Karl Renz: was weder Erstes noch Zweites noch das Selbst kennt


S

Das Selbst ist weder Mann noch Frau,
noch ist es androgyn:
Es ist weder Intellekt noch Vorstellung.
Wie kannst du dann glauben,
dass das Selbst glückselig oder freudlos ist?

aus: Dattatreya, Avadhuta Gita, 1.47

Benenne es überhaupt nicht. Vergiss Brahman, Unterwäsche, und alles andere einfach. Du kannst es nennen, wie du willst – Plastikwäscheteilchen. Jedes Wort ist gut genug oder nicht gut genug. Ich nenne es den absoluten Bullen! Wenn der Bulle sich kennt, wird er zum Ochsen ohne Eier.

Als das Leben ist er omnipotent. Doch im Traum der Verwirklichung ist er total impotent. Der Schöpfer ist schon Teil der Schöpfung oder des Traums. Ohne etwas Zweites gibt es auch nichts Erstes, was Macht oder Kontrolle hat. Also sei das, was weder Erstes noch Zweites und noch nicht einmal das Selbst kennt.

aus: Karl Renz, „Heaven And Hell“

Parabrahman leidet unter Wahnvorstellungen und glaubt Brahman zu sein und – hört im selben Moment auf, Parabrahman zu sein. Worte, Worte, Worte. Benenne es überhaupt nicht, sagt Karl Renz und benennt es dann doch. Er bringt den Vergleich mit dem Bullen und dem Ochsen. Parabrahman ist der omnipotente Bulle, der keine Ahnung hat, dass er der omnipotente Bulle ist. Hätte er diese Ahnung und würde anfangen, sich für den omnipotenten Bullen zu halten, der er ist, ohne zu wissen, dass er es ist, verlöre er augenblicklich seine Eier, seine Omnipotenz, und mutierte zum Ochsen, der träumt, ein wilder, omnipotenter Bulle zu sein. Dann stellt er fest, dass er gar nicht dieser omnipotente Bulle ist und versucht mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, dieser omnipotente Bulle zu werden. Alles klar?

Liä Dsï: „Sei am besten still.“
Niútóu Fǎróng: „Still sein, still sein, das ist die hellste Klarheit.“

Wozu auch Worte drechseln und Vorstellungen gleich Seifenblasen in die Luft pusten, wenn ich mich bei dem ganzen Getue einfach nur zum Affen machen kann?

 A

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6 Antworten zu Karl Renz: was weder Erstes noch Zweites noch das Selbst kennt

  1. Brigitte schreibt:

    Guten Morgen, lieber Nitya,
    ich denke, es ist nicht verkehrt drüber zu sprechen. Worte können es weder treffen noch verfehlen. So kommt das ganze aus der Besonderheit und kann vielleicht als dem Leben und dem Menschsein innewohnendes Potential und Prozess betrachtet werden. Und was den Affen betrifft;) klar passiert dauernd und gehört auch zum Menschen dazu. Es soll auch welche geben, denen bleibt das erspart, ich hab noch keinen getroffen. Du? Ich hoffe, deine Erkältung hat sich mittlerweile verabschiedet und du fühlst dich wieder sauwohl🙂

    Ich finde die Ansätze u. unterschiedlichen Blickwinkel von Christian Meyer ganz interessant. Hab das Video gestern entdeckt und stells mal hier rein, wenn es dir recht ist.

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    • Nitya schreibt:

      Liebe Brigitte,

      der Sau geht’s wieder wohl. Danke der Nachfrage!

      Was das Reden bzw. das Stillsein betrifft, so bezieht es sich ja auf das, worum es heute dem Dattatreya bzw. dem Karl geht: Parabrahman. Es ist ja auch keine Aufforderung, die Klappe zu halten, sondern eher ein Hinweis darauf, was geschieht, wenn jemand glaubt, irgendetwas darüber zu wissen oder gar aussagen zu können.

