Kader Abdolah: mit dem Koran ein Land regieren

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Kader Abdolah, eigentlich Hoseyn Sadschadi Qa’emmaqami, ist ein iranischer Schriftsteller, lebt im Exil in Holland:

Wenn ich den Koran lese, lese ich ihn als ein altes, schönes, poetisches Buch, das von der Vergangenheit erzählt und von der Religion. Der Koran ist mir genauso viel wert wie die Bibel, beide gehören sie zu den schönsten Büchern der Welt. Das ist jedenfalls meine Meinung. Aber wenn man dieses Buch dem heutigen iranischen Präsidenten [Mahmud Ahmadinedschad] in die Hand drückt, liest er es ganz anders. Er missbraucht es, um Gewalt zu rechtfertigen. Die iranischen Ayatollahs, die Imame, nehmen ein 1400 Jahre altes Buch zur Hand und lesen es als Gesetzbuch, mit dem sie nun Politik machen und das Land führen wollen. Und das geht ganz schrecklich schief! Wenn man mit dem Koran ein Land regieren will, wird es die Hölle! Dabei kommt das heraus, was man jetzt im Iran beobachten kann.

aus: Kader Abdolah, „Interview auf Quantara.de

Irans Präsident Hassan Rohanis gemäßigt-konservative Liste „Hoffnung“ scheint in den jüngsten Wahlen mit seinem vorsichtigen Reformkurs Boden gut gemacht zu haben. Nun bleibt abzuwarten, wie Ajatollah Sejjed Ali Chāmeneʾi, Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der iranischen Streitkräfte, die höchste geistliche und politische Instanz im Lande also, darauf reagieren wird. Die Hoffnung, dass es zu einer Trennung von Kirche und Staat kommen wird, kann man sich jedenfalls getrost abschminken. Das haben wir ja nicht einmal in der angeblich so demokratischen BRD geschafft.

MDr. Mostafa Azmayesh, Jurist, Islamwissenschaftler und Experte in Menschenrechtsfragen, ist einer der bekanntesten Exiliraner und Sprecher des Gonabadi Sufi Ordens außerhalb Irans. Er lebt im Exil in Frankreich:

Sufis sind eindeutig davon überzeugt, dass es notwendig ist, Religion von Politik zu trennen. Sufis halten nichts von einer Vermischung von Religion und Politik. Dadurch werden keine weltlichen Probleme gelöst werden und auch die Glaubwürdigkeit und der Ruf der Religion wird ausgelöscht werden. Dies trifft umso mehr zu, wenn die Autoritätspersonen in Religion und Politik sich auf Grund ihrer Position Vorteile verschaffen. Sie begehen ihre schrecklichen Taten im Namen des Islams und nehmen es sich heraus, schwerwiegende Strafen im Namen des Islams gegen die Kritiker ihres Vorgehens auszusprechen. Doch damit fügen sie dem Ruf des Islams bei den Menschen und in der Geschichte der Menschheit größten Schaden zu. Die Welt hält den Islam wirklich für eine Ideologie, die Gewalt propagiert und die Leute glauben, Islam stütze sich auf Terror. All dies entsteht durch solche üblen Verhaltensweisen. Und das ist der Grund warum die Sufis wie alle anderen wahrhaftigen schiitischen Muslime von der unbedingten Trennung von Politik und Religion überzeugt sind.

aus: Dr. Seyed Mostafa Azmayesh, „Interview auf Mehriran.de

„Wenn man mit dem Koran ein Land regieren will …“ oder mit der Bibel oder sonst einem angeblich heiligen Buch. Wie sagte Frau Merkel doch kürzlich: „Und wenn ich irgendwas vermisse, dann ist das nicht, dass ich irgendjemand vorwerfe, dass er sich zu seinem muslimischen Glauben bekennt, sondern dann haben wir doch auch den Mut zu sagen, dass wir Christen sind, haben wir doch den Mut, zu sagen, dass wir da in einen Dialog eintreten, haben wir dann aber auch bitteschön die Tradition, mal wieder in den Gottesdienst zu gehen oder ein bisschen bibelfest zu sein und vielleicht auch mal ein Bild in der Kirche noch erklären zu können …“ Was für eine Vereinnahmung! Ich bin kein Christ! Und die Merkel hat nicht den Schatten einer Ahnung, wofür dieses Christusbewusstsein stehen könnte. Spinnt die Alte jetzt vollkommen? Nein, die spinnt natürlich nicht. Sie macht Politik. Sie macht genau das, was überall auf der Welt mit dem, was einmal wirkliche Religion war, gemacht wird:

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Man bemächtigt sich einer „heiligen“ Sache, knallt sich deren Symbol auf die Fahnen oder Schilde und zieht mit ihnen in den Krieg. Das hat Flavius Valerius Constantinus (in diesem Zeichen wirst du siegen) gemacht, in dem er auf Heeresfahnen und Münzen das Christusmonogramm abbilden ließ. Später war es das Kreuzsymbol, das man mit Feuer und Schwert den besiegten Kelten und Germanen aufzwang und das heute noch unsere Kanzlerin als unsere Tradition verkauft. Der Adolf klaute sich die Swastika als Symbol, die Muslims haben ihre Mondsichel, keine Ahnung, wo sie die herhaben, das ist ja auch ein uraltes Symbol, die Juden haben ihren sog. Davidsstern oder ihren siebenarmigen Leuchter … Hatte eigentlich Lao Tse ein Symbol oder Jesus (vielleicht sein Kreuz?) oder Bodhidharma oder oder … es waren immer die Politiker, die sich so etwas ausgedacht hatten und das hatte alles mehr mit Magie zu tun als mit den Ursprüngen einer Religion. Es war immer dieses „In diesem Zeichen wirst du siegen.“ um das es den Herrschenden ging.

„Sufis sind eindeutig davon überzeugt, dass es notwendig ist, Religion von Politik zu trennen.“ sagt Dr. Mostafa Azmayesh und Kader Abdolah: „Wenn man mit dem Koran ein Land regieren will, wird es die Hölle!“ Ich kann den beiden nur vollkommen beipflichten. Früher sollen die Päpste ja manchmal noch ehrlicher gewesen sein. Hier zwei Stimmen, die uns unsere Blödheit so schön vor Augen halten: Papst Pius II. (1458-1464): „Uns und den Unsrigen ist das Märchen vom Jesus zum Segen geworden!“ oder Papst Leo X. (1513-1521): „Wieviel die Fabel von Christus Uns und den Unsern genützt hat, ist bekannt.“

Also, ihr lieben Politiker: Hört endlich mit euerm saudoofen „religiösen“ Geschwätz auf! Wirkliche Religion ist nur im eigenen Kämmerlein zu finden: „Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist.“
VUnd in Abänderung des bekannten Satzes von Egon Bahr sage ich: In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte und schon gar nicht um Religion. Es geht um die Interessen der herrschenden Egomanen.

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