Tschuang-tse: naturgewolltes Wirken


TIn jener Zeit, da das naturgewollte Wirken in höchster Form noch auf der Erde herrschte, schätzte man nicht Weisheit hoch und fragte nicht nach Fähigkeit. Der Herrscher glich einem Baume, der mit seinen Zweigen alles schirmt, das Volk war wie die Rehe, die sich unter seine Krone schmiegen.

Die Menschen waren rechtschaffen und gerade, ohne zu wissen, was Pflicht ist. Sie liebten ihren Nächsten, ohne zu wissen, was Liebe ist. Sie waren treu, ohne zu wissen, was Treue ist. Sie waren wahrhaft, ohne zu wissen, was Wahrhaftigkeit ist. In aller Selbstverständlichkeit halfen sie einander, ohne das als besondere Güte zu empfinden. Darum hinterließen ihre Taten keine Spuren, und ihre Werke wurden nicht der Nachwelt überliefert.

aus: Tschuang-tse, „Was du Tao nennst, wo ist es zu finden?“

BIn jener Zeit … scheint, dass diese Zeit schon zu Tschuang-tses Zeiten lange her war und, da die Menschen jener Zeit keine Spuren und Werke hinterließen, klingt es nach Mythen und Legenden und die Frage tauchte auf, ob diese Zeit jemals wirklich existiert hatte. Dann erinnerte ich mich an das Buch von Jean LiedloffAuf der Suche nach dem verlorenen Glück“  , in dem sie ihre Erfahrungen mit den Yequana-Indianern von Venezuela beschreibt, bei denen genau dieses naturgewollte Wirken zu beobachten war. Wie weit sind wir doch von diesem seligen Zustand entfernt! Tschuang-tse schreibt in „Das wahre Buch vom südlichen Blütenland“ über diesen Verfall:

Die Männer des höchsten Altertums lebten inmitten des Unbewussten. Sie waren eins mit ihrem Geschlecht und erreichten Ruhe und Vergessenheit. Zu jener Zeit war Licht und Dunkel in stillem Einklang; Geister und Götter störten nicht; die Jahreszeiten hatten ihre Ordnung; alle Wesen blieben ohne Verletzung, und die Schar der Lebenden kannte keinen vorzeitigen Tod; die Menschen hatten wohl Erkenntnis, aber sie gebrauchten sie nicht: das war die höchste Einheit. Zu jener Zeit handelte man nicht, sondern ließ stets der Freiheit ihren Lauf. Als dann das LEBEN verfiel, kamen Feuerspender (Sui Jen) und Brütender Atem (Fu Hi) zur Herrschaft über die Welt. Darum ging wohl alles seinen Gang, aber die Einheit war nicht mehr vorhanden. Als dann das LEBEN noch weiter verfiel, da kamen der göttliche Landmann (Schen Nung) und der Herr der gelben Erde (Huang Di) zur Herrschaft über die Welt. Darum herrschte wohl Friede, aber die Dinge gingen nicht mehr ihren Lauf. Als dann das LEBEN noch weiter verfiel, da kamen Yau und Schun zur Herrschaft über die Welt. Sie brachten die Strömung des Ordnens und Besserns in Lauf, befleckten die Reinheit, zerstreuten die Einheit, verließen den SINN und stellten statt seiner das Gute auf, gefährdeten das LEBEN und stellten statt seiner die Tugenden auf. Von da ab ging die Natur verloren, und man folgte dem Verstand. Verstand tauschte mit Verstand die Kenntnisse aus, und doch war man nicht mehr fähig, der Welt eine feste Ordnung vorzuschreiben. Darauf fügte man Formenschönheit hinzu und häufte die Kenntnisse. Aber die Formenschönheit zerstörte den Inhalt, und Kenntnisse ertränkten den Verstand. Da wurden die Leute vollends betört und verwirrt, und kein Weg führte mehr zurück zur wahren Natur und zum Urzustand.

ESeit Jahrtausenden lässt sich nur Stillstand beobachten bzw. ein unaufhaltsamer Verfall. Viel Zeit scheinen wir nicht mehr zu haben, bis dieser Verfall zu seinem endgültigen Abschluss kommt. Wer jetzt noch auf den großen Bewusstseinssprung der Menschheit wartet, von dem immer wieder zu lesen ist, hat seinen Teil zum absehbaren Ende bereits beigetragen. Die einzige Chance, den Verfalls-Prozess aufzuhalten und sogar umzukehren, kann nur erfolgen, wenn dieser Prozess von unten her angetrieben wird, wenn jeder Einzelne diesem naturgewollten Wirken in sich wieder Raum gibt, wenn jeder Einzelne die Veränderung ist, die er sich wünscht für diese Welt (Gandhi) bzw. in der bestehenden Gesellschaft so zu leben versucht, als sei sie eine natürliche (Paul Goodman). Jedes Warten auf bessere Zeiten besiegelt den endgültigen Untergang.

