Alan Watts: Spießer-Zen

ZDie zugrundeliegende protestgeladene Gesetzlosigkeit des Beat-Zen rüttelt die Anhänger des Spießer-Zen kräftig auf. Denn Spießer-Zen ist Zen der etablierten japanischen Tradition mit ihrer klar definierten Hierarchie, ihrer strengen Disziplin und ihren spezifischen satori-Tests. Merkwürdiger noch ist die Art Zen, die von denjenigen früher oder später mit nach Hause gebracht wird, die aus westlichen Ländern stammend in Japan studieren. Aber dennoch gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen Spießer-Zen und der Spießigkeit der Rotary-Clubs oder den Anhängern der Presbyteranischen Kirche. Er ist um vieles erfindungsreicher, einfühlsamer und interessanter. Aber er ist immer noch Spießer-Zen, weil er ein Trachten nach der richtigen geistigen Erfahrung verlangt, nach einem satori, das den Stempel (inka) der Billigung durch die etablierte Autorität erhalten wird. Es wird sogar Zertifikate geben, die man sich an die Wand hängen kann.

aus: Alan Watts, „Dies ist Es“

FAlso das muss ich jetzt mal gründlich durchkauen. Wenn ich das richtig verstanden habe, unterscheidet Alan Watts zwischen der Spießigkeit der Rotary-Clubs oder der der Anhängern der Presbyteranischen Kirche und der Spießigkeit der etablierten japanischen Tradition mit ihrer klar definierten Hierarchie, ihrer strengen Disziplin und ihren spezifischen satori-Tests.

Bei den zuletzt genannten Spießern erwähnt er noch eigens die merkwürdige Art Zen, die von denjenigen mit nach Hause gebracht wurde, die aus westlichen Ländern stammend in Japan studierten. Sein Herz scheint ziemlich deutlich für die Leute zu schlagen, die die zugrundeliegende protestgeladene Gesetzlosigkeit des Beat-Zen feiern und damit die Anhänger des Spießer-Zen kräftig aufrütteln.

Bei den Beat-Zen-Heinis muss ich natürlich sofort an die alten Ch’an-Typen denken, die sich ebenso gerne wie die Beat-Zen-Heinis als Ikonoklasten betätigten. Als Ikonoklasten bzw. Bilderstürmer wurden und werden leider auch etwa im 16. Jahrhundert die Calvinisten bezeichnet oder heutzutage die Taliban oder die IS-Leute, die vorzugsweise die einen Bildwerke zerstörten, nur um dann an deren Stelle eigene Bildwerke zu installieren. Der Bildersturm der Zen-Beat- und der Ch’an-Menschen richtete sich im Idealfall jedoch gegen jede Art von Vorstellung, gegen jedes geistige Ding, um das es angeblich gehen sollte. Schon Johann Wolfgang von Goethe verriet uns in einer drolligen Minute: „Ich hab mein Sach auf Nichts gestellt, Juchhe!“ Eine Erkenntnis, die später auch Max Stirner zuteilwurde, allerdings ohne das „Juche!“

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Wirkliche Bilderstürmer stürmen natürlich gar keine Bilder. Keine Bilder, keine Plastiken, keine Worte, keine Vorstellungen, keine Musik, …Sie sehen sie einfach als das, was sie sind, und verwechseln sie nicht mit dem, wofür sie vielleicht stehen. Da gibt’s doch diese kleine Geschichte von Vivekanda, der einem Mann, der seine Steine als Götter anbetete, diese wegnahm und ins Meer warf und der das wahrscheinlich für eine spirituelle Großtat hielt. Ramakrishna soll ihn ganz schön bestraft haben dafür. Jiddu Krishnamurti: „Das Wort ist nicht das Ding.“ Das zu wissen, ist genug.

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