Ramesh S. Balsekar: „Ich bin so-und-so“ ist falsch.


RDas Verstehen, dass das Bewusstsein (oder Gott)
für den Ablauf des Universums verantwortlich ist,
beinhaltet das Gute und Tugendhafte
als ein Geschenk, der grundsätzlichen Tatsache bewusst zu sein:

ICH BIN
„Ich bin“ ist die Realität. „Ich bin so-und-so“ ist falsch
und trägt in sich die Illusion einer persönlichen Täterschaft.

aus: Ramesh S. Balsekar, „Die Bhagavad Gita“

Also heute muss der arme Ramesh noch einmal dran glauben. Das ist halt das Kreuz, wenn jemand versucht, aus lauter Mitgefühl so etwas wie eine Lehre weiterzugeben. Fredo hat ja gestern sehr überzeugend dargestellt, dass Ramesh ein ganz einfacher und wundervoller Mensch war. Ich reiße hier gemeinerweise einfach ein paar Sätze von ihm aus dem Zusammenhang und es könnte so aussehen, als hielte ich Ramesh für einen Idioten. Dafür halte ich ihn ganz sicher nicht.

Also ich bin ein Kerl, wenn ich mich nicht irre. Und ein alter Sack. Und eine Enneagramm-Neun. Astrologisch ein Steinbock mit einem Zwillingsaszendenten. Vater bin ich auch. Und ein Blogger. Und laut Gentest ein Nachfahre irischer Kelten. Und und und … nein? Falsch? Ach ja, ICH BIN ja nur und nicht dies oder das oder so-und-so. ICH BIN … OM … gäähhhn …


Also ich halte es da eindeutig eher mit Heraklit und seinem „Gott ist Tag und Nacht, Winter und Sommer, Krieg und Frieden, Überfluss und Mangel.“ Die ganze Fülle des Lebens. Und um das, was ich laut Karl Renz nicht nicht sein kann – muss ich mich wirklich darum kümmern? Karl Renz: „Du warst DAS, bist es und wirst es immer sein, weil du DAS nicht nicht sein kannst. Das ist alles.“ Also genau das, was schon die ollen Ägypter sagten: „Ich war, bin und werde sein.“ Das, genau das, KANN-ICH-NICHT-NICHT-SEIN. Warum sollte ich also um das, was ich nicht nicht sein kann, so ein Gewese machen? Es ist doch die ganze Zeit allgegenwärtig. Nein? Spürst du es nicht? In jedem Augenblick? Und das, was nicht nicht sein kann, will sich ganz offensichtlich ununterbrochen begrenzen und kreiert eine unendliche Fülle von unterschiedlichsten Formen. Ein Blick in die Natur zu Lande, zu Wasser und in der Luft lässt uns immer wieder in geradezu ehrfürchtiges Staunen geraten. Und dann ist da diese unbändige Lust, sich zu identifizieren. Letzteres gerät ja immer wieder sehr in Misskredit. „Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein.“ mal so als Beispiel. Igittigitt, ein Nazi! Und Charles de Gaulle mit seinem „Europa der Vaterländer“ haben wir angeblich längst überwunden – sieht man ja heute, wenn es um die Verteilung derFlüchtlinge geht. Heute sind wir angeblich global und gendern fröhlich vor uns hin. Wir sind nämlich alle gleich und völlig identitätslos, also fast schon so, wie Ramesh das behauptet hat: „‚Ich bin so-und-so‘ ist falsch.“

