Osho: vom Nutzen der Nutzlosigkeit

BSei ein Niemand, damit keiner auch nur auf den Gedanken kommt, dich zu irgendetwas brauchen zu können. Es gibt eine Nutzlosigkeit, die von größtem Nutzen ist. Laotse nennt ihn „den Nutzen der Nutzlosigkeit“. Aber auf jeden Fall stellt er keinerlei Wert dar – zumindest keinen Marktwert.

Gewöhnlich will man einen gewissen Wert gewinnen – ein Arzt werden oder ein Ingenieur, ein Dichter, ein Mahatma, kurz, jemand, der wertvoll ist, der der Welt unentbehrlich ist. Du hörst es sehr gern, wenn die Leute kommen und sagen: „Wenn du nicht mehr da sein wirst, werden wir dich niemals ersetzen können.“ Das freut dich zwar sehr, aber was sagen sie im Grunde damit? Sie sagen damit: „Du bist eine Sache, die wir gut gebrauchen können.“ Je unentbehrlicher du wirst, desto mehr wirst du zur bloßen Sache gemacht, und desto mehr verlierst du deine Freiheit. Wenn du sterben kannst, als hieße es nichts, wenn du völlig spurlos von der Welt verschwinden kannst, dann …

aus: Osho, „The Pathless Path“

Da oben steht ein Jemand, der Eiserne Kanzler, 14,8 m groß mit einem 8 m langen Schwert. Sehr beeindruckend. So ungefähr das Gegenteil von dem, was Laotse empfiehlt. Bismarck wollte einen Nutzen haben, wollte gebraucht werden, wollte seine politischen Vorstellungen mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln umsetzen und hatte nicht die geringste Absicht, auf Laotses Spuren zu wandeln, falls er je etwas von ihm gehört haben sollte. Er hätte bestimmt einen prima Guru abgegeben!

Also, ich hab mir ja eisern geschworen, hier keine Ratschläge abzusondern oder irgendwelche Belehrungen vom Stapel zu lassen. Aber ich bin ja nicht der Eiserne Nitya, also verzeiht mir, wenn ich bisweilen meine heiligen Schwüre vergesse und doch den großen Zampano spiele, der so tut, als ob er irgendwas wüsste.

Osho erzählt: „Es gibt eine Nutzlosigkeit, die von größtem Nutzen ist. Laotse nennt ihn ‚den Nutzen der Nutzlosigkeit‘.“ Worin besteht dieser Nutzen der Nutzlosigkeit? Ihr kennt wahrscheinlich die Geschichte von Laotse und den Holzfällern. Ich bring sie trotzdem und entschuldige mich gleich für die Ratschläge, die darin enthalten zu sein scheinen.

LLaotse war mit seinen Jüngern unterwegs, und sie kamen zu einem Wald, wo Hunderte von Holzfällern die Bäume fällten. Fast der ganze Wald war schon gefällt mit Ausnahme eines riesigen Baumes, der Tausende von Ästen hatte. Der Baum war so groß, dass zehntausend Menschen in seinem Schatten sitzen konnten. Laotse bat seine Jünger nachzufragen, weshalb nicht auch dieser Baum gefällt worden sei. Sie gingen und fragten die Holzfäller, und die sagten: „Dieser Baum ist absolut untauglich. Man kann nichts mit ihm anfangen, weil jeder Ast so viele Knoten hat – nichts an ihm ist gerade. Als Feuerholz ist er nicht zu gebrauchen, denn sein Rauch ist gefährlich, für die Augen. Dieser Baum ist absolut untauglich, und darum haben wir ihn nicht gefällt.“ Die Jünger kamen zurück und sagten es Laotse. Er lachte und sagte: „Seid wie dieser Baum. Wenn ihr nützlich seid, werdet ihr abgesägt und zu Möbelstücken im Hause eines anderen gemacht. Wenn ihr schön seid, wird man euch auf dem Marktplatz verkaufen, werdet ihr zur Ware gemacht. Seid wie dieser Baum, absolut unbrauchbar … dann werdet ihr in die Höhe und Breite wachsen, und Tausende werden unter euch Schatten finden.“ Laotse hat eine Logik, die völlig anders ist als eure. Er sagt: Sei der Letzte. Geh durch die Welt, als wärest du gar nichts. Sei nicht ehrgeizig, versuche nicht, deinen Wert zu beweisen – das ist nicht nötig. Tauge nichts und freu dich.

