Nitya: Der Einzige, der dies wirklich tun kann, bin ich.

 

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Wenn es die momentane Realität ist, dass sich unsere verbrieften Grundrechte und Freiheiten sowie unsere gesellschaftlichen Pflichten einschließlich des garantierten Rechtes auf Glück in völliger Auflösung befinden, dann werden es nicht diejenigen sein, die den gesellschaftlichen Errungenschaften wieder zu ihrem Recht verhelfen, die dabei sind, all dies für alle Zeit zu zerstören. Der Einzige, der dies wirklich tun kann, bin ich, ganz allein ich.

Ist der Kerl jetzt völlig größenwahnsinnig geworden? Also das hat er gestern wirklich so geschrieben: Er sei der Einzige … also vielleicht hat ihn jetzt wirklich der Herr Alzheimer erwischt. War ja irgendwie abzusehen.

Ich erinnere gerade eine Geschichte von einem König. Könige haben manchmal so Einfälle, und weil sie König sind, glauben sie auch, ein Recht darauf zu haben, dass diese Einfälle von ihren Untertanen umgesetzt werden. Also unser König wollte baden und zwar genau, wie er es mal von seiner Kollegin Kleopatra gehört hatte, in Eselsmilch. Soll irgendwie schöner machen. Also ließ der König von seinem öffentlichen Ausrufer verkünden, dass jeder Untertan am nächsten Morgen einen Eimer Eselsmilch in eine eigens dafür schon ausgehobene Grube zu kippen hatte, in der der König dann herumzuplantschen gedachte. Am nächsten Morgen überlegte der listige Bauer vom Waldhof, dass es schon nicht auffallen werde, wenn er in den riesigen Eselsmilchsee einen Eimer Wasser gießen würde statt eines Eimers Eselsmilch. Und genau so machte er es. Als er aber an die Grube kam, erblickte er eine Grube voller Wasser. Offensichtlich war er nicht der einzige listige Bauer. „Na, da bin ich aber froh,“ dachte er, „da wäre ich jetzt ganz schön lackiert gewesen, wenn ich der Einzige gewesen wäre, der so dumm gewesen ist, einen Eimer mit Eselsmilch zu bringen!“ Was der König beim Anblick des ordinären Wassersees gemacht hat, weiß ich nicht mehr, falls ich es je gewusst habe. Aber ich glaube, Könige mögen das nicht, wenn sie von ihren Untertanen nicht ernstgenommen werden. Vielleicht waren jetzt all die schlauen Untertanen die Lackierten.

TWie all diese Geschichten hat auch diese kleine Geschichte eine Moral. Kann sich ja eigentlich jeder denken, aber sicher ist sicher: Wer immer sich darauf verlässt, dass die Anderen das schon machen werden, was ich eigentlich verdammt noch mal tun sollte, wozu ich aber einfach Null Bock habe, der … der braucht sich bloß den Zustand der Welt anzuschaun. Dann weiß er wenigstens, warum alles so ist, wie es ist. Und wenn er das weiß, müsste er wenigstens mit seiner dauernden Jammerei aufhören und damit, mit dem Finger auf die Anderen zu zeigen. Das wäre ja schon mal was. Vielleicht bringt ihn das ja doch noch in die Gänge.

Aber das ist jetzt wieder so eine blöde Begründerei von mir. In Wahrheit habe ich keine Ahnung. Ich weiß nicht, warum bei mir, als dieser Butz sein „Spüren Sie’s?“ flüsterte, irgendwas passiert ist. Vielleicht weil ich ihn einfach geliebt habe? Aber auch das ist reine Spekulation. Bei anderen ist möglicherweise nichts passiert, oder doch passiert? Was weiß ich schon? Ich habe nicht die geringste Ahnung, warum passiert, was passiert. Insofern kann man sich die ganze Moral der Geschichte sowieso an den Hut stecken. Das Bewusstsein der Erde wächst. Und das dauert! Wo ich doch so ein ungeduldiger Bursche bin! Warum nicht jetzt, Himmelherrgottsakrament! Warum? – Darum! Vielleicht in 100.000 Jahren, vielleicht nie. Muss mich das daran hindern, das zu tun, was ich in diesem Augenblick tun muss?
KAber was muss ich tun? Hmm, wie wär’s denn mit Verzicht? Au weia! Also doch Moral? Nein, Verzicht ohne Moral. Verzicht, weil’s sich gut anfühlt. Verzicht aus purem Egoismus. Hää? Soll jetzt die Katze auf’s Mausen verzichten und das aus purem Egoismus? Da könnten wir wohl lange und vergeblich warten. Aber der Mensch soll ja angeblich die Krone der Schöpfung sein. Er soll über sein Krokodilsgehirn hinausgewachsen sein, über sein limbisches System und sogar über seinen Neokortex, auf den er so stolz ist. Die Rothschilds & Consorten scheinen sich einfach noch nicht so recht über ihr Krokodilsgehirn hinaus entwickelt zu haben. Sie müssen zuschnappen, ob sie wollen oder nicht, wenn sie Beute wittern. Sie sind halt einfach noch ein bisschen zurückgeblieben. Geben sei seliger denn Nehmen, soll Jesus gesagt haben. Das steht schon ganz schön über dem Krokodilsgehirn. Aber schon allein der Verzicht auf alles, was nicht Meins ist, wäre ein Riesensprung. Verzicht auf Macht über andere, Verzicht auf Besitz, den ich für mein Leben nicht wirklich brauche, na ja, der ganze anarchistische „Katalog“ halt: Nicht herrschen und sich nicht beherrschen lassen. Und dann kann man das ja ruhig mal ausprobieren, ob an der Aussage von Jesus was dran ist: „Geben ist seliger denn Nehmen.“ Ich nenne das jedenfalls einen ziemlich intelligenten Egoismus.

