Huang-po: vorübergehende Hilfsmittel


HNervensäge: Wenn ich diesen Dharma erreichen würde, gliche er der Leere?
Huang-po: Tag und Nacht habe ich dir erklärt, dass die Leere beides ist: Einheit und Vielfalt. Ich habe dir dies als vorübergehendes Hilfsmittel gesagt, aber du machst Begriffe daraus.
Nervensäge: Meint Ihr damit, dass wir keine Begriffe bilden sollten, wie dies die Menschen gewöhnlich tun?
Huang-po: Ich habe es dir nicht verboten, aber Begriffe sind mit den Sinnen verbunden. Und wenn Gefühle eintreten, ist die Wahrheit ausgeschlossen.
Nervensäge: Dann sollten wir alle Gefühle in Bezug auf den Dharma vermeiden?
Huang-po: Wenn keine Gefühle entstehen, wer kann dann behaupten, du habest recht?
Nervensäge: Warum sprecht Ihr, als irrte ich mich in allen Fragen, die ich euch stelle?
Huangpo: Du bist ein Mensch, der nicht versteht, was man ihm sagt. Was soll das Gerede von Irrtümern?

aus: Huang-po, „Der Geist des Ch’an“
DVorübergehende Hilfsmittel – ihr erinnert euch: Fredo hat es sehr schön „Duftsignale“ genannt:

All diese Worte der „Wissenden“ scheinen mir nicht mehr zu sein als Duftsignale … Duftsignale für das in allen schlafende Eigentliche, sich doch selbst zu „schütteln“ … und in seiner schlichten KLARHEIT „erscheinend“ kurz zu verbleiben … sei es auch nur für einen einzigen, dann „geleerten“, MOMENT … beantwortet er dann doch alle Fragen … ohne eine Antwort, die noch nötig wäre … es hat sich alles beantwortet in diesem Abgeschüttelten …

Was aber, wenn sich das in allen schlafende Eigentliche partout nicht schütteln will ….. dann, dann will es sich halt nicht schütteln. Dann hilft auch kein Schütteln eines „Wissenden“. Das ist, wie wenn ein völlig genervter Vater sein Baby schüttelt, um es so zur Ruhe zu bringen. Ich weiß nicht, ob Huang-po auch so genervt war, jedenfalls schmettert er am Ende dieses fruchtlosen Frage-Antwort-Spiels nur noch ein „Du bist ein Mensch, der nicht versteht, was man ihm sagt.“ dem Dauerfragesteller vor die Füße. Keine pedagogical correctness, aber ein klares Wort zu rechten Zeit. Ist doch keine Schande, irgendetwas nicht zu verstehen oder zu können! Ich verstehe nichts von Atomphysik. Na und? Ich kann auch nicht Fußballspielen und konnte es auch noch nie. Na und? Ich habe ein absolutes Gehör? Na und? Kann ich pfeifen? Gewiss kann ich das. Na und?


Wenn im Windsbacher Knabenchor jemand dabei war, der die Töne nicht treffen konnte, dann ging der Chorleiter von einem zum anderen, um zu hören, wer den Ton nicht treffen konnte, und wenn er ihn gefunden hatte, dann sagte er ihm das. Und wenn der trotz Stimmbildung weiterhin den Ton nicht treffen konnte, dann machte es keinen Sinn, dass er weiterhin im Chor blieb, der so viel Wert auf seine Reinheit legte.

W

Mich in einer Fußballmannschaft zu lassen, hätte auch wenig Sinn gemacht. Also ich wäre sicher weder gekränkt noch verletzt gewesen, sondern sehr erleichtert, wenn ich nicht mehr hätte mitspielen „dürfen“. Oder bei der Musterung, da hätte ich nichts dagegen gehabt, wenn sie mich als untauglich qualifiziert hätten. So musste ich ihnen sagen, dass ich mit ihnen nicht spielen will. Ich glaub, sie waren tatsächlich ein bisschen gekränkt. Was ich sagen will, es ist einfach totaler Quatsch, beleidigt zu sein, wenn mir jemand sagt, dass ich etwas nicht verstehe oder nicht kann. Entweder stimmt es, was mir gesagt wird, dann müsste ich eigentlich froh und dankbar sein, dass mir das jemand zeigt und ich nicht weiterhin meine Energie an etwas verschwende, wofür ich einfach nicht vom lieben Gott gedacht bin, oder es stimmt nicht, dann kann mich der, der die Behauptung aufgestellt hat, mal am Abend besuchen.

Die Nervensäge fragt Huang-po, nachdem der sich wirklich lange mit ihm herumgequält hat: „Warum sprecht Ihr, als irrte ich mich in allen Fragen, die ich euch stelle?“ Und Huang-po beendet nun kurzerhand das Trauerspiel mit den Worten: „Du bist ein Mensch, der nicht versteht, was man ihm sagt. Was soll das Gerede von Irrtümern?“ Wenn ich einen Vogel damit nerve, ihn auszuquetschen, wie er das macht mit der Fliegerei, um endlich auch so fliegen zu können wie er, dann wäre die Unterhaltung mit dem Vogel wohl ähnlich abgelaufen, und am Schluss hätte der genervte Vogel gesagt: „Was willst du eigentlich? Du bist kein Vogel. Kapier das endlich!“ Daraus spricht im Grunde ein großes Mitgefühl. Wenn ich mit meinen Flugversuchen weitergemacht hätte, hätte ich vielleicht noch ernsthaft Schaden genommen.F

Es ist alles der Eine Geist, ob du fliegen kannst oder nicht.

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5 Antworten zu Huang-po: vorübergehende Hilfsmittel

  1. Elwood schreibt:

    Warte, bis du in dich selber blickst –
    Erkenne, was dort wächst.
    O Suchender.
    Ein Blatt in diesem Garten
    Bedeutet mehr als alle Blätter,
    Die im Paradies du findest!
    Rumi

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  2. Eno Silla schreibt:

    vollständig unvollständig
    treibt es mich
    durch mich selbst
    eine unendliche reise
    durch sein und nicht-sein
    nicht wissend
    so viel ahnend
    strebend vernichtend
    lachend überschwänglich
    strahlende finsternis
    dieses
    sein

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  3. Brigitte schreibt:

    “Vergiss Sicherheit.
    Lebe, wo du fürchtest zu leben.
    Zerstöre deinen Ruf.
    Sei berüchtigt.”
    ~ Rumi

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