Liä Dsi: Einsam geht er, einsam kommt er, …


L

Im Buche des Herrn der gelben Erde heißt es:

Der höchste Mensch weilt wie ein Leichnam und bewegt sich wie in Fesseln; er weiß weder, warum er verweilt, noch warum er nicht verweilt; er weiß weder, warum er sich bewegt, noch warum er sich nicht bewegt. Er ändert weder vor den Blicken der Menge sein äußeres Benehmen, noch kann man von ihm sagen, dass, wenn er den Blicken der Menge entzogen ist, er sein äußeres Benehmen nicht verändert. Einsam geht er, einsam kommt er, einsam äußert er sich, einsam zieht er sich in sich zurück. Wer kann ihn hindern?

aus: LiäDsi, „Das wahre Buch vom quellenden Urgrund“

TIch finde, das ist eine spannende Geschichte. Im ersten Teil geht es eigentlich nur um die Untersuchungsergebnisse der Sendung auf ARTE, auf die sich Georg Alois bezogen hat, oder um das, was Rumi mit den Worten beschrieben hat: „Glaubst du, dass ich weiß, was ich tue?“ Gleichgültig, was jemand glaubt oder nicht glaubt, er weiß nicht, warum er tut, was er tut. Er kann es gar nicht wissen. Aber wer will schon sein wie die berühmte weiße Wolke, die sich vollkommen passiv – wie tot – vom Wind hierhin und dorthin treiben lässt? Jeder, der etwas auf sich hält, will frei sein, und das heißt für ihn, seinen eigenen Willen haben, und so bildet er sich eben ein, dass er ihn hätte. Dass „der Weise“ seine Freiheit darin sieht, nichts wie eine weiße Wolke zu sein, kann er nicht nachvollziehen. Dass sich eine Wolke nicht anders verhält, wenn ihr die Menge zuschaut oder es bleiben lässt, liegt auf der Hand.

Zuletzt erwähnt Lia Dsi das Thema „Einsamkeit“. Er schreibt über den „höchsten Menschen“:

Einsam geht er,
einsam kommt er,
einsam äußert er sich,
einsam zieht er sich in sich zurück.
Wer kann ihn hindern?

Was will er wohl damit sagen? Wie kann jemand, der weiß, dass er nicht weiß, warum er tut, was er tut, sich beispielsweise auf einen anderen Menschen beziehen und so etwas wie eine Beziehung haben wollen? Dieser Gedanke ist jetzt sicher für viele ziemlich beunruhigend, die an der Idee einer festen Beziehung hängen. So eine Beziehung kann es eigentlich gar nicht geben, es sei denn als Glaubenssystem. Da es aber nicht zu leugnen ist, dass es überall mehr oder weniger feste Beziehungen gibt, muss es wohl auch mehr oder weniger feste Glaubenssysteme geben, die diese Beziehungen zu ermöglichen scheinen. Heißt das jetzt, dass beispielsweise zwei Menschen unmöglich ein ganzes Leben zusammen sein können? Gegenfrage: Können sie nicht auch zusammen sein ohne jede Vorstellung von einer festen Beziehung? Die Graugänse von Konrad Lorenz sind berühmt für ihr monogames Verhalten. Ich denke nicht, dass sie irgendeine Vorstellung von Beziehung oder Treue haben.

Vielleicht hätte Liä Dsi statt den Begriff „einsam“ zu verwenden besser den Begriff „allein“ benützen sollen. Na ja, vielleicht liegt’s ja nur an der Übersetzung. Der Begriff „einsam“ hat bei uns halt so einen depressiven Klang.

D

 

 

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5 Antworten zu Liä Dsi: Einsam geht er, einsam kommt er, …

  1. Georg Alois schreibt:

    Da hast Du wohl recht, lieber Nitya, oft ist es eine „schlechte“ Übersetzung.
    Jeder Gedanke und somit jedes Wort, ist halt nur immer ein Konzept und nichts weiter.
    Ich liebe OSHOS Wort für „einsam“, er sagt „Alleinheit“. Für mich ein wunderschönes Konzept!
    Diese bewusste Wahrnehmung von allem was ist, das Bewusstsein, das ist ja nur alleine möglich. Das geschieht ja nur alleine und da ist es erfahrbar, diese Alleinheit…….. mann, ist das schwer, so was auszudrücken.
    Und ich muss auch mal wieder meine geliebte Byron Katie zitieren: „ Irgendwann erkennt der Geist, dass er nicht die geringste Kontrolle hat, dass er (somit) frei ist! Er wird von unendlicher Freude erfüllt. Diese Freude ist in uns allen, immer!……. All meine Entscheidungen werden für mich getroffen, so wie sie für dich getroffen werden. Du erzählst dir nur in Gedanken die Geschichte, dass du etwas damit zu tun hättest.“
    Also, lieber Nitya, Du hast nicht die Kontrolle, also ist alles was Du tust, immer richtig!
    Richtig?
    Ist doch geil, ooderrr??
    Und dat Janze nennt man dann Erleuchtung…………………….
    Und lass mich bitte hier noch anmerken: Für mich ist es schlüssig, wenn einige behaupten, dass die Übersetzung „Glaube“ in der Bibel falsch ist, es muss „Vertrauen“ heißen.

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    • Nitya schreibt:

      Lieber Georg Alois,

      ich mag das Wort „einsam“ eigentlich. Da aber die meisten Menschen glauben, jemanden zu brauchen, ist der Begriff total negativ besetzt. Einsam bedeutet eigentlich „vom Alleinsein erfüllt“. Das klingt dann schon sehr nach dem, was Osho ausgedrückt hat. Das hat übringens nichts damit zu tun, ob man in Gesellschaft eines anderen Menschen ist oder nicht. War es jemals nicht da dieses Vom-Alleinsein-Erfüllt-Sein? Ich kann mich nicht erinnern.

      Du schreibst: „Also, lieber Nitya, Du hast nicht die Kontrolle, also ist alles was Du tust, immer richtig! – Richtig?“ Ich hab’s nicht so mit dem Begriff „richtig“.Es ist halt das,was gerade erscheint. Wenn ich bei einem Autounfall ein Bein verliere, hätte ich vermutlich Mühe, das als richtig zu fühlen. Aber wie immer ich es fühle, das Bein wäre futsch. Futsch ist futsch. Das richtig zu nennen, wäre mir eindeutig zu bemüht spirituell. Ich würde wohl eher erst mal „verdammte Scheiße!“ sagen als „danke für diese Erfahrung!“

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  2. fredo0 schreibt:

    ich liebe es ja Sprache ( besonders die deutsche ) „aufzubröseln“ .

    und einsam sowie auch allein gehören da zu den „Schmankerln“ …

    ein-sam steht für – zuSAMmen mit dem EINen.

    all-ein steht für – ALLes EINes …

    gibt es Worte größerer schlichter „Wahrheit“ in unserer Sprache ?

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