Osho: „Ich bin“ ist nichts als das Ego


O
„Ich bin“ ist nichts als ein anderer Name für das Ego. Jetzt bekommst du Probleme. Wenn das Ego davon überzeugt ist, dass der einzige Weg ist, das Ego fallen zu lassen, wer lässt dann wen fallen? Und wie? Es ist, als würdest du dich an deinen eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen. Du wirst einfach dumm aussehen. Beachte jedes Wort, das du gebrauchst. „Ich bin“ ist nichts als das Ego.

Das zweite: Es ist noch nie jemandem gelungen, das Ego fallen zu lassen, denn das Ego ist keine Realität, die du fallen lassen kannst. Alles, was man fallen lassen kann, muss zumindest real sein, echt. Das Ego ist nur ein Begriff, eine Idee. Du kannst es nicht fallen lassen, du kannst es nur verstehen. Kannst du einen Schatten fallen lassen? Du kannst so schnell laufen wie du willst, dein Schatten läuft im selben Tempo mit, genau in demselben Tempo.

Du kannst das Ego nicht fallen lassen. Wenn du es versuchst, gerätst du in ein schönes Durcheinander, du wirst immer besorgter und verwirrter. So wird man sein Ego nicht los. Die einzige Möglichkeit, sein Ego loszuwerden, ist, es sich anzuschauen.

aus: „Osho, „Theologica Mystica“
IZwei Aussagen und ein heißer Tipp. Zum einen fragt Osho: Wenn du dich schon für dich hältst, wie willst du dich loswerden? Das Ich kann sich nicht selbst loswerden. Da beißt sich die Schlange mal wieder mächtig in den eigenen Schwanz. Und wenn’s weh tut, muss irgendeiner schuld sein, vorzugsweise man selbst. Das lässt das Ich prächtig wachsen. Gleichzeitig räumt Osho mit einer Lieblingsidee der spirituellen Sucher auf, die darin besteht, das schäbige Ego durch das erhabene ICH BIN auszutauschen. Groß oder klein geschrieben, es ist alles nichts als das Ego in unterschiedlichen Gewändern.

Zum anderen weist er darauf hin, dass die ganzen Ideen vom Ego oder Ich oder ICH BIN eben nur Ideen sind. Ego, Ich oder ICH BIN sind nicht real, nicht real wie ein Blumentopf zum Beispiel. Den kann man fallen lassen. Und wenn das auf deiner Fensterbank passiert und er der Lady unter dir auf den Kopf fällt, den sie unvorsichtigerweise zu weit nach vorne gestreckt hat, dann sagt sie „Aua!“ wenn nicht Schlimmeres. Ob du an die Existenz deines Ich glaubst oder nicht, wird ihr dagegen nicht den leisesten Ton entlocken, selbst wenn du glaubst, eben dein Ich fallen gelassen zu haben.

Also mach’s dir gemütlich, vergiss deine ach so wichtigen Gedanken für einen Moment und damit auch die, die dich glauben machen wollen, dass du ein Ego hast oder auf dem schwierigen Weg zur Erleuchtung bist, und du wirst sehen, ohne Gedanken kein Ich und kein ICH BIN, sondern einfach nur ein sanftes Schaukeln in der Hängematte, bis auch die nicht mehr ist. Dann ist nur noch, was Osho einmal „Istigkeit“ nannte. Und wenn du dabei einschlafen solltest, wunderbar, alles kein Problem.

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14 Antworten zu Osho: „Ich bin“ ist nichts als das Ego

  1. fredo0 schreibt:

    ich erinnere Patrick Aigners Reaktion , reichlich verblüfft , nachdem er vom Berliner Kongress der „Erwachten“ zurückkam … „die sind ja alle noch im „ich bin“ hängengeblieben“ …
    er meinte die dort versammelten Satgesänger und spirituellen Lehrer …

    was geschieht denn wohl in diesem Atma Vichara … dieser „ichBin“ Erforschung ?
    da ist sicherlich ein BIN … etwas was Herr Osho wohl „istigkeit“ nannte .
    aber ist es noch immer nur (!) istigkeit , wenn es durch ein „ich“ erforscht wird ?
    was könnte dies „ich“ anderes erforschen als das „ich“ ?
    und was könnte anderes wie ein „maximal aufgeblasenes Ich“ Resultat dieser Erforschung sein ?

    Ramesh , ja ein großer Fan von Ramana , wurde einst gefragt :“ wie kann es sein, dass Ramana als ein Mann des Advaita, dass ja keinerlei Methoden oder Lehrer kennt, dieses Atma Vichara empfohlen hat ?“
    Er sagte darauf :“ Ramana lebte in jahrelangem Schweigen. Doch kamen jeden Tag viele viele Besucher, die ihn immer wieder fragten „was kann ich tun ? … was kann ich tun ?“ … er gab die Antwort in dem er schwieg … Jahr um Jahr … immer wieder „was kann ich tun ?“ und Schweigen … (die beste aller Antworten)
    Dann , ob aus Langeweile oder Genervtheit , antwortete er auf ein erneutes „was kann ich tun ?“ mit (der zweitbesten aller Antworten) . „wer will das denn wissen ?“ ……… und schwubs , da war sie , die so heiß ersehnte „Methode“ der Sucher “ ….
    und grinsend verließ Ramesh die Runde ….

