Terence Gray: Demokratie kann letztlich nichts bewirken


G Demokratie, beherrscht von Interessenkonflikten, ist aufgrund ihrer selbst auferlegten Begrenzungen zum Scheitern verurteilt. Sie kann letztlich nichts bewirken.

Um kreativ zu sein, darf Regieren nicht auf Konflikten, sondern nur auf Kooperation beruhen, nicht auf Interessen, sondern auf Selbstlosigkeit, nicht auf Rechten, sondern auf Verpflichtung. Egoismus und Machtgeschick sind armselige Mittel, verglichen mit Hingabe und Dienstbarkeit. Neid, Hass, Böswilligkeit und jede Form von Hartherzigkeit sind negativ und ohne Kraft, und keine Regierungsform, die diese Eigenschaften fördert, kann eine Nation zu Glück oder Wohlstand führen.

Eine erfolgreiche Regierung kann nur ‚von oben‘ kommen.

aus: Terence Gray, „Fingers Pointing Towards The Moon“

Die Aussage endet mit dem Satz: „Eine erfolgreiche Regierung [kann] nur ‚von oben‘ kommen.“ Dieser Satz bezieht sich natürlich nicht nur auf eine demokratische Regierung, sondern selbstverständlich auch auf jede andere Regierungsform. Terence Gray schreibt hier zwar explizit über Demokratie, aber in den folgenden Sätzen wird deutlich, dass es ihm um etwas ganz anderes geht.
GWilhelm II. nannte sichWir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen“ – von Gottes Gnaden, und Adolf Hitler hatte es mit dem Allmächtigen: „Ich habe die Überzeugung, dass mir gar nichts zustößt, weil ich daran glaube, dass die Vorsehung mich für meine Arbeit bestimmt hat.“ Ist es das, was Terence Gray mit dem Satz meint: „Eine erfolgreiche Regierung kann nur ‚von oben‘ kommen.“?

Wohl kaum. Wenn irgendein aufgeblasenes Ego meint, von irgendeinem Allmächtigen ganz bestimmte Sonderrechte und –fähigkeiten verliehen bekommen zu haben und dazu noch einen besonderen Auftrag, dann spinnt es einfach. Es ist nichts als der Versuch, irgendwelche geistig etwas unterbelichteten Mitmenschen zu beeindrucken und für die eigenen egoistischen Ziele einzuspannen. Terence Gray geht es vermutlich um etwas völlig anderes, wenn er schreibt: „Eine erfolgreiche Regierung kann nur ‚von oben‘ kommen.“

In den folgenden Sätzen kann deutlich werden, was Terence Gray unter diesem ominösen ‚von oben‘ versteht: „Um kreativ zu sein, darf Regieren nicht auf Konflikten, sondern nur auf Kooperation beruhen, nicht auf Interessen, sondern auf Selbstlosigkeit, nicht auf Rechten, sondern auf Verpflichtung. Egoismus und Machtgeschick sind armselige Mittel, verglichen mit Hingabe und Dienstbarkeit.“ Es scheint Terence Gray weniger um eine bestimmte Regierungsform zu gehen als vielmehr um die innere Haltung der Regierenden. Und da denke ich natürlich gleich an LaoTse und an das, was er dazu zu sagen hat:

LEin Land regiert man nach Regel und Maß. Krieg führt man ohne Regel mit List. Das Reich aber erringt man ohne Taten. Woher weiß ich, dass die Welt so ist? Daher: Je mehr Verbote, umso ärmer das Volk; je mehr scharfe Waffen im Volk, umso wirrer der Staat; je geschickter die Menschen, umso mehr seltene Waren; je mehr Gesetze, umso mehr Diebe und Räuber. Darum sagt der Weise: Ich tue nichts, und das Volk wandelt sich von selbst. Ich verhalte mich still, und das Volk findet das Maß. Ich bleibe tatenlos, und das Volk gelangt zu Wohlstand. Ich bin begierdelos, und das Volk findet zur Unverdorbenheit. (Tao Te King / Ernst Schwarz – Kap. 57)

Letztlich muss ich allerdings sagen, dass mir auch hier immer noch viel zu viel regiert wird. Insofern würde ich gerne die Sache zum Abschluss bringen mit dem immer wieder zitierten Gandhi-Spruch: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst von der Welt.“ Aber ich gestehe: Das kann dauern, falls es nicht überhaupt ein ziemlich kindlicher Heile-Welt-Wunsch ist. Insofern scheint die Lao Tse-Version vielleicht ein klein wenig realistischer zu sein. Na ja. Aber eine bessere fällt mir auch nicht ein.

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4 Antworten zu Terence Gray: Demokratie kann letztlich nichts bewirken

  1. Eno Silla schreibt:

    „Demokratie kann letzlich nichts bewirken.“
    Nichts bewirkt letzlich alles.
    Eine Regierung „von oben“?
    Wozu, wird sie doch auch nur zum Nichts führen, das alles ist…
    Irgendwie ganz (schön) so (wie es ist)!

    „Das Erlangen von Erleuchtung… ist die letztendliche, die endgültige Enttäuschung.“
    Tschögyam Trungpa

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    • Eno Silla schreibt:

      „DIE QUAL DER ALLVERBUNDENHEIT MIT DEM UNIVERSUM“

      Wer leuchten will, muss sich verbrennen lassen.
      Viktor Frankl

      Viele von uns befinden sich auf der Suche nach Erleuchtung. Wir sehnen uns nach einer Loslösung von unserem Selbst durch eine Art mystischer Vereinigung mit allen Dingen. Doch dieser Moment der Offenbarung – wenn wir endlich das ganze Bild sehen und unseren Platz im kosmischen Gespinst erfühlen – kann eine niederschmetternde Erfahrung sein, von der wir uns nie wieder ganz erholen.
      Mitgefühl schmerzt. Wenn du dich mit allem verbunden fühlst, fühlst du dich auch für alles verantwortlich. Und du kannst dich nicht einfach abwenden. Dein Schicksal ist mit dem Schicksal anderer verwoben. Du musst lernen, das Universum auf deinen Schultern zu tragen, oder es wird dich zerquetschen. Du musst stark genug werden, um die Welt zu lieben, aber leer genug, um dich mit ihren schlimmsten Albträumen an einen Tisch zu setzen.
      Das Streben nach Erleuchtung ist zugleich das Streben nach Zerstörung, Wiedergeburt und danach, sich Bürden aufzuerlegen. Du musst darauf vorbereitet sein, absolut alles im Himmel und in der Hölle zu berühren und von ihm berührt zu werden.

      Ich bin eins mit dem Universum, und es schmerzt.“

      aus: Andrew Boyd „Tägliche Heimsuchung“

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      • Brigitte schreibt:

        wow… der Text hat’s in sich. mille grazie, eno!

        […]kann eine niederschmetternde Erfahrung sein, von der wir uns nie wieder ganz erholen.[…] YES!! „niederschmetternd“ was für ein schönes Wort und so wahr in diesem Kontext.

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  2. Eno Silla schreibt:

    die singdrossel singt einen song.
    hä? ist das ein goldfasan dahinten?
    ach mensch, nur eine chipstüte.

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