Karl Renz: Du siehst nicht, du bist DAS, was sehen ist.


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Das ist nur DAS, was Existenz selbst ist, denn wenn du DAS bist, was sehen ist, dann bist du alles, was sich zeigt – dann gibt es keine Trennung. Wenn du Das bist, was der Erfahrende ist, dann bist du DAS, was erfährt und DAS, was die Erfahrung ist, die absolute Existenz.

Deshalb bist du DAS, was der Erfahrende ist, aber du bist nicht der Erfahrende. Du bist DAS, was die Person ist, aber du bist nicht die Person. Du bist DAS, was der Körper ist, aber du bist nicht der Körper. Wenn du also das bist, was ist, dann bist du, was der Erfahrende ist, die Erfahrung und auch das, was erfahren wird – in Gegenwart all dessen und auch in seiner Abwesenheit. Dann macht das keinen Unterschied. In der Gegenwart der Welt oder ihrer Abwesenheit ist nur DAS, was ist.

Und DAS hat keine Vorstellung davon, DAS zu sein oder nicht. Also auch nur zu sagen, dass du DAS bist, was sehen ist – du siehst nicht, du bist DAS, was sehen ist. Und indem du DAS bist, was sehen ist, bist du, was der Seher ist und was die gesamte Welt ist. Denn dann ist alles, was ist, Herz. Da du DAS bist, was die Welt ist, kennst du die Welt nicht mehr, weil alles, was ist, ist, was du bist. Also du bist in diesem Augenblick weder der Sehende noch das Sehen und auch nicht das Gesehene. Du bist DAS, was ist. In der Anwesenheit und in der Abwesenheit. Das macht jetzt keinen Unterschied mehr.

Um existieren zu können, braucht der Erfahrende die Gegenwart des Erfahrens und etwas, das er erfahren kann. Aber DAS, was der Erfahrende ist, braucht nicht die Gegenwart eines Erfahrenden, der blah, blah, blah erfährt. DAS ist vollkommen unabhängig von allen Umständen. Alle Umstände benötigen Umstände, der Erfahrende braucht den Umstand des Erfahrens, aber DAS, was der Erfahrende ist, braucht überhaupt nichts.

aus: Karl Renz, „Eight Days in Tiruvannamalai“

Es geht mal wieder um das Thema „Hand als gestreckte und als geballte Hand“ oder um „Gold als Ring oder als Becher“ oder um „die Gründer“ in Deep Sace Nine“ als formlose Suppe oder als Formwandler Odo.

ODie weibliche Gründerin beschreibt übrigens einmal, wie es ist, wenn ein Gründer in die „Verbindung“ heimkehrt: Er ist wie ein Tropfen, der zum Ozean wird, und wenn er die „Verbindung“ verlässt, ist er wie der Ozean, der zum Tropfen wird. Kommt einem ja irgendwie bekannt vor.

Karl sagt: „Du bist DAS, was der Erfahrende ist, aber du bist nicht der Erfahrende. Du bist DAS, was die Person ist, aber du bist nicht die Person. Du bist DAS, was der Körper ist, aber du bist nicht der Körper.“ DAS entspricht in den Beispielen oben der Hand, dem Gold bzw. der „Verbindung“. Du bist das, was die Faust ist, aber du bist nicht die Faust. Du bist das, was der Ring ist, aber du bist nicht der Ring. Du bist DAS, was Odo ist, aber du bist nicht Odo. Faust, Ring, Odo entsprechen Form; Hand , Gold, „Verbindung“ der Formlosigkeit.