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    • Nitya schreibt:

      “die sind ja alle noch im ‚ich bin‘ hängengeblieben” … Wer ist es, der darüber staunt? Der, der nicht im „ich bin“ hängen geblieben ist?

      Ramesh war ja wie Osho ausgesprochen wortfreudig und sie konnten deshalb nur Lügen verbreiten, so wie der angenervte (oder mitfühlende?) Ramana mit seiner Frage “wer will das denn wissen ?” die Tür zum Missverstehen weit aufgestoßen hat. Selbst Buddhas schweigend emporgehobenes Blümelein konnte locker die abwegigsten Deutungen hervorrufen. Schweigen ist natürlich die Königsform, die „Nicht-Wahrheit“ kund zu tun. Hat ja Osho auch mal ein paar Jahre durchgezogen. Aber wie das so ist, wenn man seine Schüler eine Weile nicht mit Worten versorgt, sie machen es wie die Mäuse, wenn die Katze mal außer Haus ist. Sie tanzen auf dem Tisch herum und machen einen Haufen Unsinn. Ich fürchte, es gibt keine Rettung, ob mit oder ohne Worte. Wenn’s klar ist, ist es klar, wenn nicht, dann halt nicht – wobei Letzteres auch kein Unglück ist.

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    • Ronny schreibt:

      „was könnte dies “ich” anderes erforschen als das “ich” ?“ ja so ist es wohl, mich fragte vor einigen monaten: „soll ich mich fragen, wer ich bin?“ die frage hatte doch einen einen sehr ich-haften geschmackt, so hab ich lieber nix gesagt.

      wo bei die frage wer bin ich? eine direkter hinweis für das bewusstsein selbst sein kann sich zu erfassen. und spaß machen kanns auch, wenn man nix davon will;-)))

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    • Ronny schreibt:

      „…reichlich verblüfft“ so wie von vielen das Ich Bin zum neuen Objekt erhoben wird – so scheint mir von dem hier genannten gesehn das aus DEM kein Objekt gemacht werden kann – weil DAS absolut nichts ist, und so das ego-ich gehuldigt wird ( in dem wissen das das ego-ich, illusion ist und es keinen hafen gibt)

      eine andere art erwachens oder advaita nest.

      mein eindruck, sich diesem ICH BIN wo kein hafen ist, dem kann man sich anvertrauen

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      • fredo0 schreibt:

        Ich war wohl 14 Jahre alt …
        Ich war nach Schulschluss auf dem Weg zur Busstation …
        Frühjahr gegen Ostern … Blauer Himmel …
        Ich schaute in diesen Himmel …
        Doch mein Blick konnte kein „Ende“ in diesem Himmel finden …
        So dass er weiter und weiter ging ….
        Das Universum ……
        Und ich „wusste“ plötzlich … all das ist DA , weil „ich BIN“ …

        (ein „Wissen“ dass nicht aus „erfolgreichem Denken resultierte ,
        sondern , damals erstmals so registriert , ein Geschenk war )

        Hmmm , mein Leben lang hab ich dieses „Gefühl“ nicht mehr verloren …
        diesen Zusammenhang … diese Gewissheit …
        und … ich habe Jahrzente darüber nachdenken können ,
        was es bedeuten könnte , dieses „ichBIN“ …
        jetzt bin ich des Denkens müde geworden …
        und genieße es nur noch , dieses „ichBIN“ …

        muss ich denn alles verstehen ? ….😉

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  2. Eno Silla schreibt:

    also
    ich bin
    und das ist gut so
    ego hin oder her
    so kann ich sowas genießen und staunen:

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    • Nitya schreibt:

      Lieber Eno,

      bist du etwa auch noch im ‘ich bin’ hängengeblieben? Für dieses Maschinchen willst du deine ewige Seligkeit opfern? Also so was!

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      • Eno Silla schreibt:

        Lieber Nitya,
        ob nun im „ich bin“ oder im „ich bin nicht“ oder in sonstwas hängenzubleiben ist doch sowas von egal… Die ganzen Klugscheißer können mich mal, mir reicht meine eigene Klugscheißerei! Aber dieses feine Maschinchen, das liess meinem Munde ein staunendes „Abgefahren“ entfleuchen. Und die Seligkeit, die Ewige? Die kann mich auch mal gernhaben, diese olle Karotte!

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      • Nitya schreibt:

        Einen hübschen Hintern hast du da anzubieten, lieber Eno! Allein den zu betrachten löst bei mir schon Seligkeit aus. Wenn ich mir den einrahme und immer vor mir hertrage, wird vielleicht sogar eine ewige Seligkeit daraus. Aber dein Maschinchen ist auch Oberklasse. Kann dich gut verstehen, dass du bei seinem Anblick sogar die ewige Seligkeit vergisst. Welche Seligkeit, die Seligkeit zu vergessen!

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      • Ronny schreibt:

        „dieses feine Maschinchen“ hat auch hier die ganze küche in staunen und freude versetzt. Danke

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  3. Hat dies auf L E B E N S R A D W E G rebloggt und kommentierte:
    ICH BIN – oder doch nicht?
    mit einem ähnlichen Gedanken bin ich heut früh aufgewacht und freue mich nun umso mehr, ihn hier von Osho zu lesen.
    Einen schönen Start in den Tag euch allen.

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