Ramesh Balsekar: „Ich bin“ ist die Realität.


RVertrauen auf Gott – das Bewusstsein als die höchste Realität im Ablauf des Universums zu akzeptieren – macht das Leben für den Menschen des Verstehens einfach und problemlos. Ohne ein persönliches Gefühl von Täterschaft beteiligt sich der Mensch des Verstehens nicht an einer selbstbewussten und vorsätzlichen Handlung „seine Pflicht zu erfüllen“, die darauf ausgerichtet ist, ihn glücklich zu machen. Er ist ganz im Gegenteil zu der Überzeugung gekommen, dass das gesamte Konzept von Glück und Unglück auf einer Welt von Objekten basiert und somit recht illusionär und vergänglich ist.

Das Verstehen, dass das Bewusstsein (oder Gott) für den Ablauf des Universums verantwortlich ist, beinhaltet das Gute und Tugendhafte als ein Geschenk der grundsätzlichen Tatsache bewusst zu sein – ICH BIN. „Ich bin“ ist die Realität. „Ich bin so-und-so“ ist falsch und trägt in sich die Illusion einer persönlichen Täterschaft.

aus: Ramesh Balsekar, „Die Bhagavad Gita“

BAlles klar – oder? Wie bei Tony Parsons, da ist auch alles so schön klar. Sollte das einem nicht ein bisschen verdächtig sein? Da gibt es den Menschen des Verstehens, was ja impliziert dass es auch Menschen des Nicht-Verstehens geben muss. Da heißt es „Ich bin“ sei die Realität also richtig und „Ich bin so-und-so“ sei falsch. Wie offenbarte Marianne uns kürzlich so freimütig:

Ich bin ein Depp …
Ich bin kein Depp …
Ich bin sowohl ein Depp als auch kein Depp …
Ich bin weder ein Depp noch kein Depp…

Z

Kein richtig, kein falsch, kein definierter Mensch weit und breit, sondern einfach nur ein sowohl-als-auch bzw. ein weder-noch. Offene Weite …

„Das Bewusstsein als die höchste Realität im Ablauf des Universums zu akzeptieren …“ Da hätte er statt „akzeptieren“ auch gleich „glauben“ schreiben können. Und ob dieser Glaube „das Leben für den Menschen des Verstehens einfach und problemlos macht“, ist ja erst mal ein Versprechen, wie die 72 Jungfrauen im Paradies für die muslimischen Männer. Wer das nur aufgrund seines Glaubens akzeptiert, wird vermutlich böse Überraschungen erleben.

„Ohne ein Gefühl von persönlicher Täterschaft beteiligt sich der Mensch des Verstehens nicht an einer selbstbewussten und vorsätzlichen Handlung „seine Pflicht zu erfüllen“, die darauf ausgerichtet ist, ihn glücklich zu machen.“ Also wenn ich saumäßige Zahnschmerzen habe, werde ich vermutlich selbstbewusst und vorsätzlich zum Zahnarzt gehen in der Hoffnung, dass er mich glücklich machen wird. Ramesh fährt fort: „Er ist ganz im Gegenteil zu der Überzeugung gekommen, dass das gesamte Konzept von Glück und Unglück auf einer Welt von Objekten basiert und somit recht illusionär und vergänglich ist.“ Also was nützt mir der Glaube, dass mein schmerzender Zahn (ein Objekt) recht illusionär und vergänglich ist, wenn ich JETZT! an die illusionäre und vergängliche Decke gehen könnte?

„‚Ich bin“ ist die Realität. ‚Ich bin so-und-so‘ ist falsch und trägt in sich das Gefühl einer persönlichen Täterschaft.“ Ich bin ein Mensch des Verstehens ist also falsch. Kann also gar nicht sein, da ICH einfach nur BIN und kein so-und-so bin. Also irgendwie kann ich da mit dem, was Karl Renz kürzlich zum Besten gab, entschieden mehr anfangen:

Du wirst nicht durch irgendwelches Verstehen zu DEM, nicht indem du wählst und nicht durch irgendeine Erfahrung. Du warst DAS, bist es und wirst es immer sein. Weil du DAS nicht nicht sein kannst. Das ist alles. Also sei ES! Dieses „Also sei es!“

Das ist natürlich wieder überflüssig wie ein Kropf. Wenn ich DAS nicht nicht sein kann, ist „es sein zu wollen“ natürlich Quatsch.

Aber nochmal zurück zur fehlenden Täterschaft, auf der Buddha ja schon so gern herumgeritten ist. Ganz im Sinne Mariannes sag ich jetzt also:

Ich bin ein Täter …
Ich bin kein Täter …
Ich bin sowohl ein Täter als auch kein Täter …
Ich bin weder ein Täter noch kein Täterätäter…

Z

 

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5 Antworten zu Ramesh Balsekar: „Ich bin“ ist die Realität.

  1. Pingback: Leben: Strengt euch an, damit’s richtig anstregend wird | indogermanisch.com

  2. Lieber Nitya,

    wie wahr, wie wahr. Deine Beobachtungen über Balsekar sprechen mir so ganz aus der Seele (was immer das ist🙂 ). Es herrscht so viel Begriffs-Überflutung im Advaitaland, daß es mir persönlich schon lange zu viel ist.

    Ich habe deinen Artikel zum Anlaß genommen und drüben bei mir aufm Blog noch ein bißchen weiterschwadroniert🙂

    Liebe Grüße
    Norbert

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  3. Marianne schreibt:

    Ganz im Sinne Mariannes sag ich jetzt also:

    Ich bin ein Täter …
    Ich bin kein Täter …
    Ich bin sowohl ein Täter als auch kein Täter …
    Ich bin weder ein Täter noch kein Täterätäter…

    Das ist natürlich voll in meinem Sinne, gar nicht in meinem Sinne, sowohl als auch …weder noch …😉

    „Täterätäter“ finde ich eine super-gelungene Wortneuschöpfung … Mögen alle „Täter“ dieser Welt in Zukunft lieber die Trompete blasen, statt Kriege zu führen …

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  4. Eno Silla schreibt:

    „Warum sich heute schon umbringen, wenn es im nächsten Jahr noch bessere Gründe gibt.“
    Pelzig

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