Krishna: Weise und Unwissende und der Eine Geist

K

Im Wissen des Atman, welches für den Unwissenden dunkle Nacht bedeutet, ist der erkennende Geist völlig wach und gewahr. Die Unwissenden sind wach im Tageslicht ihres von den Sinnen gesteuerten Lebens, welches dem Weisen Dunkelheit bedeutet.

aus: Krishna, „Bhagavad Gita, II/69

In diesem Vers zeigt sich die gegensätzliche Sicht der Welt, so wie sie von einem identifizierten Individuum oder einem erwachten Weisen gesehen wird. Was immer mit den Sinnen wahrgenommen wird, erscheint dem unwissenden Individuum als real und wird als real behandelt -, und nur das, was durch die Sinne wahrgenommen wird, ist real. Im Gegensatz dazu ist für den Weisen alles, was erscheint, nicht real. Was immer erscheint, ist nur die wechselvolle Erscheinung der nicht wahrgenommenen Realität. Mit anderen Worten ist das ego-zentrierte, identifizierte Individuum völlig offen für die Welt der Wahrnehmung und völlig verschlossen für das Reale, den Atman, so wie dieser von einem Weisen erlebt wird.

aus: Ramesh S. Balsekar, „Die Bhagavad Gita“

BNachdem ich kürzlich bei dem Vers von Abhinavagupta so gar nichts zu meckern hatte, musste ich mir als ollem Meckerpott mal wieder was gönnen, wo ich so’n bisschen zum Rummeckern hatte. Ich bin kürzlich über das Video der „Islam Aufklärerin“ Brigitte Gabriel alias Hanan Tudor aus dem Libanon gestolpert (s. unten) und dachte mir, dass das gut zu meinem heutigen Beitrag passen würde. „Was immer mit den Sinnen wahrgenommen wird, erscheint dem unwissenden Individuum als real und wird als real behandelt -, und nur das, was durch die Sinne wahrgenommen wird, ist real.“ Nun, Brigitte Gabriel schildert uns mit eindringlichen Worten, was sie als Christin im Libanon mit den Muslims wahrgenommen hat. Man nennt sie inzwischen auch die amerikanische Geert Wilders, weil sie geradezu beschwörend vor den Gefahren des aggressiven Islam warnt. Europa ist in ihren Augen bereits an den Islam verloren. Erschienen ihr nun als einem unwissenden Individuum ihre grauenhaften Erfahrungen im Libanon nur als real oder waren sie es tatsächlich?

Ramana Maharshi sagt in seinen Vierzig Versen: „Wozu nützt die Diskussion, ob die Welt wirklich oder lediglich eine unwirkliche Erscheinung ist, ob ihr Bewusstsein eigen ist oder nicht, ob sie Glück oder Leid bedeutet? Der egolose Zustand, der diese dualistischen und nicht-dualistischen Überzeugungen überschreitet, in dem man die Welt lässt und sich selbst durch Ergründung erkennt, ist allen lieb und teuer.“ Krishna sagt: „Die Unwissenden sind wach im Tageslicht ihres von den Sinnen gesteuerten Lebens, welches dem Weisen Dunkelheit bedeutet.“ Die Unwissenden und die Weisen: Huang-po sagt: „Alle Buddhas und alle Lebewesen sind nichts als der Eine Geist, neben dem nichts anderes existiert.“ Die Unwissenden und die Weisen sind nichts als der Eine Geist, neben dem nichts anderes existiert. Was bringen diese dualistischen Unterscheidungen, die hier bei Krishna und Balsekar zu finden sind? Brigitte Gabriel und Geert Wilders oder Krishna und Ramesh sind nichts als der Eine Geist.

Kürzlich schrieb Ronny: „Wer erlebt das Sitzen hier? Wer erlebt den Körper, den Sessel, den Raum mit allem was da ist? Wer erlebt Stille, Erforschung und Samadhi?“ Ronny hatte Gott sei Dank kein Bedürfnis, diese Fragen zu beantworten. Aber ich frage jetzt: Ist nun der, der das erlebt, real und das, was er erlebt, nicht real? Oder ist genau diese Trennung die wahre Illusion, da nur der Eine Geist ist, neben dem nichts anderes existiert? Wenn da nur dieser Eine Geist ist, ist es völlig müßig, irgendwelche Fragen nach einem „Wer“ zu beantworten, ist es müßig, zwischen Unwissenden und Weisen zu unterscheiden. Auch Ronny wird vermutlich bei der Zubereitung seines Morgentees alle Dinge, die er dafür benötigt, für real nehmen. Dasselbe vermute ich auch bei Ramesh und Krishna. Auch sie werden sich nicht dafür schelten, wenn sie sich ihren real existierenden Hintern mit real existierendem Klopapier abputzen. Dann, so meine ich, sollten sie dies auch so sagen. Und wir sollten die Erfahrungen der Brigitte Gabriel ernst nehmen und sie nicht als illusionäre Vorstellungen einer Unwissenden abtun.

Dass da etwas ist, was ich im Moment die Unmittelbarkeit des Geistes nennen möchte, ist davon vollkommen unberührt. Dass das so ist, hat auch nichts mit meiner unglaublichen Weisheit zu tun, sondern ist die einfachste Selbstverständlichkeit, die es überhaupt gibt. Ich geniere mich richtig, das überhaupt zu erwähnen. Aber was wird da immer für ein Gedöns drum gemacht!

 

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Eine Antwort zu Krishna: Weise und Unwissende und der Eine Geist

  1. Elwood schreibt:

    Da ohne Verblendung kein Verblendeter vorhanden ist, der die Verblendung als solche beobachten könnte, ist für die Akzeptanz der Verblendung durch mich geglaubten Verblendeten die einzige Möglichkeit die Objekte der Verblendung in ihrer momentaren subjektiven Darstellung, ihres dualen Spiels,in meiner Verblendung der Verblendung zu würdigen.
    Das der Verblendung mitgelieferte Werkzeug – Ego – , das in der Verblendung, sich unverhältnismäßig weit seinen eigenen Verblendungen unterwirft, ist trotzalledem unverzichtbar um diese verblendete Form im Verblendungsspiel zusammenzuhalten.
    oder so ähnlich…
    ging es dem verblendeten Esel heut durch die verblendeten Sinne……
    hat eh keinen blassen Schimmer, wat er damit sagen will….
    iA! Willkommen im Club der Verblendeten…

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