Tony Parsons: Das hier ist das Eine, das wand-et


W

Die landläufige Anschauung, Aktion sei stets das Wirken eines Agierenden, ist so tief verwurzelt, so eng mit unserem Gefühl für Ordnung und Sicherheit verknüpft, dass eine dem entgegengesetzte Weltschau ernsthafte Verwirrung stiften kann. Ohne sichtbar Agierende scheint es, als kämen alle Aktionen von irgendwoher, als wären sie unabhängig von jedem Ursprung, und auf den ersten Blick kann diese Spontaneität alarmierend wirken. …

Eine Zeitlang fühlte ich mich in einer unendlichen Leere verloren, verängstigt, durch und durch verunsichert. Jedoch gewöhnte ich mich allmählich an dieses Gefühl, so sonderbar es auch war. Da war einfach ein Muster aus Aktion, aus Vorgängen und dies war im selben Augenblickt das Universum und ich selbst, und außerhalb war nichts, weder Vertrauen noch Misstrauen. Und der Gedanke eines Sich-selbst-Vertrauens oder Misstrauens schien völlig bedeutungslos, genauso wie es keine Möglichkeit gibt, dass ein Finger seine eigene Fingerkuppe berührt. Denkt man darüber nach, so scheint es nicht unsinnig, die Welt aus dieser Sicht zu betrachten. Der Agierende, der hinter der Aktion Stehende, ist selbst Aktion. Wenn man sagen kann, eine Matte mattet, dann kann man ebenfalls sagen, eine Katze katzt. Wir müssen dabei gar nicht fragen, wer oder was „katzt“.

aus: Alan Watts, „Dies ist ES“

P

Das hier ist das Eine (deutet auf die Wand), das wand-et und den Verstand als Werkzeug benutzt, um das hier in zwei zu spalten, damit es in der Manifestation erscheint und dem Suchenden separat vorkommt, weil der nach der Einheit sucht. Dabei ist die Wand in der Essenz der Einheit enthalten, obwohl der Suchende die Wand für getrennt von sich hält.

aus: Tony Parsons, „DAS IST ES“

Letztlich ist es natürlich nicht die Matte, die mattet, und nicht die Katze, die katzt, und nicht die Wand, die wandet, sondern, ganz wie es Tony Parsons formuliert, das Eine, das wandet. Und demzufolge ist es natürlich auch das Eine, das mattet und katzt. Sehr beliebt auch das Eine, das icht. In Falle des scheinbaren Schreiberlings ist es eben auch das Eine, das schreibt. Und da das Eine weder kotzen noch katzen kann, bedient es sich hierfür eines scheinbaren Werkzeugs, einer scheinbaren Katze. Oder im Falle des Schreibens einer scheinbaren Person. „Bedient“ klingt schon wieder so, als ob das Eine irgendwelche Absichten verfolgen würde.  Will es denn matten, katzen, wanden, ichen, schreiben oder sonst irgendetwas? „I have a dream.“ Hat das Eine auch einen Traum? Nun, Martin Luther King hatte einen Wunsch für die Zukunft und so nannte er das einen Traum. Meine Mutter träumte immer von einem Häuschen im Grünen. Im Falle des Einen kann man vielleicht auch von einem Traum träumen, nur geht es da vermutlich nicht um Wünsche und Absichten, sondern um all die unendlich vielen Erscheinungen, die aus einer unbegreiflichen Quelle zu sprudeln scheinen.

Der Punkt aber, um den es Alan Watts und Tony Parsons geht, ist, darauf hinzuweisen, dass es noch nie einen Agierenden gegeben hat. Das Ergebnis dieser Erkenntnis ist die Aussage Dschalal ad-Din Muhammad Rumis:

 Glaubst du, dass ich weiß, was ich tue?
Dass ich auch nur einen Atemzug lang
oder einen halben mir selbst gehöre?
So wie eine Feder weiß, was sie schreibt,
oder der Ball ahnen kann, wo er hin rollen wird.

R

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