Huang-po und Linji geben sich die Ehre


FAls Huang-po in die Küche kam, fragte er den Koch: „Was machst du?“ Der Koch antwortete: „Ich sortiere den Reis für die Mönche.“Huang-po fragte: „Wieviel essen sie an einem Tag?“ Der Koch antwortete: „Zweieinhalb koku
[≈ 180 Liter].“ Huang-po fragte: Ist das nicht zu viel?“ Der Koch erwiderte: „Ich fürchte, es ist nicht genug.“ Da schlug ihn Huang-po.

Der Koch berichtete dies dem Meister. Linji versprach: „Diesen Kerl werde ich mir vorknöpfen. Dann stellte er sich neben Huang-po.

Der erzählte ihm, was vorgefallen war. Linji sagte: „Der Koch hat es nicht verstanden. Ich bitte dich, Priester, sag mir ein Wendewort.“ Dann fragte Linji: „Ist es nicht zu viel?“ Huang-po erwiderte: „Man kann sagen: ‚Morgen werden wir wieder etwas essen.'“ Linji sagte: „Warum morgen? Iss jetzt!“ Danach ohrfeigte er Huang-po. Huang-po sagte: „Schon wieder kam dieser Verrückte her, um am Bart des Tigers zu ziehen.“ Linji tat einen lauten Schrei und ging davon.“

Später erkundigte sich Weishan bei Yangshan: „Was war die Absicht dieser beiden Ehrwürdigen?“ Yangshan sagte: „Was meinst du, Priester?“ Weishan erwiderte: „Nur wenn du ein Kind hast, kannst du die väterliche Güte verstehen.“ Yanshan sagte: „Nein.“ Weishan fragte: “ Was denkst du denn?“ Yangshan erwiderte: „Es ist wie einen Dieb mitzubringen und das eigene Haus plündern zu lassen.“

aus: Linji Yixuan, „Linji Yulu“
KDer arme Koch! Da versucht er eine einfache Frage seines Meisters möglichst realistisch zu beantworten und schon kriegt er Prügel für seine Antwort und hat keine Ahnung warum. Die ollen Ch’an-Heinis wurden anscheinend ziemlich schnell handgreiflich. Die Meister verprügelten die Schüler, die Schüler die Meister und die Meister unter sich sparten auch nicht mit Handgreiflichkeiten. Muss ein ziemlich wilder Haufen gewesen sein. Vorgestern hab ich mir im Bayerischen Fernsehen den Nockherberg angeguckt. War diesmal nicht einmal so übel. Ein bayerischer Wesenszug scheint ihre Freude am gegenseitigen Derblecken zu sein, rauflustig waren sie sowieso schon immer. Das konnte ganz freundschaftlich gemeint sein, aber je nach Anlass konnte auch Blut fließen. Die Prügeleien der Ch’an-Heinis waren ausgesprochen nett gemeint, behaupte ich mal frech, ohne den geringsten Beweis dafür vorlegen zu können.

Wenn ein Ch’an-Heini eine Frage stellt, hat sie gemeinerweise meist einen versteckten Hintersinn. Der Koch blieb mit seinem Verständnis an der Oberfläche. Der Hintersinn blieb seinem Verständnis verschlossen. Und so lief er zu Linji in der Hoffnung, dass der ihm erklären würde, wieso er für eine aufrichte Antwort Prügel gekriegt hatte. Linji sah, dass er mit dem armen Koch keinen Spaß haben würde und knöpfte sich den Huan-po vor. Huang-po war sein eigener Meister gewesen. Eine gute Gelegenheit zum Fingerhakeln. Linji wiederholte Huang-pos Frage an den Koch: „Ist es nicht zu viel?“ Huang-po erwiderte: „Man kann sagen: ‚Morgen werden wir wieder etwas essen.'“ Linji sagte: „Warum morgen? Iss jetzt!“ Danach ohrfeigte er Huang-po. Huang-po hatte eine blöde Antwort gegebenen. Eine Falle für Linji, die dieser durchschaute und daraufhin Huang-po auf den Pott setzte. Der war anscheinend sehr zufrieden mit seinem ehemaligen Schüler und nahm ihm die Ohrfeige kein bisschen übel.

Dann taucht noch dieser Weishan auf, ein Dharma-Bruder von Huang-po, und suchte sich auch ein Opfer. Yangshan versucht zu erklären, was da zwischen Huang-po und Linji stattgefunden hat: „Es ist wie einen Dieb mitzubringen und das eigene Haus plündern zu lassen.“ Hat Yangshan nun kapiert, worum es gegangen ist? Weishans Antwort wurde uns leider nicht überliefert. Wahrscheinlich wurde er von Weishan verprügelt. Geprügelt wurde auch bei „richtigen“ Antworten, nicht dass jemand noch auf die Idee gekommen wäre, dass es so etwas wie Ursache und Wirkung oder richtige Antworten gäbe. Hat Yangshan nun kapiert? Passt auf was ihr sagt!

W

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2 Antworten zu Huang-po und Linji geben sich die Ehre

  1. Eno Silla schreibt:

    Du sagst, die Träume gehn, die Stunden wandern,
    was ist das alles: er und ich und du?

    „Was sich erhebt, das will auch wieder enden,
    was sich erlebt – wer weiß denn das genau,
    die Kette schließt, man schweigt in diesen Wänden
    und dort die Weite, hoch und dunkelblau.“

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  2. Eno Silla schreibt:

    Hat Yangshan nun kapiert?
    Hat Yangshan nun nicht kapiert?
    Hat er kapiert und nicht kapiert?
    Hat er weder kapiert noch nicht kapiert?

    Aufpassen was ich sage?
    Dann müsste ich über den Unsinn ja noch nachdenken.
    Nein, viel zu anstrengend.

    Das Donnerwetter kommt sowieso und zwar
    aus
    heiterem Himmel!

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