Ma-tsu: das Bewusstsein, das nicht versteht, das ist es


MCh’an Meister Wu-yeh von Fen-chou kam, um bei Ma-tsu zu studieren. Ma-tsu, dem dessen elegante Erscheinung und glockendröhnende Stimme auffielen sagte: „Was für eine eindrucksvolle Buddha-Halle, zu schade, dass kein Buddha darin ist. Wu-yeh fiel auf seine Knie und sagte: „Ich verstehe die Schriften der Drei Fahrzeuge in ihren allgemeinen Darlegungen und höre ständig von der Ch’an-Lehre, dass das Bewusstsein der Buddha sei, kann dies aber nicht verstehen.“ Ma-tsu sagte: „Genau das Bewusstsein, das nicht versteht, das ist es, und weiter gibt es nichts. Wenn du nicht verstehst, ist es ein Irrtum. Wenn du verstehst, ist es Erwachen. Wenn du irrst, bist du ein Lebewesen. Wenn du erwachst, bist du ein Buddha. Der Weg ist nicht getrennt von Lebewesen. Wie könnte es einen Buddha außerhalb von dir geben? Es ist wie mit der Hand, die sich zur Faust ballt, während die Faust ganz und gar Hand bleibt.“ Da erwachte Wu-yeh vollkommen. Er weinte und sagte zu Ma-tsu: „Es heißt immer, der Buddha-Weg sei lang und fern und das Ziel nur nach vielen Zeitaltern voller Mühen und Leiden erlangt werden könne. Heute erkenne ich erstmals, dass die Wirklichkeit des Dharma-Körpers vollkommen gegenwärtig in mir ist. Alle Erscheinungen (dharmas) entstehen im Bewusstsein, sie sind nur Ideen und Gestaltungen und nicht die Wirklichkeit (selbst)“ Daraufhin sagte Ma-tsu: „So ist es, so ist es. Die Natur aller Erscheinungen entsteht nicht und vergeht nicht. Alle Erscheinungen sind im Wesen leer und ruhig.“

aus dem „Ma-tsu yü-lu“

Hand„‚Es ist wie mit der Hand, die sich zur Faust ballt, während die Faust ganz und gar Hand bleibt.‘ Da erwachte Wu-yeh vollkommen.“ – Es gibt das Beispiel mit dem Ring, dem Becher und von mir aus der Krone. Welche Form auch immer Gold angenommen hat, es ist und bleibt Gold. Das Beispiel mit der Hand will dasselbe verdeutlichen.

Ma-tsu sagt: „Wenn du nicht verstehst, ist es ein Irrtum. Wenn du verstehst, ist es Erwachen. Wenn du irrst, bist du ein Lebewesen. Wenn du erwachst, bist du ein Buddha. Der Weg ist nicht getrennt von Lebewesen. Wie könnte es einen Buddha außerhalb von dir geben?“ Ob die Handfläche offen ist oder geschlossen zur Faust, es ist und bleibt eine Hand. Handfläche und Faust sind nicht getrennt, nicht zwei. Ob du verstehst oder nicht verstehst, beides ist nicht zwei.

Man sagt, es gäbe im Buddhismus zwei große Schulen. Die einen propagierten den Weg des allmählichen Fortscheitens, die anderen das augenblickliche Erwachen. Ich widerspreche dem ganz entschieden. Für mich gibt es nur den falschen Weg und den einzig richtigen „Nicht-Weg“. Weg steht für eine Bewegung von A nach B, Nicht-Weg bedeutet, überhaupt kein Weg. Jetzt und hier fällt der Groschen oder er fällt nicht und – es macht keinen Unterschied. Als Buddha seine Lotosblume hochhielt und Mahakashyapa lächelte, passte da kein Blatt Papier dazwischen. Dasselbe ereignete sich, als Ma-tsu für den Wu-yeh seine Hand zur Faust ballte. Ob für Wu-yeh das Studium der Schriften der Drei Fahrzeuge in ihren allgemeinen Darlegungen hilfreich gewesen ist, damit der Groschen endlich fallen konnte? Wenn überhaupt, so vermute ich, dann half ihm die Verzweiflung darüber, dass ihm das Verstehen der Schriften kein bisschen weitergeholfen hatte. Die totale Verzweiflung ließ den Verstand möglicherweise kollabieren, was ein augenblickliches Sehen der offenkundigen Wahrheit ermöglichen konnte.

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Eine Antwort zu Ma-tsu: das Bewusstsein, das nicht versteht, das ist es

  1. fredo0 schreibt:

    alles davor – ist dekoration …
    alles danach – ist dekoration …
    und nix ist falsch an dekoration …

    doch der „fallende groschen“ ist immer – plötzlich – unerwartet – unbedingt – unveranlasst …
    und ist bar jeder dekoration .
    und das spezielle , einzigartige an diesem „fallenden groschen“ ist ,
    dass er gewissermaßen in sich selbst fällt …

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