Osho: Seid absolut hoffnungslos!


O

Gedanken bleiben nie von sich aus weg. Sie bleiben erst dann weg, wenn die Begierde verschwindet. Das ist es, was mit „Sei am besten still“ gemeint ist. Auf die Art und Weise sagen die Taoisten: „Sei wunschlos.“ Darum sagen sie auch, dass du dir sogar durch den Wunsch, Gott zu erkennen, Gott zu finden nur den Weg verstellst.

Sei einfach still ohne Wunsch – so, als brauche nichts zu geschehen, als werde nichts geschehen. Sei absolut hoffnungslos, denn Hoffnung ist nichts weiter als ein anderes Wort für das Wünschen. Das Wort Hoffnung ist eine Beschönigung für das Wort Begierde. Begierde ist ein etwas hässlicher Begriff, Begierde ist ziemlich ungeschminkt. Eine Hoffnung ist eine maskierte Begierde. Seid ohne Hoffnung!

Nichts wird passieren. Nichts passiert je. Es gibt keine Zukunft; also lasst allen Ehrgeiz fahren. Nur dieser Augenblick existiert, also rennt nicht kopflos durch die Gegend – das ist sinnlos, das ist neurotisch, das ist verrückt. Entspannt einfach in diesem Moment – seid einfach nur. Das ist mit „Sei einfach still…“ gemeint.

aus: Osho, „The Pathless Path“
Bei dieser Textpassage musste ich unwillkürlich wieder an einen Chiropraktiker denken, der mich während seiner ziemlich unsanften Behandlung immer wieder anherrschte: „Entspannen Sie sich doch endlich!“ Natürlich spannte ich mich danach immer noch mehr an. Alle diese „Befehle“ führen ins Leere: „Hör auf zu denken!“ – „Sei wunschlos!“ – Sei ohne Hoffnung!“ – „Sei einfach still!“ Kannste alles in der Pfeife rauchen.

Diese und andere Anweisungen basieren auf einer Illusion, wenn sie wörtlich genommen werden. Sie geben vor, dass sie umsetzbar wären, was sie jedoch nicht sind. Da sagt Osho: „Darum sagen sie [die Taoisten] auch, dass du dir sogar durch den Wunsch, Gott zu erkennen, Gott zu finden nur den Weg verstellst.“ Nun wird der Wunsch, Gott zu erkennen, zu finden, ausgetauscht gegen den Wunsch, gedankenlos, wunschlos, begierdelos, hoffnungslos zu sein. Damit verstellt man sich genauso den Weg. Alle Anweisungen, alle Ratschläge sind Bullshit. So geiht dat nich. Das weiß Osho natürlich, aber wie viele andere hat er sich häufig über Anweisungen verständlich zu machen versucht. Ich vermute, dass er so seine Zuhörer dazu bringen wollte, die Unmöglichkeit der Umsetzung selbst zu erkennen und so den eigentlichen Sinn der Aufforderung zu begreifen.

Diese Anweisungen sind nicht als Anweisungen zu verstehen, sondern als Konditionalsätze. „Wenn du dir in den Finger schneidest, verletzt du dich.“ Das könnte ich auch als Anweisung formulieren: „Pass auf, wenn du mit einem Messer hantierst!“ Als ob das je genützt hätte! Es macht nur ein schlechtes Gewissen, wenn ich mich geschnitten habe. „Ich hab dir doch gesagt, du sollst aufpassen!“

Gestern sagte Niútóu Fǎróng: „Im Geist gibt es nichts, das vom Geist verschieden wäre, darum ist es auch nicht nötig, Begierden abzutöten; ihre Natur ist leer, also verschwinden sie von selbst, wenn du ihr Auf und Ab einfach geschehen lässt.“ Aahhh, das ist wundervoll! Es beinhaltet zwar auch keine Garantie auf „Erfolg“, da auch alle Konditionalsätze illusionär sind, aber es provoziert vielleicht nicht so viel Widerstand wie ein Befehl und inspiriert dazu, einfach zu schauen, was ist.

Kein Befehl, nicht einmal ein Konditionalsatz … am besten gefällt mir ja immer noch Buddhas Blümelein. Aber ein Eichhörnchen, das einen Baum rauf und runterrennt, tut es vielleicht genauso.

L

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5 Antworten zu Osho: Seid absolut hoffnungslos!

  1. Susanne schreibt:

    Und eben so, gibt es keine Notwendigkeit, irgend „Etwas“ nicht zu begreifen oder Befehlen nicht zu gehorchen bzw. aufzu(ge)horchen.
    Gehorchen kommt von Hören kommt von hören wollen. Dein Wille geschehe, d.h. nicht mein Wille geschehe.

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  2. toe schreibt:

    Ich denke, er meinte, dass man endlich den Hintern in Bewegung setzen soll und mit echter buddh. Praxis beginnen soll. Denn normalerweise nickt man fleißig, wenn man von der Wahrheit hört, aber denkt nicht mal daran, etwas an dem gemütlichen Leben, das man sich aufgebaut hat, zu ändern.
    Einem erwachten bräuchte man das nicht zu sagen, aber solange wir nicht erwacht sind, sind solche Appelle das Werkzeug um uns hellhörig zu machen.
    Denkst du nicht?
    MfG toe

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    • Nitya schreibt:

      „Ich denke, er meinte – Denkst du nicht?“

      Moin, toe, hab dich gerade erst aus dem Spam-Orner gefischt.

      Osho war ganz sicher kein Buddhist, er spricht hier ledigliche über die taoistische Sichtweise. Und da geht es nur um Entspannung und nicht um irgendeine Praxis. Ich werde morgen etwas zu diesem Thema schreiben. Osho sagt da: „Asthavakra, Laotse, Bodhidharma, Linji sagen, dass gar nichts nötig ist – außer es zuzulassen.“ Also, lass deinen Hintern in Ruhe oder bewege ihn nach Gutdünken. Das eine ist so nutzlos wie das andere. Es geht um etwas völlig anderes.

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