Neem Karoli Baba: Ram Dass ist wütend


N
Eines Tages fuhr ich in meinem Volkswagen-Minibus mit ungefähr sechs oder acht anderen Leuten los, um einen kleinen Tempel zu besuchen, denn er
[Neem Karoli Baba] hatte gesagt, dass wir am Nachmittag dorthin kommen sollten. Auf dem Rückweg überquerten wir eine Brücke und fuhren einen Berg hinauf, den der Volkswagen nicht mehr schaffte. Ich sagte daher, dass jeder aussteigen und schieben sollte. Jeder stieg aus, mit Ausnahme der Frauen – dreier Frauen – und ich dachte: „Mensch, sie sind doch jung und gesund – warum steigen sie nicht aus und schieben? Aber ich dachte das nur – ich sagte nichts. Wir schoben, kamen zum Tempel und gingen hinein; Maharajji blickte auf und sagte: „Ram Dass ist wütend.“ Jeder beteuerte: „Nein, er ist nicht wütend, Maharajji.“ „Doch, er ist wütend, weil die Frauen nicht aussteigen und schieben wollten.“ Kannst du dir das vorstellen, dass es da jemanden gibt, der sich derart in deinem Kopf befindet – ich meine, wo soll ich mich denn da noch verstecken? Viele von uns sind durch eine Psychoanalyse gegangen, ich selbst fünf Jahre lang, und ich kann dir sagen – so ausgezeichnet das Spiel auch sein mag, es gibt immer subtile Möglichkeiten, sich zu verstecken. Wo aber kann ich mich vor diesem Typen verstecken? Ganz offensichtlich kann er sehen – er kann das Innerste meines Kopfes, auf Entfernung und zu jeder Zeit, durch und durch sehen.

aus: Ram Dass, „Alles Leben ist Tanz“

RIch vermute, hier gibt es neben Norbert noch andere offene oder heimliche Neem Karoli Baba-Fans. Also soll er heute mal dran glauben. Da ich von ihm so gut wie nichts weiß und er anscheinend – und für mich Gott sei Dank – auch keine Lehre hinterlassen hat und da er auf mich einfach durch seine Ausstrahlung gewirkt hat, versuche ich erst mal das aus dem Weg zu räumen, was mir für den unmittelbaren Zugang zu ihm eher im Wege steht.

Gibt’s das? Konnte dieser Maharajji tatsächlich durch und durch in das Innerste des Kopfes eines anderen Menschen sehen? Wenn ich dergleichen nicht selbst schon erlebt hätte, würde ich es vermutlich nicht glauben. Aber irgendetwas in mir wehrt sich dagegen, aus dieser Fähigkeit ein großes Ding zu machen. Klar beeindruckt das erst einmal und es ist einem vielleicht sogar ein bisschen unheimlich. „Wo aber kann ich mich vor diesem Typen verstecken?“ fragt denn auch Ram Dass und es klingt fast ein bisschen panisch. Vor seinem Psychoanalytiker konnte er sich mit etwas List und Tücke locker verstecken. Aber hier schien jemand zu sein, der alles durchschauen konnte. Kein Wunder, dass das Ego es mit der Angst zu tun kriegt. Aber ist das wirklich wesentlich?

M

Es gibt da eine Geschichte von einem Linji-Schüler. Einmal traf dieser den Schüler eines anderen Meisters, der sehr stolz auf die besonderen Fähigkeiten seines Meisters war. Er habe schon viele Wunder selbst gesehen, die sein Meister vollbracht hatte, sagte er. „Und welche Wunder hat dein Meister schon hingekriegt?“ fragte er herausfordernd den Linji-Schüler. Dieser antwortete: „Das größte Wunder, das mein Meister vollbracht hat, war, kein Wunder zu vollbringen.“

Eine wirklich feine Geschichte, finde ich. Insofern bin ich nicht so besonders beeindruckt von den hellseherischen Fähigkeiten Neem Karoli Babas. Beeindruckt bin ich dagegen immer wieder aufs Neue von seiner unglaublichen Ausstrahlung.

K

 

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6 Antworten zu Neem Karoli Baba: Ram Dass ist wütend

  1. thomram schreibt:

    Danke für die nette Geschichte und für deine Reflexion, Unmöööglicher.
    Ich lese deine Betrachtungen ab und zu, es macht Spass, Junge. Und staunen tu‘ ich über das Mass deiner Produktivität🙂

    Die Gedankenschlaufe, welche sich an obige Lektüre in mir gebildet hat, ist mir Anlass, etwas über Rat und Ratschlag zu schreiben. In bumibahagia.com, natürlich. Danke für den Impuls.

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  2. Lieber Nitya, für uns Bhakti Yoga-Leute im „Dunstkreis“ (positiv gemeint!) von Baba Ram Dass ist eines ganz wichtig: Maharajjis Siddhis sind zwar nett, aber letztenendes unwichtig.

    Das ist ein Punkt, den auch Baba immer wieder betont: Die Zaubergeschichten um Maharajji machen zwar richtig Spaß und sind wirklich beeindruckend, aber sie lenken eigentlich von dem ab, was wichtig ist: die Liebe dieses Mannes, und seine berühmte Anweisung: „Love, serve, remember“ — Love people, serve people, remember God.

    Alles Liebe
    Norbert

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  3. Gabi schreibt:

    Lieber Nitya- vor Jahren habe ich Ram Dass Buch mit Geschichten über Nem Karoli Baba gekauft. Und warum? Weil in dem Titel “ Subtil ist der Pfad der Liebe“ soviel Sehnsucht und Verheißung steckte und die Farben des Bucheinbands dieselben Farben hatten wie Hose und T-Shirt des Mannes, in den ich unsterblich verliebt war. Natürlich habe ich es gelesen- wunderbar mystische Geschichten, kapiert hab ich sicher nix. Grüße aus dem grauen Berlin von Gabi

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    • Nitya schreibt:

      Geil, total geil: „Die Farben des Bucheinbands hatten dieselben Farben wie Hose und T-Shirt des Mannes, in den ich unsterblich verliebt war.“ Da gab’s doch mal so ein Buch mit dem Titel: „Der Erleuchtung ist es egal wie du sie erlangst“. Und wenn’s über die Farben eines Bucheinbands läuft, die den Farben von Hose und T-Shirt des Geliebten gleichen. Sieht irgendwie nach einem Sannyasin aus – alles orange? Und klar, dass da noch Sehnsucht und Verheißung die richtige Würze sind, um zuzuschlagen und sich das Buch zu kaufen. „Kapiert hab ich sicher nix.“ Na prima. Es gibt nix zu kapieren.

      Herzlichen Gruß vom grauen Hamburg ins graue Berlin.
      Nitya

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      • Gabi schreibt:

        Die Hose war so meerblau wie die Hose des Matrosen in Hans Albers‘ „Beim ersten Mal da tut’s noch weh“ , das T-Shirt gelb- blau mit einer Galaxie drauf. Und der Buchumschlag? Natürlich blau mit gelber Umrandung und einem Foto von Neem Karoli Baba. Der Geliebte hielt sich für einen spirituellen Wissenschaftler und ich dachte, vielleicht versteht er den Wink, wenn ich ihm das Buch schenke. Hat er – und mir den sauerländischen Geist verdreht mit Pflicht zum Glücklichsein und ähnlichen Scherzen. War trotzdem schön.

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