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5 Antworten zu Nitya: Der Einzige, der dies wirklich tun kann, bin ich.

  1. Gerhard Mersmann schreibt:

    Meine volle Zustimmung!

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  2. Elwood schreibt:

    Der Einzige, der dieses meinige Drama-Dreieck mit Aufmerksamkeit beobachten kann, bin Ich.
    Vieleicht weniger warum es da ist, mehr – was tu ich wirklich darin. Ist dieser darin enthaltene Wiederstand und die Einseitigkeit mir wirklich zuträglich? Diese Form meines Egoismus wirklich klug? Können die anscheinend klugen Worte von aussen meinen Wiederstand etwas anhaben? Sind diese Formen meines Egoismus vieleicht nur hilflose Versuche meinen Schmerz des Seinsverlustes mit der scheinbaren Sicherheit des Habens zu besämftigen? Wird mich dieser Egoismus wirklich mit dem Kosmus versöhnen? In wieweit gehe ich mit ihm meinen Mitwesen auf den Sack oder schädige sie sogar? Welche Auswirkungen hat das auf mich? Bin ich in diesem Drama wirklich handelnd oder abhängig von meiner Geschichte, Abschreiber von meiner abgeschriebenen Wissenansammlung?
    Nur Ich allein kann dieses in aufmerksamkeit beobachten und vieleicht bemerken, dass es noch einen anderen Egoismus in mir gibt, der mir wirklich zuträgklich ist, der weniger am Haben hängt, der nicht mal Wissen braucht um wirklich zu Sein…..
    Vieleicht gehört er mir nicht mal…
    Wer weiß das schon…

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  3. doro schreibt:

    Dann weiß er wenigstens, warum alles so ist, wie es ist. Und wenn er das weiß, müsste er wenigstens mit seiner dauernden Jammerei aufhören und damit, mit dem Finger auf die Anderen zu zeigen.

    Danke, lieber Nitya, dass Du das Thema noch einmal aufgreifst!
    Wie kann man nun einen Menschen dazu bewegen, etwas zu tun, was mit Verzicht oder mehr Aufwand zu tun hat, wo alle anderen um ihn herum vielleicht sehen aber nichts tun. Ich bin bei dem Begriff des offenen Herzens hängen geblieben, den ich sehr mag. Und jetzt kann es scheinbar um alles mögliche gehen (welche Produkte ich kaufe, ob ich Auto oder Fahrrad fahre, wie oft ich fliege, was ich esse,….), in Wirklichkeit glaube ich, kann man alles auf das Thema Missbrauch reduzieren. Missbrauche ich Menschen, Tiere und unsere Erde? Oder schaffe ich es, bewusst zu sein. Wenn ich mein Herz öffne, dann wird der Missbrauch weniger. Und dann kann ich auch sehen, dass im Grunde alles zusammenhängt. Zu diesem Prozess kann ich nicht gezwungen werden, die Bereitschaft dazu muss aus mir kommen. Und warum sollte ich diese ganzen Mühen bloß wollen? Meine eigene Antwort: um zu heilen. Ganz einfach ist das. 
    Und so eine Bewegung kann tatsächlich mit mir beginnen. Ich lebe es und öffne mich für andere, diese öffnen ihr Herz, stoppen den Missbrauch und so kann sich der Prozess potenzieren. Alles kommt auf mich an! 

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  4. Eno Silla schreibt:

    Wie war doch dieser Spruch, äh, ich sag ihn mal frei heraus:
    Erkenne, dass du nicht der Handelnde bist und dann tue einfach was du willst!
    So oder so ähnlich.
    Ich könnte jetzt einiges aufzählen:
    Bin erst einmal geflogen in diesem Leben.
    Habe seit 2006 kein Auto mehr.
    Verbrauche ca. 800 kwh Strom im Jahr. Stabil seit ca. 10 Jahren.
    Kaufe keinerlei Silvesterballerwerk.
    Versuche wenig Fleisch zu essen.
    Repariere alte PC´s und Notebooks, wenn noch möglich, die auf den Müll sollten und verteile sie an Menschen mit wenig Geld, oder an Leute, die wenig Geld ausgeben wollen und es ok finden gebrauchte Geräte zu verwenden. Bzw. halte PC´s am Laufen, damit die Menschen keine neuen brauchen.
    Versuche meinen Wasserverbrauch gering zu halten (z. B. duschen statt baden).
    Ernähre mich von Biolebensmitteln, wenn irgend möglich. Nicht weil ich glaube, dass die unbedingt besser sind, sondern, weil es mich schmerzt, dass soviele Gifte in diese Welt geblasen werden.
    Fahre Fahrrad oder gehe zu Fuß. Sicherlich gibt es noch mehr, aber diese Aufzählung soll genügen.
    So und was nun?
    Bin ich jetzt die Veränderung, die ich mir für die Welt wünsche, gar ein besserer Mensch? Erwarte ich etwa, dass andere Menschen auch so leben sollen?
    Ich mache einfach (im erahnen nicht der Machende zu sein), ich hab da überhaupt keine Wahl.
    Es ist, was sich durch mich leben will.
    Und es ist gut so und auch schlecht, sowieso, kein Entkommen!
    Mein Luxus, den ich sehr genieße:
    Weitestgehend Herr über meine Zeit zu sein und so wenig Zwangskontakte wie möglich. Das ist, aus meiner Sicht, mit Geld und vielen materiellen Gütern nicht aufzuwiegen.

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