Ashtavakra: Bindung und Befreiung


AEs bedeutet Bindung, wenn der mind etwas wünscht oder um etwas trauert, irgendetwas zurückweist oder akzeptiert, sich freut oder sich über irgendetwas ärgert. Es bedeutet Befreiung, wenn der mind weder etwas wünscht noch bekümmert ist, weder annimmt noch verweigert, sich weder glücklich noch ärgerlich fühlt. Es ist Bindung, wenn der mind an irgendwelche Erfahrungen der Sinne gebunden ist. Es bedeutet Befreiung, wenn der mind sich von allen Sinneserfahrungen gelöst hat. Wenn das Ego anwesend ist, ist dies Bindung, wenn es abwesend ist, ist dies Befreiung. Wenn das verstanden wird, sollte es Dir leicht fallen, Dich von jeglichem Akzeptieren oder Verweigern fernzuhalten. Wen gehen die zwei Pole der Gegensätze, wie Pflichten, die erfüllt, und Taten, die vermieden werden, etwas an? Wann enden diese und für wen enden sie? So forschend – durch Gleichgültigkeit gegenüber der Welt – fahre fort ohne Verlangen und Wollen zu sein. Selten in der Tat, mein Kind, ist jene gesegnete Person, deren Verlangen nach Leben, Vergnügen und Wissen, nur durch das Beobachten der Wege der Welt erloschen ist.

aus: Ashtavakra-Gita, 79-84 Ja„Selten in der Tat, mein Kind, ist jene gesegnete Person, deren Verlangen nach Leben, Vergnügen und Wissen, nur durch das Beobachten der Wege der Welt erloschen ist.“ Ashtavakra spricht zu König Janaka und nennt ihn „mein Kind“. Machen unsere Pfaffen auch. „Meine Tochter, mein Sohn.“ Und es ist noch gar nicht so lange her, da haben Ehemänner ihre Frauen so angesprochen, häufig sogar im Diminutiv als Kindchen. Dann fällt auf, dass hier von einer „gesegneten Person“ gesprochen wird. Das zieht sich dann wie ein roter Faden durch den Text, etwa indem von Bindung und Befreiung gesprochen wird. Auch damit kann nur die Person gemeint sein. Da sagt Ashtavakra: „Wenn das verstanden wird, sollte es Dir leicht fallen, Dich von jeglichem Akzeptieren oder Verweigern fernzuhalten.“ Wer könnte verstehen, wer sich fernhalten, wenn nicht die Person?

Also es ist ja nicht so, dass Ashtavakra nicht wüsste, dass er hier von einer scheinbaren Person spricht. So sagt er etwa in Vers 13: „Gib die Illusion auf, ein individuelles Selbst zu sein, zusammen mit allen äußeren und inneren Selbst-Veränderungen, und meditiere über Atman, dem unveränderbaren, nicht-dualen Bewusstsein.“ Aber er spricht auch hier immer noch die Person an: „gib auf, meditiere!“ Atman muss weder aufgeben noch meditieren. Diese erleuchteten Heinis machen es ihren Zuhörern, vor allem den ernsthaften Zuhörern, ihren Jüngern weiß Gott nicht leicht. Es scheint ihnen einen Heidenspaß zu machen, irreführende Pfade anzulegen.

Bindung, Befreiung – wer könnte gebunden werden, wer befreit? Das alles sind nur Vorstellungen, Hirngespinste. Sie führen fast zwangsläufig zu dem, was dem gläubigen Schüler so gerne als spirituelle Praxis verkauft wird.polierenHuai-jang Nan-yüeh sah, wie Ma-tsu vor seiner Hütte saß und meditierte. Daraufhin nahm Huai-jang einen Ziegel und rieb ihn an einem Stein. Als Ma-tsu fragte, was er da mache, antwortete der Meister, er wolle den Ziegel zu einem Spiegel schleifen. Ma-tsu fragte erstaunt: Wie kannst du durch Polieren eines Ziegels einen Spiegel herstellen wollen?“ Darauf Huai-jang: „Und wie kannst du durch Meditation Buddhaschaft erlangen?“

aus dem „Ma-tsu yü-lu“

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Ashtavakra: Bindung und Befreiung

  1. Nitya schreibt:

    Seeadler I – jetzt kann’s auch hier losgehen

    Seeadler I

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s