Osho: Wärest du bereit, Premierminister zu werden?


O

Zwei Boten des Herrschers kamen zu Tschuang-Tse, der gerade beim Fischen war. Sie sagten: „Der Herrscher will dich zum Premierminister machen.“ Tschuang-Tse sagte: Seht ihr dort die Schildkröte, die ihren Schwanz im Schlamm nachschleift?“ Sie sagten: „Ja, wir sehen sie.“ „Und seht ihr auch, wie glücklich sie ist?“ Sie sagten: „Gewiss, sie scheint sehr glücklich zu sein.“

Da sagte Tschuang-Tse: „Man sagte mir, es gebe im Palast des Herrschers eine Schildkröte, dreitausend Jahre alt und tot, in Gold gefasst, mit Diamanten bestückt, und sie wird als heilig verehrt. Fragt doch mal diese Schildkröte hier, die ihren Schwanz im Schlamm nachschleift, ob sie mit der Schildkröte im Palast, die zwar tot, aber mit Gold und Edelsteinen geschmückt ist und sogar vom Herrscher verehrt wird, tauschen würde. Was meint ihr: Würde die Schildkröte das Angebot annehmen?“ Die Boten sagten: „Mit Sicherheit wäre diese Schildkröte nicht dazu bereit.“

Da sagte Tschuang-Tse: „Weshalb also sollte ich dazu bereit sein? So geht nur wieder! Ich bin glücklich, meinen Schwanz im Schlamm nachzuschleifen. Ich habe keine Lust, in den kaiserlichen Palast zu kommen.“

aus: Osho, „Die Weisheit des Flusses“
TEigentlich geht es in der ganzen Geschichte nur um eins: Dass jedes Wesen seinen Schwanz da im Schlamm oder wo auch immer nachschleifen kann, wo ihm danach zumute ­ist. Was hat eine lebenslustige Schildkröte davon, wenn sie in Gold gefasst, mit Diamanten bestückt und als heilig verehrt wird, wenn sie dafür tot sein soll? Und der Premierminister unter einem Herrscher ist schon so gut wie tot. Entweder tut er alles, was der Herrscher will, dann stirbt er innerlich, oder er tut nicht, was der Herrscher will, dann stirbt er unter dem Henkersbeil. Aber es gibt viele, die nur die angeblichen Vorteile sehen wollen, das bisschen Ehre, das bisschen Macht, das bisschen Geld, und die jederzeit bereit sind, ihre Seele dafür zu verkaufen.STschuang-Tse ist wie alle Taoisten ein Anarchist. Er schmeißt keine Bomben, aber er will sich auch nicht vorschreiben lassen, wie er zu leben hat. Soll doch der Herrscher Herrscher spielen, solange er Lust dazu hat. Was geht ihn das an? Er kümmert sich um sich, soll sich der Herrscher doch seinerseits um sich selbst kümmern. Leider hat ein Herrscher da keine Wahl. Würde er sich nur um sich selbst kümmern, wäre er die längste Zeit Herrscher gewesen. Klebt er an seinem Job, muss er andere beherrschen und wird damit selbst zum Beherrschten. Die Schildkröte und Tschuang-Tse wollen damit nichts zu tun haben. Herrschen ist langweilig und Beherrschen auch. „Ich bin glücklich, meinen Schwanz im Schlamm nachzuschleifen.“ So einfach ist das mit der Anarchie.

K

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13 Antworten zu Osho: Wärest du bereit, Premierminister zu werden?

  1. punitozen schreibt:

    Nach längerer Nietmöööglich-Kommentarenthaltsamkeit , mal wieder angespült .
    Nichts anderes sein
    Nichts anderes werden !
    Punito

    “ Indem wir diesen Idioten-Weisen dingen ,
    wollen wir zusammenarbeiten ,
    Um den Brunnen mit Schnee zu füllen .
    Hakuin

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    • Nitya schreibt:

      Lieber Punito,

      die Jungs machen ja mächtig viel Krach. Scheint ihnen aber irgendwie zu gefallen.

      Wie schön, dich hier mal wieder zu sehen! Ich hoffe, es geht dir gut und du freust dich immer noch über jeden Tag als einem guten Tag.

