Jed McKenna: wir machen uns von dort aus auf den Weg


SAuf der Suche nach Wahrheit, Gott, Bedeutung, Überbewusstsein, Vereinigung mit Gott, Glückseligkeit, Erlösung oder welchem spirituellen Zipfel auch immer wir nachjagen mögen, ist das Selbst niemals selbst einer kritischen Überprüfung ausgesetzt. Wir gehen einfach davon aus, dass wir so wären, wie wir denken, dass wir sind, und dass die Realität so wäre, wie wir meinen, dass sie ist, und machen uns von dort aus auf den Weg. Wir akzeptieren diese Tatsache als feststehend und gewiss und bewegen uns von diesem Punkt aus weiter. Damit ist der grundlegende Fehler, aus dem sich alle übrigen ableiten, bereits begangen und dagegen gefeit, entdeckt und berichtigt zu werden. All unser Urteilsvermögen, unsere Unterscheidungsgabe und Intelligenz wird vom Selbst nach außen gerichtet, niemals nach innen gegen sich selbst. Oder, um es in den Begriffen der filmischen Nacherzählung von Platos Höhlengleichnis, des Filmes Matrix, auszudrücken: Welches Wachstum, welche Entwicklung ist möglich, wenn wir nie entdecken, dass wir in einem gläsernen Sarg liegen und die „Realität“ wie Kaufhausmusik in uns eingespeist wird?

aus: Jed McKenna, „Spirituelle Dissonanz“

AVon dort aus – von da, wo wir glauben, dass wir sind. Das scheint ein interessanter Ort zu sein. Vermutlich fragen deshalb Leute, die aus tiefer Ohnmacht erwachen immer zuerst: „Wo bin ich?“ Und was für eine Freude erfüllt sie, wenn sie den Ort, den sie finden, wiedererkennen können: „Oh wie schön, ich bin zu Hause!“ Und unser zuhausestes Zuhause ist natürlich unser Körper mitsamt den Gefühlen, Gedanken, Vorstellungen und Erinnerungen, die wir alle so lieb gewonnen haben und zu denen wir deshalb mit Fug und Recht „ich“ sagen können.

Nun stellt euch mal vor, ihr würdet aus eurer Ohnmacht erwachen und wäret in einem euch völlig fremden Körper. Na ja, das ginge ja noch, solange eure gewohnten Gefühle, Gedanken, Vorstellungen und Erinnerungen in eurem Kopf herumschwirren würden. Dann wäret ihr zwar sehr erstaunt, würdet jedoch alsbald anfangen diesen neuen Körper zu untersuchen und euch nach und nach mit ihm anfreunden. Aber wenn nicht nur der Körper ein anderer wäre, sondern auch die alten Gefühle, Gedanken, Vorstellungen und Erinnerungen einfach futsch wären? Das wär was, gell! Und dann käme irgend so ein Wesen und würde fragen: „Wer bist du?“ und du könntest nicht mal sagen „ich bin Brahman“, weil auch das futsch wäre. Aber vielleicht könntest du ganz erstaunt sagen – falls du überhaupt noch etwas sagen könntest – „ich hab keine Ahnung“. Was für ein gesegneter Augenblick! Ein Augenblick, in dem wir nicht in diesem gläsernen Sarg liegen, in dem die „Realität“ wie Kaufhausmusik in uns eingespeist wird. Das wäre fast, wie wenn du dem Ratschlag Seng-ts’ans gefolgt wärest, dich all deiner Überzeugungen zu enthalten. Auf die Idee, nach dem Wahren zu suchen, würdest du vermutlich so wenig kommen wie auf den Impuls, dein Selbst einer kritischen Überprüfung auszusetzen, weil es für dich – wie für ein Baby – nur unbenannte Wahrheit geben würde.

B

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Eine Antwort zu Jed McKenna: wir machen uns von dort aus auf den Weg

  1. Elwood schreibt:

    Mein besonderer Standpunkt:

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