er verschwand, tauchte jedoch nirgends mehr auf, nichts auf der Erde ist perfekt oder kann perfekt sein.

    Der Engel wandte sich dem vierten Sucher zu und fragte „Und was ist dein Wunsch?“

    „Ich habe keinen Wunsch“ sagte der glückliche Mann.

    „Keinen einzigen Wunsch?“

    „Keinen – außer menschlich zu sein, vollkommen menschlich und lebendig.“

    Eine ihn schier erstickende Freude rührte den Engel. Er schaute den Sucher lange an, um ihn dann in tiefer Liebe zu umarmen. Der vierte Mann setze seinen Weg singend fort, er tanzte und freute sich über das Leben. Dieser vierte Mann ist der Baul (Anmerkung der Übersetzerin: Religiöse Gruppe in Indien. Sie sagen von sich selbst, dass sie verrückt nach Gott sind. Sie singen und tanzen und verdienen ihren Unterhalt mit Betteln)

    Es gibt kaum eine bessere Beschreibung für einen Baul. Der Baul hat enorme Liebe für das Leben in sich, enorme Liebe für diese Erde, enorme Liebe für alles was ist. Der Baul ist kein Idealist, er ist ein Realist – auf dem Boden der Tatsachen. Der Baul sucht nicht das Paradies, er ist bereits im Paradies, hier und jetzt. Der Baul ist keine Suchender, er ist einer, der gefunden hat. Der Baul ist ein SIDDHA: einer, der das Leben angeschaut hat und gesehen hat, dass alles vorhanden ist, keine Notwendigkeit zur Suche. Man muss nur an diesem Mysterium teilnehmen, das sich Leben nennt. Er tanzte, er sang, er genoß, er ist glückselig aus keinem bestimmten Grund. Das ist die halbe Geschichte; die andere Hälfte ist noch dort.

    Der Engel kehrte in den Himmel zurück. Gott lies nach ihm rufen und fragte ihn, „Was hast du auf der Erde getan? An meinen Kreationen herumgebastelt?“

    Der Engel sagte, „Ich bin traurig, diese Leute sind voller Wünsche, ich hab ihnen nur geholfen, diese zu erfüllen.“

    Gott sagte, „Das ist richtig. Ich bin nicht ärgerlich, ich wollte mich nur erkundigen. Hast du Wünsche?“

    Der Engel sagte, „Mach mich zum vierten Mann und schicke mich zur Erde zurück.“

    Lass das dein Wunsch ebenso sein. Du musst dir diesen Wunsch nicht erfüllen lassen, weil er bereits erfüllt ist. Du bist ein Mensch auf der Erde; genieße dieses Geschenk Gottes! Sei dankbar, singe Lieder, tanze den Tanz, der tief in dir wartet ausgedrückt zu werden. Sei kreativ. Blühe … sei, und die Erfahrung der Existenz kann dich erleuchten, so einfach ist es.

    Osho

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