Agetsu Wydler Haduch: Nahrung für ein ganzes Leben

 

ADer höchste Weg ist nicht schwierig,
lass nur ab vom Wählen.
Ohne Hass und ohne Liebe
ist es klar und eindeutig.

Seng-ts’an im Hsing Hsing Ming

„Ohne Hass und ohne Liebe ist es klar und eindeutig.“ – Eigentlich könnte dieser eine Satz von Seng-ts’an genügen, um das ganze Zen und den ganzen Buddhismus zu erklären. Dieser eine kurze Vers könnte Nahrung sein für ein ganzes Leben. Seine Verwirklichung ist die Erleuchtung, über die so viel gesagt und geschrieben wurde, dass kaum eine Bibliothek groß genug ist, all die Bücher zu fassen. Liebe bedeutet Zustimmung, Hass bedeutet Ablehnung. Eine weder zustimmende noch ablehnende Haltung ist die Verwirklichung der Alleinheit.

aus: Agetsu Wydler Haduch, „Als Zen noch nicht Zen war“

B

Glaubt mir kein einziges Wort von dem was ich sage,
nur weil ich Buddha, eine Autorität für Euch bin.
Zweifelt es ruhig an, aber haltet es einfach für möglich,
probiert es dann aus und seht, erfahrt alles selbst!

Von Hippokrates stammt der dringende Hinweis: „Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel, und eure Heilmittel sollen eure Nahrungsmittel sein.“ Und Agetsu Wydler Haduch sagt: „Dieser eine kurze Vers (von Seng-ts’an) könnte Nahrung sein für ein ganzes Leben.“ Nahrung für ein ganzes Leben sollte man also sicher ganz besonders sorgfältig prüfen.

„Ohne Hass und ohne Liebe ist es klar und eindeutig.“ sagt Seng-ts’an und Agetsu Wydler Haduch fügt hinzu: „Liebe bedeutet Zustimmung, Hass bedeutet Ablehnung. Eine weder zustimmende noch ablehnende Haltung ist die Verwirklichung der Alleinheit.“

Also, ich folge Buddhas Rat und zweifle das Gesagte an. Hielte ich es nicht für möglich, würde ich mir vermutlich gar nicht die Mühe machen, es anzuzweifeln. Hmm, was fällt mir auf die Schnelle ein, was ich so gar nicht liebe, was ich in irgendeiner Form ablehne? Ich nehme mal die Zitterspinnen in meinem Keller. Ich kann sie einfach nicht ab. Von Liebe keine Spur. Ich verfolge sie, ich töte sie, wo ich sie nur finden kann. Ich werde mich jetzt nicht rechtfertigen oder irgendwelche mehr oder weniger guten Gründe für mein frevles Tun vortragen.S„Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.“ Von wegen! Ich brauch bloß dieses animierte gif anschauen und die Abscheu kriecht in mir hoch. Nein, ich bin nicht wie diese buddhistischen Mönche, die mit einem Handfeger vorsichtig den Weg vor sich abfegen, damit sie nicht versehentlich eine Ameise zertreten. Ich bin es einfach nicht. Was soll ich armes Luder machen? Ich kann nur sagen: Mein lieber Seng-ts’an, meine liebe Agetsu Wydler Haduch, ich bin von der Verwirklichung der Alleinheit noch meilenweit entfernt.

Hmm, bevor ich jetzt ganz in Sack und Asche gehe, zweifle ich das jetzt alles einmal an. Buddha sagte: „Liebe dich selbst und beobachte – heute, morgen, immer.“ Wenn ich anfange, in Sack und Asche zu gehen, wenn ich mich dafür verurteile, dass ich es nicht fertig bringe, diese Zitterspinnen zu lieben, dann … dann liebe ich mich ganz bestimmt nicht selbst. Wenn ich an die Steinmarder denke, die mich früher immer wieder heimgesucht haben, dann ging es für mich schon fast ums nackte Überleben: Die oder ich. Wenn ich nächtelang nicht mehr schlafen kann, geht mir das echt ans Eingemachte. Davon abgesehen haben sie die Isolierung auf dem Dachboden zerstört und darüber hinaus auch noch alles vollgeschissen. Sie oder ich. Also habe ich sie vertrieben. Sehr wenig liebevoll von mir. Aber ich bin nun mal nicht wie dieser buddhistischer Mönch mit seinem Handfeger. Und ich denke, dass hier etwas grundsätzlich missverstanden wird. Wenn ich anfange, meine Impulse zu unterdrücken, um irgendeinem hehren spirituellen Ideal zu genügen, dann höre ich auf, mich lieben zu können, mich annehmen zu können, wie ich bin. Es gibt ja Tierfreunde, die ihrer Katze oder ihrem Hund nur Vegetarisches zu fressen geben, damit sie sich nicht an anderen Lebewesen versündigen und schlechtes Karma ansammeln. Meine Fresse, das Karma dieser Tierfreunde möchte ich mir nicht aufhalsen!

„Der höchste Weg ist nicht schwierig, lass nur ab vom Wählen. Ohne Hass und ohne Liebe ist es klar und eindeutig.“ Ich stimme Seng-ts’an völlig zu und kann verstehen, wenn Agetsu Wydler Haduch sagt: „Dieser eine kurze Vers könnte Nahrung sein für ein ganzes Leben.“ Nach meinem Verständnis wählt dieser Organismus (!) ununterbrochen. Ihn daran hindern zu wollen, würde ich als geradezu kriminell bezeichnen und als die Wurzel aller menschlichen Perversionen. Die Sonne (das reine Bewusstsein) wählt nicht und scheint über „Gerechte und Ungerechte“, sie scheint über jeden Organismus in seiner ganz spezifischen Eigenart. Nicht nur nicht nötig, dem Organismus Wahllosigkeit aufzwingen zu wollen, sondern absolut lieblos und destruktiv. ZEs soll ja so liebe Menschen geben, die sich lieber einer Infektion mit Borrelien aussetzen, als so ein armes Zeckentier beim Fressen zu stören oder es gar abzumerksen.

 

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