Niu-t’ou Fa-jung: ein Nickerchen in leerem Raum

 N

Denkt man unter allen Bedingungen nicht an ein Ergebnis,
Resultiert daraus ein Geist, der dem Samâdhi entspricht.
Du solltest keinen Dharma-Sitz aufstellen,
Sondern ein Nickerchen machen in leerem Raum.

Erfreust du dich voller Gelassenheit des Dao,
Wanderst du in Muße in der wahren Wirklichkeit.
Du hast nichts zu tun, es gibt nichts zu erreichen –
Dich auf nichts stützend, manifestierst du dich von selbst.

aus: Niu-t’ou Fa-jung, „Der Gesang des Herz-Geist“ (Hsin-ming)

OmaOma manifestiert sich gerade von selbst.

Und das soll’s schon sein, werden sich vermutlich viele fragen. Wie sagte doch Buddha: „Glaubt mir kein einziges Wort von dem was ich sage, nur weil ich Buddha, eine Autorität für Euch bin. Zweifelt es ruhig an, aber haltet es einfach für möglich, probiert es dann aus und seht, erfahrt alles selbst!“ Nun, hier handelt es sich um Niu-t’ou Fa-jung und nicht um Gautama Buddha. Aber vielleicht habt ihr auch bei ihm Lust, es einfach auszuprobieren, falls ihr das nicht sowieso schon längst getan habt. Oder ist das jetzt vielleicht ein Aprilscherz?

Niu-t’ou (Büffelkopf) Fa-jung lebte im siebten Jahrhundert. Er gilt als der tantrischste unter den chinesischen Ch’an-Meistern und ist vielleicht der größte Bilderstürmer. Es wird erzählt, dass er in einer Grotte lebte, wohin die Vögel ihm Blumen brachten. Tao-shin, der vierte Patriarch, hörte von diesem außergewöhnlichen Menschen und beschloss, ihm einen Besuch abzustatten. Das ist eine der größten Begegnungen des Ch’an. Niu-t’ou scherte sich nicht um Formalitäten. Er saß schweigend in einer Grotte und erhob sich nicht einmal, um seine Besucher zu begrüßen. Er schien nichts zu tun und so nannte man ihn auch „den Faulen“, aber Tao-shin ließ sich nicht täuschen. Er übertrug ihm das Siegel der blitzartigen Lehre, die er von Seng-ts’an erhalten hatte. Daraufhin verfasste Niu-t’ou dieses wunderbare Gedicht „Der Gesang des Herz-Geist“.

Na also. „Zweifelt es ruhig an, aber haltet es einfach für möglich, probiert es dann aus und seht, erfahrt alles selbst!“ Also, mach hinne! Nee, mach nicht hinne! Ach, mach doch, was du willst!

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8 Antworten zu Niu-t’ou Fa-jung: ein Nickerchen in leerem Raum

    • Eno Silla schreibt:

      Wunderbare Worte dieses jungen Mannes, scheinen direkt ins Schwarze zu treffen.
      Was sie wohl in diesem rhetorisch geschulten Kirchenmann auslösen?

      So wie dieser hier:

      Für einen Freund von mir nur ein „Schaumschläger“!
      Ist es nicht unfassbar erstaunlich, dieses verrückte Spiel?

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      • Nitya schreibt:

        Lieber Eno, kennst du noch jemanden, der so schön Schaum schlagen kann wie der Karl? Ich nicht.

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      • Eno Silla schreibt:

        Lieber Nitya,
        nein, ich kenne niemanden, der den Schaum, den er schlägt, mit dieser besonderen Cremigkeit hinbekommt, wie der Karl seinen speziellen Schaum hinbekommt. Ich koste immer gern mal wieder davon. Es gab auch schon Zeiten, in denen ich mich an Karls Schaum überfressen hatte und mir kotzübel war, aber jetzt habe ich die richtige Dosierung gefunden und genieße den Schaum gelegentlich sehr! Besonders auch, wenn mich der besagte Freund mal wieder auf Karl Renz hinweist, weil er nach 10 Jahren immer noch nicht mit einer flapsigen Bemerkung zum Holocaust, die Karl in einem Talk äußerte, klarkommt und von mir wieder und wieder eine Erklärung verlangt, die ich ihm gebe in eigenen Worten oder weiteren von Karl, die er aber nicht versteht, oder akzeptieren mag… Ich habe ihm die mir bekannten Mailadressen von Karl übermittelt und ihn gebeten, sich doch an den Urheber seiner Pein direkt zu wenden, in der Hoffnung irgendwann mal Ruhe zu haben. Jedenfalls stößt mich dieser Freund regelmäßig wieder auf den cremigen Schaum Karls und der Genuß ist jedes mal neu und frisch und phänomenal.
        Schäumende Grüße
        Eno

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  1. fredo0 schreibt:

    ach wie so schön ists … diese faulheit …

    ich hatte ja schon immer den verdacht , dass dort die größte weisheit liegt ( im schaukelstuhl ) …

    und wenn nicht ? … tja … dann isses zumindest fein unaufgeregt dort ( im schaukelstuhl ) …

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  2. fredo0 schreibt:

    wenn schaum in faulheit blasen schlägt
    der kopf an seinem aste sägt .
    er hängt sich an sich selber auf ,
    das ist des lebens feinster lauf .

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