Weiter sagt Karl: „Um existieren zu können, braucht der Erfahrende die Gegenwart des Erfahrens und etwas, das er erfahren kann. Aber DAS, was der Erfahrende ist, braucht nicht die Gegenwart eines Erfahrenden, der blah, blah, blah erfährt.“ Ich könnte hier noch als Analogie die Natur ins Spiel bringen und behaupten: Der Mensch braucht die Natur, aber die Natur nicht den Menschen. All diese Analogien hinken natürlich gewaltig weil Hand, Gold, „die Verbindung“ und die Natur Etwasse sind, während Karl sagt: „In der Gegenwart der Welt oder ihrer Abwesenheit ist nur DAS, was ist.“ Analog zur Metapher mit der Natur könnte ich also sagen: DAS, was ist, braucht uns nicht, aber ohne DAS, was ist, würden wir uns nicht einmal vermissen können. „DAS, was ist“, könnte jetzt jemand fragen. „Was ist das zum Teufel? Meister Eckharts Antwort:

„Schweig‘ und schwätze nicht über Gott;
denn damit, dass du von ihm schwätzest,
lügst du und tust Sünde.
Willst du also ohne Sünde und vollkommen sein,
so schwätze nicht von Gott.
Du sollst auch von Gott nichts verstehen,
denn Gott ist über alles Verständnis.“

E

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7 Antworten zu Karl Renz: Du siehst nicht, du bist DAS, was sehen ist.

  1. thomram schreibt:

    Ich gebe Meins hier nun mal zum besten.

    Ich erlebte vor etwa drei Jahren zwei Mal etwa zwei MInuten der speziellen Art. Es trat unerwartet und abrupt ein. In aller Bescheidenheit nenne ich es einen Zustand der Erleuchtung.
    Seither weiss ich die Antwort auf eine Frage, welche ich mir schon 1000 mal gestellt hatte. Der Guru und der Schüler. Der Schüler kommt zum Guru und sagt, er habe eben Erleuchtung erfahren. Der Guru erkennt immer sehr schnell, ob das nun Erleuchtung gewesen ist oder nicht. Meistens nicht, klingelingeling, das Glöckchen geläutet und ab, weiterüben.
    Wie nur, wie nur kann der Guru erkennen, ob der Schüler erleuchtet worden ist oder nicht?
    Die Antwort ist einfach. War es keine Erleuchtung, erzählt der Schüler begeistert und detailreich, wie er in Gold gebadet oder frei geflogen oder innig verbunden mit einer andern Seele oder oder oder so.
    War es Erleuchtung, dann stammelt der Schüler, kann nur sagen, was es nicht war, findet keine Worte für das Erlebnis.
    So ist es.
    Alle die Sprüche, die du hier einstellst, lieber Nitya, und streng oder spöttisch oder spielerisch zerpflückst, all diese Sprüche taugen in der Tat nichts. Ok, sie können den Menschen zu eigenem Forschen anregen, das ist eine gute Sache. Doch verschliesst sich letzte Wahrheit stets in dem Moment, da ich sie in Worte zu fassen suche.

    Und? Wie war es, deine Erleuchtung, was war da, thom ram?
    Weil vielleicht ein Leser neugierig ist, so sage ich doch etwas dazu.
    Alles war haargenau wie es immer ist: Der Tisch war der Tisch, die Geräusche die Geräusche, mein Körper mein Körper, alles wie vorher und nachher, so materiell wie Materie für uns materiell eben ist, oder zu sein scheint.
    Und alles war gänzlich anders, war durchsichtig, war nicht materiell.
    Probleme waren die gleichen Probleme, und sie waren keine Probleme.
    Freuden waren Freuden und sie waren keine Freuden.

    Du siehst, es ist unmöglich zu beschreiben, es ist unmöglich, es auf das Tagesbewusstsein herunter oder herüber zu ziehen.

    Zuvor hatte ich immer gehofft, erleuchtet zu werden.
    Seither strebe ich nicht danach. Seither bin ich ruhig froh, weil es gut ist, wie es ist. Ich bin nämlich nicht hier in diesem Körper, um erleuchtet rumzulatschen. Ich bin hier präzise zum Zwecke, nicht erleuchtet mein Tagwerk zu verrichten.

