Alan Watts: das ganze Universum ist das Spiel der Liebe


SDas „kosmische“ Bewusstsein ist eine Loslösung vom Selbstbewusstsein, d.h. von jenem festumrissenen Glauben und Gefühl, dass der eigene Organismus ein absolutes und separates Ding sei, im Gegensatz zu einer handlichen Einheit sinnlicher Wahrnehmung. Denn wenn einmal klar wird, dass unsere Anwendung der Konturen und Oberflächen der Natur zur Unterteilung der Welt in Einheiten nur eine Frage der Bequemlichkeit ist, dann wird alles, was ich mein Selbst genannt habe, vom Ganzen untrennbar sein. …

Unabhängig von der Schwierigkeit, diese Sensation mit dem Problem des Bösen und des Schmerzes in Beziehung zu setzen, bleibt die Frage nach der genauen Bedeutung der Behauptung „Alles wird gut sein, alles wird gut sein und alle möglichen Dinge werden gut sein“. Ich kann nur sagen, dass die Bedeutung dieser Behauptung in der Erfahrung selbst liegt. Außerhalb dieses Bewusstseinszustandes hat sie keinerlei Bedeutung, in einem Maße, dass es sogar schwierig sein würde, an sie als eine Offenbarung ohne die eigentliche Erfahrung zu glauben. Denn die Erfahrung macht durch und durch klar, dass das ganze Universum das Spiel der Liebe in allen Schattierungen des Wortes ist, von animalischer Lust bis zu göttlicher Liebe zum Nächsten. Irgendwie bezieht dies sogar die Massenvernichtung der biologischen Welt mit ein, wo jede Kreatur sich dadurch erhält, dass sie andere Kreaturen auffrisst. Unser gewohntes Bild der Welt wird auf den Kopf gestellt, sodass jedes Opfer so gesehen werden muss, als biete es sich selbst zum Opfer an.

aus: Alan Watts, „Dies ist ES“

Also, alles, was ich mein Selbst genannt habe, ist vom Ganzen untrennbar, sagt der Alan Watts. Wenn das, was ich mein Selbst genannt habe, seine selbst gebastelten Grenzen verliert und wieder das ist, was es immer war, nämlich vom Ganzen ungetrennt, dann, dann … Scheiße, dann bin ich alles. Ach wie schön bequem war es doch, als ich mich noch abgrenzen konnte und mit dem Finger auf die da Pe gie da zeigen konnte, das sog. Pack, zu dem ich Gott sei Dank nicht gehöre, weil ich ja kein Nazi bin, sondern was Besseres. Aber Pustekuchen! Keine Grenzen! Wenn ich alles bin, bin ich dann auch

Die einen beschimpfen die anderen als Pack, die anderen beschimpfen die einen als feige Gesellen (Theodor Körner):

Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gesellen
vom Feinde bezahlt doch dem Volke zum Spott
doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten
dann richtet das Volk – dann Gnade Euch Gott!

Es verleiht halt ein trügerisches Gefühl der eigenen Mächtigkeit, wenn wortgewaltig auf diese Untermenschen auf der anderen Seite eingedroschen wird. Theodor Körner war übrigens mitsamt dem Lützowschen Freikorps, dem er bis zu seinem Heldentod angehörte, alles andere als sehr erfolgreich in seinem Freiheitskampf gegen Napoleon.

Hach ja, da schlägt doch das vaterländische Herz gleich’n Tick höher. Hauptsache, wir sind vereint im Kampf gegen unsere Feinde! – Welche Feinde, wenn es doch keine Grenzen gibt? Und Alan Watts sagt: „Denn die Erfahrung macht durch und durch klar, dass das ganze Universum das Spiel der Liebe in allen Schattierungen des Wortes ist.“ Und er bringt es überdeutlich auf den Punkt: „Irgendwie bezieht dies sogar die Massenvernichtung der biologischen Welt mit ein, wo jede Kreatur sich dadurch erhält, dass sie andere Kreaturen auffrisst. Unser gewohntes Bild der Welt wird auf den Kopf gestellt, sodass jedes Opfer so gesehen werden muss, als biete es sich selbst zum Opfer an.“
Klar doch, wenn ich das Schwein bin, das ich gleich aufzufressen gedenke, wer ist dann Täter, wer Opfer? Ich biete mich mir selbst zum Opfer an.

KIch hoffe, niemand versucht das jetzt mit seinem Verstand zu begreifen und Position dafür oder dagegen zu beziehen. Das sind einfach so Gedanken, die vielleicht etwas berühren oder bewegen, und alles, was man da sinnvollerweise tun kann, ist diese Berührungen und Bewegungen wahrzunehmen. Wer da mit seinem Verstand heranzugehen versucht, läuft nur Gefahr, einen Knoten in seine Gehirnwindungen zu bekommen.

 

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2 Antworten zu Alan Watts: das ganze Universum ist das Spiel der Liebe

  1. Eno Silla schreibt:

    Ein Interview der Nachdenkseiten mit Daniela Dahn:

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=30582

    Gefällt mir

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