Linji: Wenn ihr handeln wollt, dann handelt einfach!

 LHeutzutage müssen diejenigen unter euch, die Buddha und Dharma praktizieren, wahre Einsicht haben. Mit wahrer Einsicht werdet ihr nicht länger von Leben und Tod befleckt, und ihr werdet frei sein, zu gehen oder zu bleiben. Auch wenn ihr nichts Besonderes sucht, wird das Besondere ganz von selbst zu euch kommen.

Ihr Schüler des Weges: Die alten herausragenden Lehrer hatten jeweils ihre eigenen Methoden, Menschen zu befreien. Alles, worauf euch dieser Bergmönch hinweisen will, ist dies: Lasst euch nicht von anderen täuschen! Wenn ihr handeln wollt, dann handelt einfach! Lasst euch durch nichts einzuschüchtern!

Ihr Schüler kapiert das heutzutage einfach nicht. Was ist das für eine Krankheit? Die Krankheit ist ein Mangel an Selbstvertrauen. Wenn euer Glaube nicht ausreicht, werdet ihr weiter wie Verwirrte umherlaufen. Egal, wie die Umstände sind, ihr werdet dann von anderen kontrolliert und geführt. So werdet ihr keine Freiheit finden.

aus: Linji Yixuan, „Linji Yulu“
DSoll ich? Soll ich nicht? Darf ich? Kann ich? Was hat das nur wieder für Folgen? Was würde Buddha, Jesus, Krishna, das Spaghettimonster dazu sagen? Oder die Nachbarn? … Die Flüchtlinge in Idomeni scheinen immer wieder wild entschlossen zu sein, die mazedonische Grenze zu überwinden. Sie wollen handeln. Für sie geht es ums Überleben. Zuerst wurden sie von unserer angeblichen Willkommenskultur gerufen und dann wurde ihnen die Tür vor der Nase zugeschlagen. Was haben sie für eine Wahl? Sollen sie in Depression versinken? Sollen sie rachelüstern zum IS gehen, was ja teilweise schon geschieht. Oder sollen sie versuchen, die Grenze zu zerstören, die sie vom gelobten Land trennt? Nicht zu handeln bedeutet Resignation, Depression, Siechtum, Krankheit, Tod. Handeln bedeutet das Risiko etwas zu gewinnen oder etwas oder alles zu verlieren. Wie sagten die Bremer Stadtmusikanten: „Etwas Besseres als den Tod findest du überall!“ Und wenn es statt eines langsamen ein schneller Tod ist.

Als ich als Fortbildungsleiter von einer Vertreterin der obersten Schulbehörde dazu aufgefordert wurde, gegen alle Erkenntnisse der Didaktik und Pädagogik zu handeln und darüber hinaus Seminarteilnehmer zu verpetzen, die nicht bereit oder in der Lage waren, die Direktiven der Behörde 1 : 1 umzusetzen, kündigte ich meinen Beamtenjob, ohne wirklich wissen zu können, womit ich zukünftig meine Brötchen würde verdienen können. Zu meinem eigenen Erstaunen lebe ich immer noch und bin eigentlich ziemlich vergnügt und heiter. Gestern kam in den Nachrichten die Meldung, dass ca. 10% der Bevölkerung an Depressionen leiden, dass aber nur 3% der Mittel für das Gesundheitswesen für mentale Erkrankungen ausgeben würden. Ich halte die Zahl 10% für gewaltig untertrieben. Um diesen Zustand zu beseitigen geht es aber aus meiner Sicht nicht um die Aufstockung irgendwelcher Mittel, sondern darum, dass die Menschen sich ein Herz fassen und wieder handeln, wenn ihnen nach Handeln ist, anstatt in Resignation zu verfallen. Dem Staat sind resignierte Bürger allerdings vermutlich entschieden lieber. Friedrich Wilhelm, Grafen von der Schulenburg: „Die erste Bürgerpflicht ist Ruhe.“ Klaglos für „das Vaterland“ (die Oligarchen) zu sterben, ist der wahre Heldentod.

Ich erinnere mich noch an die Hungerjahre nach dem zweiten Weltkrieg. Überall wurde am Staat vorbei „organisiert“, schwarz gehandelt, geschoben, geschmuggelt. Die Menschen warteten nicht mehr auf den Staat, nahmen notgedrungen ihr Schicksal wieder in die Hand und kamen so irgendwie über die Runden. Linji: „Lasst euch nicht von anderen täuschen! Wenn ihr handeln wollt, dann handelt einfach! Lasst euch durch nichts einzuschüchtern!“

S

Der Erleuchtung ist es egal,
wie du sie erlangst.

Thaddeus Golas

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5 Antworten zu Linji: Wenn ihr handeln wollt, dann handelt einfach!

  1. Brigitte schreibt:

    a little thank you für den Herrn Nitya und seinen tollen Blog ❤

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  2. Eno Silla schreibt:

    Auf diesem riesigen Parkplatz, inmitten von riesigen Geschäften, Baumarkt, Bettenlager, Möbelmarkt, Elektromarkt, inmitten all des Trubels, ich selbst als Radfahrer ein Exot zwischen all den fetten Blechkisten, plötzlich dort in dem Rasengrün zwischen den Parkstreifen ein schwarzweißer Vogel mit einem langen roten Schnabel, ein Austernfischer und das hier mitten in der Stadt, ein Küstenbewohner im Binnenland, keine 2 m von mir entfernt. Fast ohne scheu allem gegenüber, was sich zügig an ihm vorüber bewegte. Er stocherte mit dem langen roten Schnabel im Gras herum, handelte einfach und schien vollkommen bei sich ganz das was er war, benötigte keine Belehrung. Ich hielt an und wir blickten uns an. Er schaute mich seitlich aus einem kleinen gelbroten Auge an. Da war was in dem Blick, ein ruhiges Abschätzen: „Was will der, ist der bedrohlich?“ Ganz langsam wich er, ohne den Blick abzuwenden, zurück und ich fuhr weiter, weil ich ihn nicht länger stören wollte… Später konnte ich noch beobachten, dass zwei Krähen über ihn herfielen. Er flatterte laut rufend auf und brachte sich auf dem Dach des Baumarktes in Sicherheit und die Krähen beachteten ihn nicht weiter und auch sonst niemand, der geschäftig dahinstrebenden Menschen…

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