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  2. Georg Alois schreibt:

    Mein Freund Karlchen……. ich vergesse nie, wie er mir auf La Palma, auf unserer Terrasse mit Blick aufs Meer, die Welt erklärte…… es war die „Ken Wilber Zeit“. heidinei, solche Gedankenakrobatik war kaum auszuhalten. Aber ich bewundere ihn!!, denn er ist der beste Selbstvermarkter den ich kennen gelernt habe. Ich Depp musste immer mit meiner Hände Arbeit, schwitzend, mein Geld verdienen. Soweit zu den Talenten………
    Ich liebe halt meine „OSHO-Gutenacht-Lektüre“
    Was ist ein Mystiker? Jemand, der keine Antworten weiß, jemand, der alle nur möglichen Fragen gestellt hat und herausgefunden hat, dass sich keine dieser Fragen beantworten lässt. Nachdem er das festgestellt hat, hat er das Fragen aufgegeben.

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  3. Nitya schreibt:

    Weil’s gerade so gut passt. hier mal wieder eines meiner Lieblingegedichte. Kennt ihr alle. Rilke:

    Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
    Sie sprechen alles so deutlich aus:
    Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
    und hier ist Beginn und das Ende ist dort.

    Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
    sie wissen alles, was wird und war;
    kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
    ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

    Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
    Die Dinge singen hör ich so gern.
    Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
    Ihr bringt mir alle die Dinge um.

    Erleuchtung, mir wird übel,wenn ich das Wort bloß höre. Heute hat mir ein flüchtiger Blick in das Heft „Achtsamkeit“ vom flow-Magazin schon den ganzen schönen Sonntag-Morgen versaut. Ich weiß noch, wie ich immer erschauerte, wenn mir früher kleine Mädchen (kommt jetzt bloß nicht auf komische Gedanken) ihr Poesiealbum vor die Nase hielten, damit ich mich da auch verewige, dann fand ich darin regelmäßig den bekannten Spruch aus dem kleinen Prinzen: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Garniert war das in der Regel mit vielen romatischen roten Herzchen. Es ist wirklich schwer zu ertragen: Wenn Buddha oder wer auch immer einen Furz lässt, dann wird der morgen im flow-Magazin oder wo auch immer platt gemacht. „Die Dinge singen hör ich so gern …“ ach ja. Zum Teufel mit der Erleuchtung! Zum Teufel mit allen Gurus, die ihr Maul nicht halten können und alle die Dinge umbringen und sogar die Nicht-Dinge. Holz hacken und Wasser holen, das ist es doch. Aber selbst das wurde längst platt gewalzt. Im Augenblick von mir.

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  4. Georg Alois schreibt:

    Wunderschön………………..
    Danke!
    Und einen schönen Tag noch!!!

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  5. Eno Silla schreibt:

    Du siehst nicht, du bist DAS was Sehen ist!

    Gestern war ja ein ganz besonders angenehmer Frühlingstag.
    Ich war mal wieder mit dem Rad unterwegs zu meiner Lieblingsbank an einem Feldrand.
    Nachdem mich die Sonne gut durchwärmt hatte, konnte ich hoch in den Lüften einen Kolkraben beobachten. Er segelte, zog dann die Flügel an den Körper und schoß ein paar Meter in die Tiefe, um dann wieder mit ausgebreiteten Flügeln an Höhe zu gewinnen. Das machte er einige Male hintereinander. Es sah nach großem Spass aus und ich beneidete ihn ein wenig um seine Flugfähigkeit…
    Um meine Füsse wuselten rote Waldameisen herum. Ich schaute sie mir eine Weile ganz genau an und irgendwie erinnerten sie mich an uns Menschen. Sie schienen höllisch beschäftigt zu sein, schleppten Holzstückchen und anderen Kram durch die Gegend. Eine Ameise schleppte ein ziemlich großes Stück (im Verhältnis zur eigenen Größe) von der Eiche, die meinen Rücken stützte. Sie hatte Mühe das Teil durch die Grashalme zu ziehen und verlor es auch prompt. Es rollte ein Stück weit von ihr fort und die Ameise suchte kurz danach, ja, sie suchte danach, allerdings immer knapp daran vorbei. Dann schnappte sie sich ein kleineres Stück und weiter gings, jetzt viel flotter, irgendwohin zum großen Ameisenhaufen, irgendwo im Wald…

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