Osho: ein fliegender Drache werden


O

Lass die Paradoxa zusammenfließen, sich vermischen und zur Einheit verschmelzen.

Das konfuzianische Denken beruht auf Trennen, Klassifizieren, Kategorisieren. Leben ist Leben und bedeutet Kampf. Tod ist Tod und bedeutet Ausruhen – klar definierte Kategorien. Laotse sagt, keine Unterschiede, keine klar definierten Kategorien gelten: Leben ist Tod, Tod ist Leben. Ein Mensch kann zutiefst leben und doch im Innersten absolut transzendental bleiben – weit weg, distanziert, absolut unbeteiligt. Du kannst einen Fluss durchschreiten, ohne dass deine Füße vom Wasser berührt werden. Du kannst sein wie eine Lotusblüte. Und das ist das wahre Leben. Du sprichst und sprichst dennoch nicht. Etwas in dir bleibt ganz weit weg. Du berührst die Erde, und dennoch bleibt etwas in dir hoch oben im Himmel.

Ein konfuzianisches Leben wird ein sehr gewöhnliches Leben sein – sehr logisch, mathematisch, alles fein säuberlich getrennt, aber sehr platt. Ein taoistisches Leben ist wirklich außergewöhnlich, äußerst reichhaltig, denn es enthält sowohl das Negative wie das Positive, das Yin wie das Yang, sowohl den Konflikt wie die Zusammenarbeit, die Liebe wie den Hass, das Leben wie den Tod. Vergiss nie, in dir eine Harmonie zwischen den Widersprüchen entstehen zu lassen, und du wirst den höchsten Gipfel erreichen. Wähle nicht die eine Seite, wähle beide zugleich. Habe Mut. Sei nicht kleinlich im Wählen. Wenn das Leben dir ein Paradoxon vorsetzt, nimm das ganze Paradoxon an; schluck’s ganz und unzerkaut runter, verdaue es vollständig, und du wirst ein fliegender Drache werden.

aus: Osho, „The Pathless Path“
D„Spüren Sie’s?“ …“Was soll ich denn spüren?“ … „…….“

Was soll man denn da sagen? Friss Vogel oder stirb! Klingt so brutal, aber es läuft genau darauf hinaus. Oder im Sinne von Shankara: „Wer es spürt, fürchtet sich fast schon wie Rilke vor des Menschen Wort. Wer es nicht spürt, will wenigstens Worte als Ersatz und hockt dann da mit seinem Wortsalat und meint am Ende vielleicht sogar, jetzt hätte er was.
G„Du sprichst und sprichst dennoch nicht. – Du berührst die Erde, und dennoch bleibt etwas in dir hoch oben im Himmel.“ Das ist nichts für einen Konfuzianer, sagt Osho. Der trennt, klassifiziert, kategorisiert und, füge ich hinzu, klebt am Wort, klebt am Wissen, klebt an seiner Logik – auch wenn er noch nie etwas von Konfuzius gehört haben sollte. Unser Schulsystem züchtet in aller Regel Konfuzianer und keine Taoisten. Tragsame Kamele würde Nietzsche sie nennen, Kamele, die bereit sind, ihr Leben lang die Lasten zu tragen, die die Gesellschaft ihnen aufbürdet, und die unentwegt dabei sind, sich und ihr Leben zu verbessern.

Taoisten haben kein Problem mit den Paradoxa. „Wenn das Leben dir ein Paradoxon vorsetzt, nimm das ganze Paradoxon an; schluck’s ganz und unzerkaut runter, verdaue es vollständig, und du wirst ein fliegender Drache werden.“ sagt er, der Osho. Und der Heraklit: „Gott ist Tag UND Nacht, …“ Das ist etwas, was sehr schwer auszuhalten ist, dass die Konfuzianer immer so parteiisch sind, immer so genau zu wissen glauben, wer oder was gut und böse ist. Nimm das ganze Paradoxon an – also ob das ein Konfuzianer könnte! Er kann es nur zerteilen und sich für eine Seite entscheiden. Ist jetzt ein Konfuzianer schlecht und ein Taoist gut? Hat jemand Lust, in diese Falle zu gehen? Heute hab ich einen hübschen Spruch gelesen: „God is not playing with ‚YOU‘. He is playing as ‚YOU‘!“ He is playing as Konfuzianer, he is playing as Taoist. Und nichts scheint ihm mehr Spaß zu machen als ein Paradoxon nach dem anderen.

Z

 

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6 Antworten zu Osho: ein fliegender Drache werden

  1. Eno Silla schreibt:

    wenn ich in den spiegel schaue
    ist da ein schreckenstaunen
    voller schönheit und häßlichkeit
    voller wärme und kälte
    voller liebe und schmerz
    voller angst und geborgenheit
    das glitzern des sonnenlichts
    in winzigkleinen wassertropfen
    an den zweigen
    der modrige geruch
    dieses tümpels im wald
    der lufthauch zart und warm
    und schneidende kälte
    so vollkommen in eins gespalten
    kann ich sein
    was ich bin

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  2. Eno Silla schreibt:

    nie wieder krieg
    ein frommer wunsch
    ich möchte ihn so gern verwirklicht sehen
    aber allein der gedanke an krieg
    bedeutet krieg
    und ich kann ihn nicht vermeiden
    ich denke krieg und da ist er
    wenn ich in die welt schaue
    nie wieder krieg
    wie krieg ich das hin

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    • Nitya schreibt:

      Auf die Gefahr hin durch ständige Wierholung zu langweilen:

      Borchert: „Sag NEIN!“

      Gandhi: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünscht für diese Welt!“

      Einen besseren Tipp hab ich auch nicht. Garantie für einen Erfolg: Keine.

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      • Eno Silla schreibt:

        ja, ich bin – die veränderung für diese welt, die ich mir wünsche.
        aber ich hab doch keine ahnung, wohin diese welt will.
        ich bin diese welt. ahnungslos was als nächstes kommt.

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