Osho: die ganze Botschaft von Tao

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Konfuzius sagt: Dieser Mann [Lin-Lei] weiß zwar ein bisschen, aber längst nicht alles.

Mehr fällt ihm dazu nicht ein … Dabei hat dieser alte Mann etwas zutiefst Philosophisches ausgesprochen. Und damit hat er die ganze Botschaft von Tao auf den Punkt gebracht: Sei anarchisch, aber bleibe authentisch, deinem eigenen Wesen treu. Hör‘ auf dich selber. Erlaube niemandem, dich zu disziplinieren. Erlaube niemandem dich zu versklaven, erlaube niemandem, dich zu prägen. Meide den Priester und den Politiker – meide sie, meide die Wohltäter. Denk dran, dass du einfach nur du selber zu sein hast und sonst niemand: diese Anarchie, diese chaotische Freiheit … Und sei nicht ehrgeizig, denn das ist einfach nur Durchschnitt. Leb du nur dein eigenes Leben so rückhaltlos wie möglich. Wolle auf den Seiten der Geschichtsbücher nicht Eindruck schinden – das ist sinnlos. Und beschäftige dich nicht immer nur mit anderen. Lerne nach und nach allein zu sein, genieße dein Alleinsein – um nichts anderes geht es beim Meditieren.

aus: Osho, „The Pathless Path“

Lin-Lei, wer ist Lin-Lei? Ich habe keine Ahnung, wer dieser alte Mann zu Zeiten von Konfuzius war. Das kommt halt davon, wenn man auf den Seiten der Geschichtsbücher keinen Eindruck schinden wollte. Keine Sau weiß von einem. Ein Wunder, dass man überhaupt je von ihm gehört hat und sich sogar heute noch an ihn erinnert: Lin-Lei, der ohne jeden Grund immerzu glücklich war. Ein wahrer Weiser. Hätte ihn dieser Konfuzius-Schüler nicht ausgequetscht und nach der Ursache seines Glücks gefragt, wüssten wir heute nicht einmal von seiner Existenz.

„Meide die Priester, die Politiker und die Wohltäter!“ meinte er. Das ist eine interessante Liste. Er hätte auch nur die Politiker erwähnen brauchen, denn letztlich geht es nur um sie. Priester, angebliche Wohltäter, Pädagogen, Krämerseelen, … alle die den Menschen in ihrem Sinn verändern wollen – mit Zuckerbrot und Peitsche, Lug und Trug, falschen Versprechungen und Hoffnungen und notfalls eben mit Gewalt, Folter, Krieg, Gesetzen, Strafen, Gefängnis, Hinrichtungen, … ihr Waffenarsenal ist absolut endlos – sie alle sind letztlich nur Politiker, sie sind das Krebsgeschwür der Erde. Aber was helfen diese Feststellungen? Sollten wir nicht alle aufstehen und diese Ausgeburt der Hölle zum Teufel jagen?

Lin-lei hat da ein anderes Rezept: „Sei anarchisch, aber bleibe authentisch, deinem eigenen Wesen treu. Hör‘ auf dich selber. Erlaube niemandem, dich zu disziplinieren. Erlaube niemandem dich zu versklaven, erlaube niemandem, dich zu prägen.“ Wenn du gegen die, die dich versklaven wollen, kämpfst, wirst du wie sie und sie haben schon gewonnen. Wenn du aber einfach keine Lust hast, dich versklaven zu lassen, dann sag das und verhalte dich danach. „Denk dran, dass du einfach nur du selber zu sein hast und sonst niemand: diese Anarchie, diese chaotische Freiheit … Und sei nicht ehrgeizig, denn das ist einfach nur Durchschnitt. Leb du nur dein eigenes Leben so rückhaltlos wie möglich.“ Wie soll das gehen, ohne dass du dich einfach all dem verweigerst, was dir nicht entspricht.

noNicht mit einer abgesägten Schrotflinte in der Hand (wo hab ich die bloß wieder her?), sondern indem du einfach „Nein!“ sagst, wie dir dies Wolfgang Borchert  so eindringlich ans Herz gelegt hat oder wie es uns der SF-Autor Eric Frank Russell in seinem Roman „Die große Explosion“ mit seinem MYOB (MIND YOUR OWN BUSINESS!) so amüsant beschrieben hat.  Dass das nicht immer ganz einfach ist, steht außer Frage. Das wusste schon Kurt Tucholsky, als er 1921 in der Weltbühne schrieb: „Denn nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein.“ Zu seiner Zeit – klingt ziemlich großartig. Es geht ja schon im Kleinen los, z.B. am Stammtisch, wenn jemand nicht derselben Meinung ist wie die anderen oder im Gespräch mit der Nachbarin. Vielleicht reicht ja schon der dem letzten Sachsenkönig Friedrich August III. zugeschriebene Satz: „Nu da machd doch eiern Drägg alleene.“

Zu guter Letzt hat Lin-Lei noch diese Empfehlung für uns: „Und beschäftige dich nicht immer nur mit anderen. Lerne nach und nach allein zu sein, genieße dein Alleinsein – um nichts anderes geht es beim Meditieren.“

Meditation

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Eine Antwort zu Osho: die ganze Botschaft von Tao

  1. Eno Silla schreibt:

    Die Ausbeute dieses Tages:

    „Ich habe Schwielen an den Händen vom Loslassen.“

    „Das Ziel ist im Weg.“

    und dieser:

    Erleuchtung pur diese Wortgebilde!🙂

    Gefällt mir

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