      Was den Christian Meyer betrifft: Klar ist es mir recht, wenn du den reinstellst. Dann hab ich wenigstens wieder was, worüber ich mich aufregen kann. Sowas regt den Stoffwechsel ungemein an.😉

      Also ich habe es da immer mit dem Sufi-Mystiker Hassan gehalten:

      „Als der große Sufi-Mystiker Hassan im Sterben lag, fragte ihn jemand: ‚Hassan, wer war dein Meister?‘ Er antwortete: ‚Ich hatte Tausende von Meistern. Wenn ich auch nur ihre Namen nennen wollte, würde es Monate dauern, und dazu bleibt nun keine Zeit mehr.'“ Die ganze Geschichte von Osho erzählt ist u.a. hier zu finden: http://www.rainbow-spirit.de/SEITEN/Meister.html

      Wenn ich dem Christian Meyer zuhöre, krieg ich echt Zustände. Ich hab’s halt so gar nicht mit den Poonjaji-Schülern. Spirituelle Lehrer sind mir ein Gräuel. Wenn ich das schon lese: „Lehre, sieben Schritte, …“ Ach Bodhidharma! Offene Weite, nichts von heilig! Also, um gegen den Christian Meyer anzustinken, fällt mir nichts Besseres ein als das hier:

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  2. Brigitte schreibt:

    „Was das Reden bzw. das Stillsein betrifft, so bezieht es sich ja auf das, worum es heute dem Dattatreya bzw. dem Karl geht: Parabrahman […]“ klaro… gibt’s nix zu meckern …

    „Dann hab ich wenigstens wieder was, worüber ich mich aufregen kann. Sowas regt den Stoffwechsel ungemein an.“ na siehste🙂

    „Wenn ich dem Christian Meyer zuhöre, krieg ich echt Zustände.“ *lach* weißte, ich krieg auch echt Zustände, wenn ich meinem Gequassel so zuhöre

    „Wenn ich das schon lese: “Lehre, sieben Schritte, …” könnt man wegrennen, gell … sowas überhör ich einfach😉

    Zu meinen „Favoriten“ gehören sie auch nicht. Trotzdem ganz interessant, und vielleicht für andere im Moment der „richtige Wegweiser“ zum Eigentlichen… wer weiß, alles ist möglich.

    Dankesehr für den Hassan und den Link *freu*

    Hab grad vorhin nach Johannes Trauler gegoogelt und fand dieses Gedicht. Hat mir echt ne Gänsehaut beschert.

    Es kommt ein Schiff

    Es kommt ein Schiff, geladen
    bis an den höchsten Bord.
    trägt Gottes Sohn voll Gnaden,
    des Vaters ewig’s Wort.

    Das Schiff geht still im Triebe,
    trägt eine teure Last;
    das Segel ist die Liebe,
    der Heilige Geist der Mast.

    Der Anker haft‘ auf Erden,
    da ist das Schiff an Land.
    Das Wort soll Fleisch uns werden,
    der Sohn ist uns gesandt.

    Zu Bethlehem geboren
    im Stall ein Kindelein,
    gibt sich für uns verloren;
    gelobet muß es sein.

    Und wer dies Kind mit Freuden
    umfangen, küssen will,
    muss vorher mit ihm leiden
    groß Pein und Marter viel.

    Danach mit ihm auch sterben
    und geistlich aufersteh’n,
    das Leben zu ererben,
    wie an ihm ist geschehn.

    Johannes Tauler

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  3. Eno Silla schreibt:

    „Sei am besten still.“
    Ja, so ist es wohl am besten! Der Tiefschlaf ist der Beweis dafür.
    Ach wie ich ihn Liebe, diese vollkommene Stille von Allem!
    Dann kommt der Morgen und das Karussell Leben beginnt sich zu drehen.
    Und (kein Entkommen) bleibt mir nichts anderes übrig, als mich wieder und wieder zum Affen zu machen. Ist das nicht eine verlässliche Erfahrung in diesem irrsinnigirren Lebenstraum?
    Ein Affe unter Affen.
    Wenigstens in diesem Blog sind wir als solche doch in sehr guter Gesellschaft, oder?

    „Für das, was-du-bist, hat das, was passiert oder nicht passiert keine Konsequenz. Es hat für deine Natur keine Konsequenz. Hatte es nie und wird es niemals haben. Das alles hat überhaupt keine Auswirkung. Hat weder eine noch keine. Das ganze famose Verstehen oder die kostbaren Worte der Weisheit – das alles ist nur Spaß. Und Gott sei Dank brauchst du sie nicht. Wenn sie niemals wiederkehren würden, würde das niemanden kümmern.“

    aus: Karl Renz, “Punkt”
    https://satyamnitya.wordpress.com/2013/06/12/karl-renz-das-alles-ist-nur-spas/

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  4. Eno Silla schreibt:

    Original Wahlplakat der NPD Rheinland-Pfalz:

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