      Den ersten Satz von Hakuin hab ich nicht verstanden, was aber nichts macht, da ich eh nichts versteh.

      Dir einen vergnüglichen Sonntag und einen lieben Gruß
      Nitya

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      • punitozen schreibt:

        Lieber Nitya ,
        Tag um Tag – guter Tag . Der C-Virus ist mittels einer Medikamententherapie endgültig
        ausgehungert worden . ( Für Interessierte nachfolgender link : https://www.gesundheitsinformation.de/ledipasvir-sofosbuvir-harvoni-bei-chronischer.2724.de.html )
        Das mit dem Verstehen des ersten Satzes , lieber Nitya , macht ja nun wirklich NICHTS .
        Ich habe über deine Informationen in den vergangenen Jahren , so viel wertvolles Zeug
        lesen dürfen , das ich manchmal gar nichts verstand , weil mir das HIER im Netz , mit seiner Vielfalt an Informationsanreicherungen , schlicht und einfach , eines Tages zu viel wurde , habe ich eine Nitya-Nitmööglichblog-Pause eingelegt , die Infos gelesen und archiviert . In der Zwischenzeit habe ich mich auf das Buddhageschwätz des Brad Warner , Kodo Sawaki , Erich Fromm ,Daisetz Teitaro Suzuki , Richard de Martino und Kosho Uchiyama Roshi`s ( “ Zen für Küche und Leben “ ) eingelassen .
        Was da aus dem Krach der Monks herausdringt ist die Formlosigkeit der Leere , wenn die Fächer sich im Äther spreizen . Wie wunderbar !
        Einen schönen „schneeflockigen “ Aprilsonntag
        wünscht
        Punito

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    • Elwood schreibt:

      Hallo lieber Punito,
      Freude, wieder von Dir zu lesen.
      Haste auch von den Buddhageschwätz was mitgebracht?
      Der Schnee für Hakuin’s Brunnen ist jedenfalls hier in der letzten halben Stunde schon mal geliefert worden.
      Liebe Grüße aus dem kalten Norden
      Elwood

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      • punitozen schreibt:

        Mitgebracht ? Nichts , lieber Elwood – aber ab-bekommen mancherlei DIES und DAS .

        Ein Schüler kam zu seinem Lehrer und sagte:
        Meine Meditationen sind furchtbar. Ich bin dauernd abgelenkt, denke an alles Mögliche, meine Glieder tun weh und ich schlafe immer ein.”
        Der Lehrer antwortete schlicht: „Das geht vorüber.”
        Eine Woche später kam der Schüler wieder und sagte:
        „Meine Meditationen sind herrlich, ich bin total klar, konzentriert und im Frieden.”
        Der Lehrer antwortete schlicht: „Das geht vorüber.”

        Herzgruß
        Punito

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    • Brigitte schreibt:

      Hey Punito, dass du hier mal wieder abhängst. Schön und ich freu mich, dass du wohlauf bist.
      Carpe diem – Pflücke den Tag!

      Herzliche Grüße, Brigitte

      Wie wenig nütze ich bin,
      ich hebe den Finger und hinterlasse
      nicht den kleinsten Strich
      in der Luft.

      Die Zeit verwischt mein Gesicht, sie hat schon begonnnen.
      Hinter meinen Schritten im Staub
      wäscht der Regen die Straße blank
      wie eine Hausfrau.

      Ich war hier.
      Ich gehe vorüber
      ohne Spur.
      Die Ulmen am Weg winken mir zu wie ích komme,
      grün blau goldener Gruß,
      und vergessen mich,
      eh ich vorbei bin.

      Ich gehe vorüber –
      aber ich lasse vielleicht
      den kleinen Ton meiner Stimme,
      mein Lachen und meine Tränen
      und auch den Gruß der Bäume am Abend
      auf einem Stückchen Papier.

      Und im Vorbeigehn
      ganz absichtslos,
      zünde ich die ein oder andere Laterne an
      in den Herzen am Wegrand.