Z
Dieses lineare Denken, das keine scheinbaren Widersprüche aushält, treibt mich bisweilen glatt in den Wahnsinn. Dabei hat es Buddha doch so schön auf die Formel gebracht: Form ist Leere, Leere ist Form. Um die Leere muss sich eigentlich niemand kümmern, da sie wie gesagt nie nicht ist. Aber um die Form müssen wir uns alle kümmern. Wir sind nämlich inkarniert, wenn ich mal daran erinnern darf. Wir sind Form geworden oder sehr spirituell ausgedrückt: Gott ist Mensch geworden und nicht nur Mensch. Gott ist auch Hund und Katz geworden und alles andere, was wir da täglich so bestaunen können. Auch Krieg und Frieden, wie Heraklit sagte, und verdammmt nochmal auch Mann und Frau mit all ihren Unterschiedlichkeiten. Und wenn Kinder Cowboys und Indianer spielen, dann ist das Gott, der spielt, und die Squaw an den Marterpfahl bindet. „Vive la différence!“ Ohne kollidierene Galaxien und explodierende SuperNovä kein Universum, schrieb gestern Fredo ganz bescheiden. Ohne Unterschiede, ohne Yin und Yang würde die ganze Welt verschwinden. OM … gäähhhn …

D

 

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8 Antworten zu Ramesh S. Balsekar: „Ich bin so-und-so“ ist falsch.

  1. Brigitte schreibt:

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  2. Eno Silla schreibt:

    TITANIC-Analyse: Wer wirklich schuld ist am Syrien-Chaos

    Alle – abgesehen von den USA (aus Sicht der USA)
    Alle – abgesehen von der EU (aus Sicht der EU)
    Alle – abgesehen von der Türkei (aus Sicht der Türken)
    Alle – abgesehen von Rußland (aus Sicht der Russen)
    Alle – abgesehen von Saudi-Arabien (aus Sicht der Saudis)
    Alle – abgesehen von Assad (aus Sicht von Assad)
    Alle – abgesehen vom IS (aus Sicht des IS)

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  3. Marianne schreibt:

    “Ich bin” ist die Realität. “Ich bin so-und-so” ist falsch
    und trägt in sich die Illusion einer persönlichen Täterschaft.

    Neulich musste ich mal wieder – im Rahmen eines Kongress-Workshops – das Enlightenment-intensive-Spiel spielen: Immer wieder Antworten auf die Frage „wer bist du“? geben.

    Für mich fühlt sich hier mittlerweile jede Antwort falsch an … Ich war echt froh, dass die Übung nur 10 Minuten (viel zu lang!) gedauert hat.
    Wenn ich sage „falsch anfühlen“, dann meine ich, dass der sprachliche Ausdruck („ich bin dieses oder jenes“) nicht mit meinem Erleben überein stimmt. Er symbolisiert das nicht richtig …

    Und … nicht jede Identifikation ist im Bewusstsein. Abgefragt werden kann nur, was mir auch bewusst ist.

    Handlungen, Tun (Täterschaft) entstehen aus Beweg-Gründen (Motivationen, Impulsen). Es sind immer unbewusste Beweggründe, die zu destruktiven Aktionen führen. Dahinter stecken subtile (nicht wahrgenommene) Anhaftungen (Identifikationen) …

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  4. Georg Hess schreibt:

    Ich bin ist ein Gefühl, das immer da ist. Ich bin dieses oder jenes wechselt ständig. Bist Du
    freudig, ist das Grundgefühl des Ich bin (anwesend) das gleiche wie in einer Zeit der
    Traurigkeit. Die Zustände wechseln, die Konstante bleibt. So einfach! Und was spricht
    gegen Einfachheit?
    Herzlich Georg

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  5. fredoo schreibt:

    ich nähere mich sprachlich mitlerweile ungern diesem „ich bin“ … das ohnehin zumindest „ichBIN“ formuliert werden müsste … und ich mag es weder gefühl noch grundgefühl nennen , da jedes gefühl einen ausgangspunkt hat …
    heute morgen kam meine liebste ( ja ich alter hagestolz versuch es noch mal ) aus dem bad zum frühstückstisch , und sagte (etwas blass um die nese) „ich habe eben im spiegel hinter meinem auge das ewige auge gesehen“ …
    nur so möchte ich es (zumindest zur zeit) formulieren … ein staunendes bewundern der ewigkeit … bemerkbar durch mich … und im bemerken dieses „mich“ verlierend …

    oder so ähnlich …😀

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