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9 Antworten zu Tschuang-tse: naturgewolltes Wirken

  1. Ingeborg schreibt:

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  2. Nitya schreibt:

    Fischadler I

    Fischadler I

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  3. Ingeborg schreibt:

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  4. b4aeion schreibt:

    .***………….von unten her angetrieben wird, wenn jeder Einzelne diesem naturgewollten Wirken in sich wieder Raum gibt, wenn jeder Einzelne die Veränderung ist, die er sich wünscht für diese Welt (Gandhi) bzw. in der bestehenden Gesellschaft so zu leben versucht, als sei sie eine natürliche (Paul Goodman).***

    Trefflich :o)) lieber Nitya :o)) & auf’m Punkt

    von IrgendWo her stammend ganz UnPolyphem Dies noch DAzu
    :https://www.dropbox.com/s/27pw3qbv2n672wj/weltweite%20epedemie.doc?dl=0

    oder , So Es hier nicht zuviel Raum einnimmt , auch so>>>>

    „Die WHO befürchtet – selbst schon ganz aufgelöst und verwirrt – , dass Milliarden Individuen in den nächsten 10 Jahren infiziert werden könnten– mit unabsehbaren Folgen für unsere so kostbare Konsumgesellschaft!

    Hier folgen die Hauptsymptome dieser schrecklichen Krankheit:

    1. Die Neigung sich durch seine eigene Intuition leiten zulassen, anstatt unter dem Druck von Ängsten, aufgezwungenen Ideen und Verhalten, das in der Vergangenheit konditioniert wurde.
    2. Totaler Mangel an Interesse, andere oder sich selbst zu beurteilen, oder sich mit etwas zu beschäftigen, das Konflikte verursachen könnte.
    3. Totaler Verlust der Fähigkeit, sich Sorgen zu machen – das ist eines der allerschlimmsten Symptome.
    4. Eine konstantes Wohlgefühl beim Wertschätzen von Menschen und Dingen so wie sie sind, was zur Folge hat, dass man Andere nicht mehr verändern will.
    5. Das Bestreben, sich selbst zu ändern, um für die eigenen Gedanken, Gefühle, Emotionen, Körper, das materielle Leben und die Umgebung auf eine positive Art zu sorgen, so dass unser Potential an Gesundheit, Kreativität und Liebe voll entwickelt wird.
    6. Rezidivierende (wiederholte) Anfälle von Lächeln: einem Lächeln, das “Danke” sagt und das ein Gefühl von Einheit aufbaut mit allem was lebt.
    7. Ein stets weiter wachsende Empfänglichkeit für Einfachheit, Lachen und Freude.
    8. Stets häufigere Momente in welchen man kommuniziert mit seiner Seele in Gewahrsein, was ein angenehmes Gefühl von Zufriedenheit und Glück verursacht.
    9. Befriedigung darin finden, dass man sich wie ein Mensch verhält, der Fröhlichkeit und Freude bringt anstatt Kritik oder Gleichgültigkeit.
    10. Die Fähigkeit, alleine, im Paar, in einer Familie und Gemeinschaft auf eine flotte und gleichberechtigte Art zu leben, ohne Opfer, TäterIn oder RetterIn spielen zu wollen.
    11. Ein Gefühl von Verantwortlichkeit und Glückseligkeit, dass man der Welt seine Träume von einer harmonischen und friedlichen Zukunft und einer Welt im Überfluss schenken will.
    12. Totale Akzeptanz der eigenen Anwesenheit auf der Erde, und der Wille, sich jeden Moment zu entscheiden für das, was schön, gut, wahr und lebendig ist.

    Wenn Sie weiterhin in Angst, Abhängigkeit, Konflikten, Krankheit und Konformismus leben wollen, vermeiden Sie dann um jeden Preis den Kontakt mit Menschen, welche diese Symptome zeigen. Denn dieser Zustand ist äußerst ansteckend.

    Falls sich bei Ihnen schon erste Symptome zeigen, müssen Sie wissen, dass Ihr Zustand wahrscheinlich hoffnungslos ist. Medizinische Behandlungen und legale/illegale Suchtmittel können für kurze Zeit einzelne Symptome unterdrücken, aber das unausweichliche Fortschreiten der Krankheit kann nicht aufgehalten werden.

    Es gibt nämlich keinerlei Impfung gegen Glück.

    Weil diese Glückskrankheit den Verlust der Angst vor dem Tod mit sich bringt, einer der zentralen Pfeiler, auf den sich der Glaube der materialistischen modernen Gesellschaft stützt, kann eine große soziale Veränderung entstehen, die sich äußert im Verlust der Neigung Krieg führen zu wollen, in der Neigung Recht haben zu wollen, im Entstehen von Ansammlungen von glücklichen Menschen, die singen, tanzen und das Leben feiern; im Auftreten von Gruppierungen, die ihre körperliche und seelische Heilung feiern, die Lachanfälle und kollektive Glücksgefühlsausbrüche haben.

    Bitte weiterverbreiten und dadurch – soweit wie noch möglich – verhindern, dass diese Seuche die mühsam errungenen heiligen Werte unserer so heiß geliebten kapitalistischen Konsumgesellschaft weiter in Schutt und Asche legt … Wir sind hier! Du auch?“

    by4NOW

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