      Hilde Domin (Nur eine Rose als Stütze. Fischer-Verlag 1978, S.23)

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  2. Ingeborg schreibt:

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  3. Susanne schreibt:

    „Klebt er an seinem Job, muss er andere beherrschen und wird damit selbst zum Beherrschten. “

    Ja, das sind so Geschichten von ollen Meistern. Kein Haus, kein Job, keine Frau, kein Kind.
    (Warum gibt es eigentlich fast keine Geschichten über weibliche Meister?)
    Wie edel, sie dienten nur dem wahren Geist. Materielle Dinge und deren Folgen ? Teufelszeug, Gift für den Geist.
    Und wir ? Wo stehen wir ? Wer ist bereit diesen Schritt zu gehen ? Warum verehrt man solche Meister oder macht sie sich zum Ideal, wenn man doch gar nicht bereit ist, Ihnen geistig zu folgen ?

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Susanne,

      was machst du denn da für ein Fass auf? Der Tschuang-Tse wollte nur nicht Premierminister werden. Ich wäre da auch nicht daran interessiert. Ich bin doch nicht verrückt. Was das Kleben am Job betrifft – vergiss nicht: Es geht hier explzit um den Job eines Premier-Ministers, also eines Jobs, in dem es um Prestige, Macht, Kontrolle, usw. geht. Nicht um irgendeinen Job.

      Mir scheint, dass du irgendwie über deine Lebenssituation verbittert bist und das nun vorwurfsvoll auf die Tschuang-Tse-Geschichte und die Männer und speziell irgendwelche sog. Meister projizierst. Zurück bleibt dann ein Opferlamm namens Susanne. Das bewirkt jedoch immer nur eines: Dass du in dieser Rolle gefangen bleibst. Ich kann dir nur empfehlen, niemanden außer dich selbst für deine Entscheidungen verantwortlich zu machen.

      Nein zu sagen zu dem, was dir nicht entspricht, ist möglich. Du könntest dich fragen, was dich daran hindert, es zu tun. In aller Regel hat es etwas mit Angst vor dem Risiko zu tun, das damit verbunden ist. Aber dieser Preis muss gezahlt weden, wenn man etwas verändern will. Das kann einem niemand abnehmen. Bevor du mir nun sagst, dass ich leicht daher reden kann, kann ich dir nur sagen: Ich habe diesen Preis bezahlt. Und ich habe es nie bereut.

      Wenn du nicht bereit bist, ein Risiko einzugehen, ist das ja auch okay. Aber dann entscheide dich ganz bewusst für das Leben, dass du gerade führst. Man kann sich auch für’s Gefängnis entscheiden. Nur wäre es ziemlich verrückt, dann andere dafür verantwortlich zu machen. Dann wäre es vermutlich am besten, sich im Gefängnis gemütlich einzurichten und sich das Leben im Gefängnis so angenehm wie möglich zu gestalten.

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      • Susanne schreibt:

        Lieber Nitya,
        offene Fässer entstehen bei dem, der sie sich selber öffnet. So hast du dir also jetzt eine unzufriedene Susanne erschaffen.

        Nein, in dieser Geschichte geht es eben nicht um den Job des Premierministers.
        Das sind alles blosse Metaphern.
        In diesen Geschichten über den Geist geht es immer nur darum, die Welt mit ihren Unzulänglichkeiten sich selbst zu überlassen.

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    • Georg Alois schreibt:

      Liebe Susanne,
      damit hast Du ja mein Lieblingsthema angesprochen:
      „Warum gibt es eigentlich fast keine Geschichten über weibliche Meister?“

      Kommt ein Mann zum Arzt-
      „Sie müssen mit dem Onanieren aufhören!“ sagte der Arzt.
      „Was? Warum??“ fragt der Mann.
      „Sonst kann ich sie nicht untersuchen!“

      Derweil die Frauen die Kinder großzogen, die Felder bestellten, die Häuser bauten, die Vorräte anlegten, haben die Männer, wenn sie sich nicht gerade die Köppe eingeschlagen haben, philosophierend onaniert.
      Aus der „Bedeutungslosigkeit des Mannes“ heraus, wie Christa Rohde-Dachser es ausdrückte.

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