SWenn ich schon mit Bismarck angefangen habe, dann kann ich auch ganz politisch aufhören. Das ganze Internet ist voll mit Aufrufen, wütend zu sein, auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren und dergleichen mehr. Wer es tut, gehört dann ganz schnell zu den Nazis oder zum Pack und darf sich mit der Antifa oder den braven Bürgern herumschlagen. Was Laotse wohl dazu gesagt hätte? Vielleicht hätte er ja das empfohlen, was euch gleich der UruGuru empfehlen wird. Eine waschechte Enneagramm-Neun übrigens, wenn ich das richtig sehe, so wie wahrscheinlich auch der Herr Laotse. Die Empfehlung hat natürlich einen kleinen Haken: Ihr Nutzen hängt davon ab, dass ein gewisser Prozentsatz der Bevölkerung zur gleichen Zeit dasselbe tut. Aber wie war das gleich mit diesem „Sometime they’ll give a war and nobody will come.“ von Carl Sandburg?

 

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5 Antworten zu Osho: vom Nutzen der Nutzlosigkeit

  1. doro schreibt:

    Also ich bin mir nicht so sicher, ob Nutzlosigkeit vor dem „Verheizen“ retten kann. Schaut man sich einmal an, wie mit Menschen umgegangen wird, die nicht zum Staatswohl beitragen (Kürzungen der Sozialleistungen, Aberkennung von Leistungen, wenn man nicht bereit ist, gewisse Arbeit anzunehmen). Ein anderes Beispiel ist die große Frage der Sterbehilfe, bei der die Befürchtung auftauchen kann, dass sich die „alte, nutzlose“ Oma bzw. Opa moralisch dazu verpflichtet fühlen wird oder von Verwandten und Gesellschaft bedrängt werden wird, vorzeitig freiwillig den Löffel abzugeben.
    Andererseits kann die Rolle, die man spielt, leicht zum erdrückenden Korsett werden. Ich hörte einmal von einer Frau, die immer nur etwa drei Jahre in einem Job und Ort blieb und arbeitete. Danach reiste sie, zog um und nahm eine andere Arbeitsstelle. Mir erscheint das ebenso wenig eine Lösung.
    Eine gewisse Unberechenbarkeit und grundsätzlich einfach Lebendigkeit hilft wohl am meisten vor dem Benutzt-Werden-Gefühl. 

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  2. fredo0 schreibt:

    liebe doro … bei diesem hinweis zur „nutzlosigkeit“ geht es m.m.n. weniger um ein gefühl des benutzt-werdens , sondern eher um einen automatismus in unser aller wahrnehmung bzw. dessen ver-er-innerung .
    ( benutzt werden könnte ja nur etwas tatsächlich vorhandenes )
    und genau diese nutzlosigkeit einer be-sonderung ist ja im hinweis gemeint ( wie ich vermute ) ..

    dazu ein gedicht von robert gernhard :

    „Ach Gott , was bin ich denn schon groß ?
    Ich bin ein Schwein auf einem Floss .
    Auf einem Floß im Strom der Zeit.
    Ein Sinnbild der Vergänglichkeit.
    Ein Punkt im Raum. Ein Nichts im Sein.
    War da je Strom, je Floß , je Schwein ?“

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  3. doro schreibt:

    Sei ein Niemand, damit keiner auch nur auf den Gedanken kommt, dich zu irgendetwas brauchen zu können.

    Lieber Fredoo!
    Ich bezog mich auf diese Aussage, die ich rein dualistisch empfand. Non-dual stimme ich Dir zu so, wie Du es sagst.

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  4. Susanne schreibt:

    Ich habe einen Partner und Kinder.
    Ich gehe Arbeiten und trage damit zum Lebensunterhalt bei.
    Wie sollte ich also nutzlos sein können ?

    Andere halten mich für nützlich. Ich kann das niemanden verwehren.
    Ich kann mich selber für nutzlos halten, Würde mich das der „Wahrheit“ tatsächlich näher bringen ?

    sanne

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