James Swartz: die Haltung der Dankbarkeit


S
Karma yoga ist auch jnana yoga, denn um das Leben in meinen Handlungen auf sinnvolle Weise würdigen und ehren zu können, muss ich die Nicht-Dualität der Realität anerkennen. Die Liebe, die sich in mir auf Objekte richtet, ist nichts anderes als das irregeleitete, sich in mir als Liebe manifestierende Selbst. Aber ist es wirklich fehlgeleitet? Wenn ich verstehe, dass die Realität nicht-dual ist, sind dann nicht all die Dinge, die in mir erscheinen, mein Leben und alles, was dazugehört, nichts anderes als ich selbst? Sind daher nicht alle Objekte wert, in mein Gebet eingeschlossen zu werden und den Segen meiner Verehrung zu empfangen? Diese segnende Verehrung ist kein Bittgesuch Es ist würdigende Liebe. Ich bin dankbar für das, was mir gegeben wurde (ich selbst in der Form der Schöpfung), und mit dieser Haltung von Dankbarkeit weihe ich mein Handeln.

aus: James Swartz, „Die Wirklichkeit verstehen – Vedanta

DWozu die Gottheit anrufen
oder sich niederwerfen?
Was soll die Verehrung
mit Blumen und Räucherungen?
Wozu ist es wichtig,
zu meditieren
und Hymnen zu murmeln?
Wie kann es sein, dass etwas
sich selbst anbetet,
also die Verehrung
einer äußeren Gottheit?

Shri Dattatreya, „Avadhuta Gita“ (4, 1)

Wäre das Wort ‚Danke‘
das einzige Gebet, das du je sprichst,
so würde es genügen.

Meister Eckhart

Also soll man jetzt die Gottheit anrufen und sich niederwerfen und Hymnen murmeln oder nicht? „Wie kann es sein, dass etwas sich selbst anbetet, also die Verehrung einer äußeren Gottheit?“ fragt Dattatreya. Ramakrishna soll das zum Beispiel mit Begeisterung mit seiner Kali gemacht haben. War er am Ende völlig fehlgeleitet und hat den Dattatreya einfach nicht kapiert? James Swartz sagt: „Aber ist es wirklich fehlgeleitet? Wenn ich verstehe, dass die Realität nicht-dual ist, sind dann nicht all die Dinge, die in mir erscheinen, mein Leben und alles, was dazugehört, nichts anderes als ich selbst?“ Kann dann überhaupt irgendetwas fehlgeleitet sein, wenn ich alles, also auch das „Fehlgeleitete“ bin?

Das scheint mir nichts für Schriftgelehrte und Scholastiker zu sein. Das ist ganz schön verrückt. Ich hab das mal ausprobiert mit den Gacchamis. War irgendwie ganz lustig, aber einfach nicht meins. Wahrscheinlich ist mir durch meine protestantischen Erfahrungen im Internat die Freude an spirituellen Ritualen für den Rest meines Lebens gänzlich abhandengekommen.

Wenn James Swartz sagt: „Ich bin dankbar für das, was mir gegeben wurde.“, kann ich ihm nur zustimmen. Und so bin ich sehr zufrieden mit Meister Eckharts „Wäre das Wort ‚Danke‘ das einzige Gebet, das du je sprichst, so würde es genügen.“ Und wenn ich in Abänderung der Worte Dattatreyas sage: „Wie kann es sein, dass etwas sich bei sich selbst bedankt, also bei einer äußeren Gottheit?“, dann muss ich dem auch zustimmen, aber hinzufügen: Nichts ist unmöglich und es fühlt sich einfach wunderschön an.

O

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10 Antworten zu James Swartz: die Haltung der Dankbarkeit

  1. Georg Alois schreibt:

    „Nichts ist unmöglich und es fühlt sich einfach wunderschön an.“
    wunderschön………
    dieses Wunder ist so schön.!
    Schmetterling, Ameise, ………. Bewusstsein
    da bleibt der Verstand draußen.
    „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder…………“
    Staunen

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  2. Georg Alois schreibt:

    Lustig zu sehen ist hier bei Dir, lieber Nitya, dieses Hin und Her zwischen Jnana, dem Weg des Verstandes, und Bhakti, dem Weg der liebevollen Hingabe.
    Es fühlt sich auf jeden Fall Sau gut an, wenn der Verstandesweg ein Ende gefunden hat.
    Und ich liebe die Schweine, weil die sich so richtig ausgelassen freuen können!

