Osho: Nichts passiert je.

 

P1

Jemand fragte Liehtse:
Warum legst du so viel Wert auf die Leere?
In der Leere gibt es doch keine Bewertung.

Liehtse erwiderte:
Wert ist nicht das richtige Wort.
Sei am besten still, sei am besten leer.
In Stille und Leere finden wir unser Obdach;
durch Geben und Nehmen verlieren wir es.

Gedanken bleiben nie von sich aus weg. Sie bleiben erst dann weg, wenn die Begierde verschwindet. Das ist es, was mit „Sei am besten still“ gemeint ist. Auf die Art sagen die Taoisten: „Sei wunschlos.“ Darum sagen sie auch, dass du dir sogar durch den Wunsch, Gott zu erkennen, Gott zu finden, nur den Weg verstellst.

Sei einfach still, ohne Wunsch – so, als brauche nichts geschehen, als werde nichts geschehen. Sei absolut hoffnungslos, denn Hoffnung ist nichts weiter als ein anderes Wort für das Wünschen. Das Wort Hoffnung ist eine Beschönigung für das Wort Begierde. Begierde ist ein etwas hässlicher Begriff, Begierde ist ziemlich ungeschminkt. Eine Hoffnung ist eine maskierte Begierde. Seid ohne Hoffnung.

Nichts wird passieren. Nichts passiert je. Es gibt keine Zukunft; also lasst allen Ehrgeiz fahren. Nur dieser Augenblick existiert, also rennt nicht kopflos durch die Gegend – das ist sinnlos, das ist neurotisch, das ist verrückt. Entspannt einfach in diesem Moment – seid einfach nur. Das ist mit „Sei einfach still …“ gemeint.

aus: Osho, „The Pathless Path“

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Ich hab dafür keinen statistischen Beleg, aber ich geh mal davon aus, dass alle diesen freundlichen Puh mögen. Also ich kenne jedenfalls niemanden, der ihn nicht mag. Von Hui-neng wird berichtet, dass er Analphabet war, ein einfacher Waldarbeiter. Er soll sich selbst als einen einfachen, geistlosen Mann von Tao bezeichnet haben. Huang-po und Linji benützten auch gerne diese Formulierung. Und später sprach Ikkyû Sôjun von sich als von einem blinden Esel. Puh wurde, wie wir uns vielleicht erinnern, ein Bär von sehr geringem Verstand genannt. Während die Buddhisten sich häufig als wahre Geistesakrobaten gefielen, verbreiteten die Taoisten eher diesen köstlichen Duft der Schlichtheit und der Arglosigkeit.

Der zentrale Aspekt in dem heutigen Text ist die Wunschlosigkeit. Wunschlosigkeit ist auch ein zentraler Aspekt des Buddhismus. Im Unterschied zum Buddhismus können die Taoisten offensichtlich nichts mit irgendwelchen Methoden anfangen. Ramesh Balsekar sagte oft: „Verstehen ist alles.“ Die alten Taoisten sind wohl zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen. Alle Methoden führen nur zu einer zeitweiligen Unterdrückung. Früher oder später bahnt sich etwa ein Wunsch dann doch wieder seinen Weg. Osho sagt: „Nur dieser Augenblick existiert, also rennt nicht kopflos durch die Gegend – das ist sinnlos, das ist neurotisch, das ist verrückt. Entspannt einfach in diesem Moment – seid einfach nur. Das ist mit ‚Sei einfach still …‘ gemeint.“

Was macht ein Mensch von Verstand mit so einer Aufforderung? Ich würde sagen, er macht sich so seine Gedanken. Was macht ein Mensch von Tao damit? Nichts. Er ist sowieso einfach still. Still in einem bestimmten Sinn. Liehtse sagt:

In Stille und Leere finden wir unser Obdach;
durch Geben und Nehmen verlieren wir es.

Unser Metabolismus ist die ganze Zeit damit beschäftig zu geben und zu nehmen. Aber das dürfte Liehtse wohl kaum gemeint haben. Wer glaubt, dass ihm in diesem Augenblick etwas fehlt oder etwas zu viel ist, der versucht, diesem Augenblick etwas hinzuzufügen oder wegzunehmen. In der Folge davon verliert er allem Anschein nach sein Obdach. Ein Obdach, das ihm ohne diese Gschaftlhuberei immer offen steht.

P3

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