Jed McKenna: persönliche Verantwortung übernehmen


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Nur dem Glauben, unsere Augen seien geöffnet, haben wir es zu verdanken, dass unsere spirituelle Suche von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist und dass so viele, die glauben, auf einem guten Weg zu sein oder es geschafft zu haben, nie wirklich damit begonnen haben. Egal, wie standhaft wir in unserer Verpflichtung  und wie beständig wir in unserer Entschlossenheit sind, egal, wieviel Wissen wir anhäufen und wieviel Weisheit wir erlangen, egal, was für Nöte wir erdulden und welche Opfer wir bringen, egal, an welche Schriften wir uns halten oder welche Gottheiten wir beschwichtigen, es ist alles nur ein verzweifelter Trick, uns von der einen Sache fernzuhalten, die zu tun einen Unterschied bedeuten könnte: persönliche Verantwortung zu übernehmen, eigenständig für uns selbst zu denken. Dort, wo wir mit unserer Suche beginnen, haben wir bereits das Ziel überschritten, und jeder Schritt entfernt uns weiter davon.

 
Auf der Suche nach Wahrheit, Gott, Bedeutung, Überbewusstsein, Vereinigung mit Gott, Glückseligkeit, Erlösung oder welchem spirituellen Zipfel auch immer wir nachjagen mögen, ist das Selbst niemals selbst einer kritischen Überprüfung ausgesetzt. Wir gehen einfach davon aus, dass wir so wären wie wir denken, dass wir sind, und dass die Realität so wäre, wie wir meinen, dass sie ist, und machen uns von dort aus auf den Weg. Wir akzeptieren diese Tatsachen als feststehend und gewiss und bewegen uns von diesem Punkt aus weiter. Damit ist der grundlegende Fehler, aus dem sich alle übrigen ableiten, bereits begangen und dagegen gefeit, entdeckt und berichtigt zu werden. All unser Urteilsvermögen, unsere Unterscheidungsgabe und Intelligenz wird vom Selbst nach außen gerichtet, niemals nach innen gegen sich selbst. Oder um es in den Begriffen der filmischen Nacherzählung von Platons  Höhlengleichnis, des Filmes Matrix, auszudrücken: Welches Wachstum, welche Entwicklung ist möglich, wenn wir nie entdecken, dass wir in einem gläsernen Sarg liegen  und „die Realität“ wie Kaufhausmusik in uns eingespeist wird?

aus: Jed McKenna, „Spirituelle Dissonanz“

 
Jed McKenna scheint sich einigen Ärger eingehandelt zu haben bei den Spiris, die froh waren, endlich die Verantwortung für ihr Leben losgeworden zu sein. Wer sollte verantwortlich für sein Leben sein können, wenn da doch niemand ist, der für was auch immer verantwortlich sein könnte. Alles geschieht. Halleluja, ich bin aus dem Schneider! Und dann kommt ein tollwütiger Hund auf dich zu, der Vermieter erhöht geradezu unverschämt die Miete, das Job-Center sanktioniert dich, irgendwelche undankbaren Marokkaner gehen dir an die Wäsche und entreißen dir die Handtasche, deine Freundin treibt es mit deinem besten Freund, … und aus ist es mit „Alles geschieht.“

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Verantwortung übernehmen heißt für Jed McKenna erwachsen werden. Seine Behauptung ist, dass wir alle bis auf wenige Ausnahmen im Alter von ca. zehn Jahren in unserer Entwicklung stehen geblieben sind. Wenn ich mir das Affentheater anschaue, das Recep Tayyip Erdogan gerade angezettelt hat, dann kann ich nur feststellen, dass der Typ sich aufführt wie ein völlig gestörtes Kleinkind. Wenn ich dann weiter schau, kann ich das für den Rest der Menschheit ebenfalls konstatieren. Menschen werden älter aber ganz bestimmt nicht erwachsener. Nun gibt es ja jede Menge Leute, die irgendwie mitkriegen, dass mit den Menschen irgendwas nicht stimmt. Manche kriegen sogar mit, dass mit ihnen was nicht stimmt. Und bei Letzteren gibt es Menschen, die sich auf die Suche, die sich auf den Weg machen. Und genau da findet das nächste Drama statt. Jed McKenna beschreibt das so: „Wir gehen einfach davon aus, dass wir so wären wie wir denken, dass wir sind, und dass die Realität so wäre, wie wir meinen, dass sie ist, und machen uns von dort aus auf den Weg. Wir akzeptieren diese Tatsachen als feststehend und gewiss und bewegen uns von diesem Punkt aus weiter. Damit ist der grundlegende Fehler, aus dem sich alle übrigen ableiten, bereits begangen und dagegen gefeit, entdeckt und berichtigt zu werden.“ Seit Jahrtausenden repräsentieren die Menschen sämtliche Untugenden und Idiotien, die sich der egozentrierte Verstand überhaupt ausdenken kann. Wir weigern uns hartnäckig, erwachsen zu werden und selbst die Verantwortung für unser Leben in die Hand zu nehmen und fühlen uns dabei absolut im Recht, selbst wenn dabei alles koppheister gehen sollte.

„Zen-Geist, Anfänger-Geist“ heißt der Titel eines Buches von Shunryu Suzuki und er bringt die Sache damit auf den Punkt. Wenn wir von dem Punkt ausgehen, an dem wir denken, dass wir sind, was wir zu sein denken, und dass die Realität so wäre, wie wir meinen, dass sie ist, dann … the same procedure as every day. Wenn wir aber in vollkommenem Nichtwissen ständig bei Null beginnen und unsere Verantwortung übernehmen, indem wir auf die Herausforderungen des Lebens antworten, gibt es durchaus eine Chance, endlich erwachsen zu werden und aus Platons Höhle bzw. aus der Matrix herauszugelangen.

 

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2 Antworten zu Jed McKenna: persönliche Verantwortung übernehmen

  1. Wolf Schneider schreibt:

    Das Jed McKenna Zitat ebenso wie deine Antwort darauf: klasse!!! Nitya’s Blog at it’s best. Danke, dass es dich/euch gibt. Und jetzt ab in den Tag, meinen eigenen, denn ich bin die Mitte der Welt. Meiner Welt oder der Welt? Egal. Auf einer Kugeloberfläche (z.B. der Erde) ist jeder Punkt die Mitte.

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