Jed McKenna: Aus dir wird ein neuer Mensch

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Du wolltest wissen, was du als nächstes tun sollst? – Das ist es, ohne jeden Zweifel: Du musst deinen Körper, deinen Geist und deine Emotionen umschulen. Aus dir wird ein neuer Mensch, und Dinge wie Atmen, Nickerchen, Schaumbäder, lange Spaziergänge und Kitzelschlachten mit deiner Tochter sollten nicht mehr als unproduktive Tätigkeiten betrachtet werden. Sie sind nicht mehr unwesentlich, sie gehören jetzt zum Wesentlichsten. Das ist kein ordentlicher, gegliederter Prozess, den du durchläufst. Du wirst völlig neu erfunden, und du solltest für diesen Prozess in allen Punkten und auf allen Ebenen empfänglich sein. Das Ausmaß, in dem du dich widersetzt, etwas nicht beachtest, vernachlässigst oder dem Prozess sonst wie entgegenwirkst, entspricht dem Ausmaß an Leiden, das dadurch verursacht wird.

aus: Jed McKenna, „Spirituelle Dissonanz“
AEin neuer Mensch – wie oft habe ich schon diesen Gemeinplatz gehört. Da kann sich dann jeder was drunter vorstellen. Und viele eilen zu den Fahnen des neuen Messias mit seinen Heilsversprechen, nur um dann nach vielen Jahren mit Erich Kästner festzustellen:

So haben sie mit dem Kopf und dem Mund
Den Fortschritt der Menschheit geschaffen.
Doch davon mal abgesehen und
bei Lichte betrachtet sind sie im Grund
noch immer die alten Affen.

„Atmen, Nickerchen, Schaumbäder, lange Spaziergänge und Kitzelschlachten, …“ na Klasse. Klar kann das alles sehr hilfreich sein, vor allem, wenn man vorher in preußischer oder christlicher Manier alles abgeklemmt hat, was Spaß machen könnte. Ich musste unwillkürlich an die ehemalige AAO-Kommune des Otto Mühl am Neusiedler See denken. „Freie“ Sexualität, Materialschlachten in Schlick und Schlamm, Selbstdarstellungen zur Reinigung von dem ganzen inneren Dreck und Müll, „Reichsche Körperarbeit“ und so eine Art Primärtherapie und und und. Ein neuer Mensch sollte das Ergebnis sein. Ich hab mir das in den 70ern einmal angeschaut und machte am nächsten Tag schon wieder den Abflug. Von wegen frei. Das ist, wie wenn jemand sagt: Entspann dich mal! Sei doch mal locker! Wenn jemand keinen Bock auf Sex hatte, wurde er als verklemmter Kleinfamilienwichtel beschimpft und musste am Abend zu diesem Thema coram publico eine Selbstdarstellung hinlegen.

KJed McKenna sagt: „Das Ausmaß, in dem du dich widersetzt, etwas nicht beachtest, vernachlässigst oder dem Prozess sonst wie entgegenwirkst, entspricht dem Ausmaß an Leiden, das dadurch verursacht wird.“ Wem widersetzt? Ich habe mich damals der Aufforderung Mühls widersetzt, auf die Bühne zu kommen und mich zum Objekt seiner Vorstellungen machen zu lassen. Mühl hat das bestimmt als Widerstand gedeutet. Für mich war es jedoch genau das, was für mich stimmig war. Ich bin nicht daran interessiert, „den neuen Menschen“ für wen auch immer zu spielen. Ich habe bezüglich eines neuen Menschen sowieso nicht den allergeringsten Ehrgeiz. „Gerade jetzt ist genug.“ Stammt von Richard Baker Roshi, und ich kann ihm da nur zustimmen.

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4 Antworten zu Jed McKenna: Aus dir wird ein neuer Mensch

  1. thomram schreibt:

    Hahaha, herrlich, Nitya.

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  2. thomram schreibt:

    Ich selber mach‘ mich grad dran, eine andere den Menschen so befreiende Angelegenheit zu besenfen: Die heilige Ehe. Ma kucken, was in meine Feder fliessen wird😉

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  3. thomram schreibt:

    Hier meine Ehebesenfung.
    http://bumibahagia.com/2016/03/25/die-ehe-die-sippe-essay/

    Vielleicht schreibt Nitya mal was zu diesem grandiosen Thema? Freu‘ mich jetzt schon drauf!

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  4. Eno Silla schreibt:

    „Aus dir wird ein neuer Mensch, und Dinge wie Atmen, Nickerchen, Schaumbäder, lange Spaziergänge und Kitzelschlachten mit deiner Tochter sollten nicht mehr als unproduktive Tätigkeiten betrachtet werden.“
    Für mich sind diese Tätigkeiten keine unproduktiven Tätigkeiten. Meistens genieße ich sie sehr. Naja, was Kitzelschlachten mit meiner Tochter angeht, da kann ich mangels Tochter nicht mitreden (als sie noch klein war, habe ich gelegentlich Kitzelschlachten mit meiner Nichte veranstaltet). Dieses Wort „unproduktiv“ gehört schon seit sehr langem nicht mehr zu meinem Wortschatz. Gehörte es je dazu? Hätte ich eine Statistik der meistverwendeten Worte, hätte dieses Wort sicherlich einen weit abgeschlagenen Platz. Doch sind die erwähnten Tätigkeiten auch nicht wirklich was Besonderes oder Nichtbesonderes, sie sind einfach was sie sind… Bin ich jetzt ein neuer Mensch? Ich fühle mich ganz wie der alte Affe Mensch, der ich schon als Kind war.

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