Uwe Schade: In beidem wirkt die Spannung der Welt

 D

Du greifst nach Reichtum und verurteilst die Diebe
In beidem wirkt Dein Widerstand
In beidem wirkt die Spannung der Welt
Du baust Atombomben und verfluchst ihre Wirkung
In beidem wirkt Dein Widerstand
In beidem wirkt die Spannung der Welt
Du baust eine Welt und hast Angst vor Zerstörung
In beidem wirkt Dein Widerstand
In beidem wirkt die Spannung der Welt
In Dir erhebt sich ein Ich und sucht sein Heil
In beidem wirkt Widerstand und die Spannung der Welt .

Das Böse ist nur ein Schein
Im Spiegel Deiner Moralen
Zerstörung ist nur ein Schein
Im Spiegel Deines Formens
Verlieren ist nur ein Schein
Im Spiegel Deines Ergreifens
Dein Weilen ist nur ein Schein
Im Fluss der ewigen Begegnung .

aus: Uwe Schade, „Die Harmonie der Welt

K

Wenn wir den Richter da oben sehen und die Frau, die anklagend auf den Dieb zeigt, wird uns vielleicht erst einmal nichts Besonderes auffallen. Ist doch alles ganz in Ordnung: Da ist die Geschädigte, da ist der Schädigende und da ist der unparteiische Anwalt der staatlichen Ordnung, der Recht sprechen und zu einem Urteil kommen soll. Schon allein darin, dass uns nichts Besonderes auffällt, äußert sich unser Widerstand. Kürzlich erzählte mir jemand von einem Gespräch, in dem es um den Probanden ging, bei dem vor ein paar Tagen der Hirntod festgestellt werden musste, der die Folge der Einnahme eines vom portugiesischen Pharmahersteller Bial entwickelten Wirkstoffes war. Eine der Gesprächsteilnehmerinnen, eine Ärztin, meinte, für solche Experimente sollte man doch Häftlinge hernehmen, die eine lebenslange Haftstrafe zu verbüßen hätten und die sich freiwillig dafür melden würden. Hier ist der Widerstand noch deutlicher zu erkennen. Uwe Schade sagt: „Du greifst nach Reichtum und verurteilst die Diebe. In beidem wirkt dein Widerstand. In beidem wirkt die Spannung der Welt.“ Uwe Schade verurteilt nicht, er beschreibt lediglich die Spannung der Welt und ihre möglichen Wirkungen. Natürlich greift der Richter nach Reichtum, natürlich greift die „geschädigte“ Frau nach Reichtum ebenso wie der „Dieb“. Und die Ärztin, die schon fast an das Treiben der KZ-Ärzte erinnert, greift natürlich ebenso nach Reichtum.

RGleichzeitig muss dieser Griff nach dem Reichtum aber geleugnet oder zumindest verschleiert werden. Kaum jemand will zugeben, dass er keinen Deut besser ist als der Dieb oder der zu lebenslanger Haft Verurteilte. Kaum jemand will wie der Studienrat, von dem ich mal erzählte, zugeben, dass er auch ein Nazi ist. Jeder will signalisieren, dass er ein Guter ist und der Typ auf der Anklagebank oder im Gefängnis der Böse. Der Nürnberger Prozess ist hierfür ein gutes Beispiel. Wir brauchen massenhaft Sündenböcke um nicht unter der Last unserer „Schuld“ zusammenzubrechen.

Bericht aus dem KZ Dachau: „Eine andere Art der Versuche waren die Höhenflugversuche, bei denen man bemerkte, daß ein Mensch in 12 km Höhe nicht ohne Druckanzug überleben kann. Es gab allerdings einen Fall, in dem ein zum Tode Verurteilter zu einem solchen Versuch eingeliefert wurde und trotz mehrmaliger (3) Versuche überlebte, obwohl der Arzt garantiert hatte, daß diese Versuche tödlich seien. Für Häftlinge, die dennoch überlebten, gab es ein Begnadigungsgesetz. Da dieser Häftling allerdings Pole war, galt dies nicht, und er wurde auf andere Art getötet. Dieses Gesetz galt auch bei Russen nicht.“ So geschehen im Land der Dichter und der Denker und es kann jederzeit wieder geschehen.
WDas ist der Fluch dessen, was wir Dualismus nennen, dass wir so gerne immer nur die eine Seite der Dualität sehen und die andere bekämpfen und dass wir nicht das Wirken der Spannung der Welt sehen wollen. Was bliebe von der Welt ohne diese Spannung zwischen den Polen? Aber wie will man mit dieser polaren Welt klar kommen ohne „das unveränderbare Zentrum in sich selbst“, von dem Alan Watts gestern erzählt hat?

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2 Antworten zu Uwe Schade: In beidem wirkt die Spannung der Welt

  1. Eno Silla schreibt:

    „Aber wie will man mit dieser polaren Welt klar kommen ohne “das unveränderbare Zentrum in sich selbst”, von dem Alan Watts gestern erzählt hat?“

    Es ist eine echte Herausforderung in dieser polaren Welt klarzukommen. Ich kann es so gut verstehen, dass man sich zuordnet, unterordnet, einordnet in eine Gruppe, eine Religion, ein Volk etc., möglichst sich selbst für gut haltend. Welch eine Erleichterung auf diese Weise der Spannung der Welt zu entfliehen (scheinbar, denn der ausgeblendete Pol ist eben nur ausgeblendet). In meiner Kindheit fand ich mich immer wieder zwischen meinen Eltern stehend, von ihnen hin und her gerissen, jedes Elternteil wollte recht haben, wollte gut sein. Wobei sie sich gegenseitig dieses Gutsein absprachen. Aber ich wollte beide, mich nicht entscheiden müssen, denn das war für mich schmerzhaft, tat weh, machte mich traurig. Die Spannung der Welt ist schwer zu ertragen. Ich flüchtete mich in den Nächten in ein Gebet. Bat um Schutz und Frieden für mich und meine zerstrittenen Eltern. Ich nannte das angebetete damals Vater (keine Ahnung woher ich das hatte, wir waren keine gläubige Familie). Es gelang mir dadurch mich beschützt zu fühlen, es war als würde sich eine Glocke aus feinem Licht um mich bilden, in der ich mich geborgen fühlte, so lernte ich das unveränderliche Zentrum in mir selbst kennen und überstand die Krisen meiner Kindheit, erzeugt von dieser polaren Welt.

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  2. Nitya schreibt:

    Liebe Chantal, vielen Dank fü diesen Link zu dem wundervollen Bosch!

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