Karl Renz: Gott kennt keinen Gott, keinen Zweiten …

KEs existiert weder eine vollständige Leere noch Leerelosigkeit,
weder Wahrheit noch Unwahrheit.
Der Avadhuta, der die den Schriften
zugrunde liegende Wahrheit verwirklicht hat,
hat dieses hier seiner eigenen Natur entsprechend spontan geäußert.

aus: Dattatreya, „Avadhuta Gita, 1,76“

Das Selbst kennt kein Selbst. Es gibt nur „Selbstlosigkeit“, man könnte auch sagen „Lieblosigkeit“, „Existenzlosigkeit“. Ich weise auf diese „Ideenlosigkeit“ hin, in der alle Zeichen von Gott und Göttlichkeit verschwunden sind. Über diese Gottlosigkeit spreche ich. Du bist DAS, was Gott ist. Aber Gott kennt keinen Gott, keinen Zweiten oder was auch immer. Das, über das nicht gesprochen werden und das nicht definiert werden kann – das ist es, worüber ich spreche.

Dieses Paradox kann nicht gelöst werden. Wir sprechen über etwas, worüber nicht gesprochen werden kann. Wir können zwar darüber sprechen, aber das macht keinen Unterschied. Es besagt nur, dass es keinen Unterschied macht, ob du sprichst oder nicht sprichst.

Für DAS, was-du-bist, macht es keinen Unterschied, was du sagst, was du definierst. Es gibt nicht mehr oder weniger. Das alles ist verschwunden. Das ist Freiheit, die keine Idee von Freiheit hat.

aus: Karl Renz, „Eight Days in Tiruvannamalai“

GOben ist ein Bild von Gott, dem Herrn, zu sehen. Ich habe es vorsichtshalber durchgestrichen – nicht, dass jemand noch auf die Idee kommt, das sei Gott und er müsse jetzt auf die Knie fallen. Gott existiert so wenig wie er nicht existiert, so wenig wie Leere existiert oder Leerelosigkeit, so wenig wie Wahrheit existiert oder Unwahrheit. Denken geschieht immer in dieser Polarität. „Erst seit auf Erden ein jeder weiß von der Schönheit des Schönen, gibt es die Hässlichkeit.“ lesen wir im Daodejing. Erst seit auf Erden ein jeder weiß von der Göttlichkeit Gottes, gibt es die Gottlosigkeit, könnten wir sagen, und dasselbe über die Leere und die Wahrheit.

Wenn ich Gott als gegeben setze, glaube ich irgendeine Aussage über ihn machen zu können. Aber dieser Gott kann nur meine Vorstellung von ihm sein. „Das Selbst kennt kein Selbst.“ sagt der Karl. Das, was glaubt, das Selbst zu kennen, kann nicht das Selbst sein: „Hallo, Mister Gott, hier spricht Anna.“ Wer ist Anna, wer Mister Gott? Gedanken, Vorstellungen. Nichts verkehrt daran, wenn klar ist, dass es eben Gedanken, Vorstellungen sind. Kann man sich hübsch die Zeit mit vertreiben oder sogar trösten lassen oder sich auf ganz andere Gedanken bringen lassen und sich dann einbilden, diese Gedanken gedacht zu haben. Wie heißt dieser allseits bekannte Spruch: „Denke nie gedacht zu haben, denn das Denken der Gedanken ist gedankenloses Denken. Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst. Denn denken tust du nie.“ Welcher Weckruf in diesem kindlichen Zungenbrecherspiel! Wer ist es, der denkt?

Karl gibt die Antwort: „Du bist DAS, was Gott ist. Aber Gott kennt keinen Gott, keinen Zweiten oder was auch immer.“ Schon an diesem kleinen Hinweis kann deutlich werden, wie unfähig Sprache ist, das sauber auf den Punkt zu bringen. DAS ist nicht definierbar. Und das, was wir Ich nennen, ist nicht definierbar, weil es nicht als Zweites diesem DAS gegenübersteht. Ich bin DAS, Gott ist DAS. Karl sagt: „Für DAS, was-du-bist, macht es keinen Unterschied, was du sagst, was du definierst.“ Und es macht für DAS, was-du-bist, auch keinen Unterschied, wie du dich entscheidest oder was du tust. Wenn es dir lieber ist, in der Nase zu popeln als zu beten, nur zu, tu dir keinen Zwang an: Für DAS, was-du-bist, macht es keinen Unterschied. Du kannst auch Köpfe abschneiden oder Frauen vergewaltigen. Auch das macht für DAS, was-du-bist, keinen Unterschied. Nur, behaupte ich mal, wenn genau das bewusst ist, das du DAS bist, was Gott ist, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass da keine Neigung mehr besteht, Köpfe abzusäbeln und Frauen oder Kinder zu missbrauchen.

Der definierte Gott, Gott als Objekt – bedeutet Zweiheit, Dualismus, Krieg. Mein Gott gegen deinen Gott, meine heilige Vorstellung gegen deine heilige Vorstellung. Und dabei darf ruhig jede Menge Blut spritzen.

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3 Antworten zu Karl Renz: Gott kennt keinen Gott, keinen Zweiten …

  1. Eno Silla schreibt:

    Zur Ergänzung „Unser täglich Mindfuck gib uns heute!“:

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  2. Eno Silla schreibt:

    Dieses Wesen ist mir heute in unserem Kurpark begegnet:

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