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    • Nitya schreibt:

      Nix gegen den Verstand, lieber Georg Alois, und nix gegen die Schweine. Ohne Verstand hättest du hier kein Wort von dir geben können. Und der Verstand kann sogar Spaß machen und die süßen Schweine erst!

      Da muss ich gleich wieder an meine allerchristlichste Internatszeit denken. Jeden Mittwochmorgen ertönte dieses entsetzliche Quieken und Schreien aus dem Schweinestall. Da wurde mal wieder eine Sau abgestochen. Und mittags gab es dann immer Blut- und Leberwurst, die gegessen werden mussten. Mir wird heut noch ganz elend bei der Erinnerung.

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  3. Eno Silla schreibt:

    Also für mich wird es immer deutlicher:
    das Leben ist eine wahnwitzige Achterbahnfahrt!
    Es geht auf und ab,
    in einem Affenzahn.
    Dualität und Nichtdualität erscheinen,
    genauso wie Nichtdankbarkeit und Dankbarkeit.
    Großer Appetit auf die Welt und Durchfall.
    In all dem Hin und Her ist Verlass nur auf was?
    Nichts? (Jedenfalls nicht auf die flüchtigen Suggestionen von Gedankengebilden.)
    Ich hab keine Ahnung…

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    • Eno Silla schreibt:

      Dieser Weg, der für irgendwelche Menschen als Ablageplatz für ihre ausrangierte Matratze als besonders geeignet erschien, führt zu einem kleinen Feuchtbiotop, das ich gestern entdeckte. Laute Rufe von Kranichen ließen mich vom Weg abweichen und ich kam über einen schmalen Pfad zu einer Schilfläche mit einem kleinen Teich. Die Kraniche, es waren vier, gingen gelegentlich aufeinander los, bzw. ein Männchen versuchte ein anderes zu vertreiben. Ich hätte euch gerne ein Foto von dieser Szenerie hier eingestellt, aber 200m entfernt aufgenommen, kann man auf meinen Handyfotos nichts mehr erkennen. Durch das Fernglas betrachtet, war es aber ein atemberaubender Anblick, nur dies für einen Augenblick… Ich war dankbar ohne Dankbarkeit, sogar ohne mich, ich war Gebet, ohne zu beten.

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  4. chantaltalia schreibt:

    Einfach wieder mal ein Danke, für alles, was ich hier täglich lesen darf.❤
    Ein Bild, ein privates Foto (so mal ein anderes Danke) lässt sich hier nicht reinsetzten. Ich weiss nicht, wie Eno das macht. Muss man da einen eigenen Blog haben?

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    • Eno Silla schreibt:

      Liebe chantaltalia,
      der ehrwürdige Nitya hat mich irgendwann mal zu seinem Subblogwart gemacht, dieses Privileg ermöglicht es mir ohne eigenen Blog etc. hier meine kleinen Handyfotos reinzusetzen, die ich, während meiner Ausritte auf dem Drahtesel, so einsammle.
      Eigene Fotos müsstest du irgendwo hochladen, so z. B. bei workupload.com und dann den Link hier einstellen. Oder schicke sie doch einfach Nitya zu, vielleicht macht er es für dich (so er es denn überhaupt möchte, sollte sicherlich nicht zuviel werden), oder, wenn der keine Lust hat, dann schickt er sie an mich weiter und ich mache es dann, oder so, oder auch anders…
      Liebe Grüße

      Eno

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      • chantaltalia schreibt:

        Lieber Eno, dachte es mir doch, dass das nicht so einfach für die Kommentatoren ist, hier etwas Privates reinzustellen. Wenn’s mir ganz wichtig ist, schick ich es Nitya per e-Mail. Danke für den Tipp. workupload.com kenn ich nicht.
        Mir gefallen deine Naturbeschreibungen mit Fotos. Sie sind so frisch….🙂
        Herzliche Grüsse aus der Schweiz
        Chantal

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  5. Eno Silla schreibt:

    Ich bin
    Das Pferd der Leerheit
    Es reitet mich
    Wie ich es reite

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