Niútóu Fǎróng: Still sein, Still sein, das ist die hellste Klarheit

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Gedanke auf Gedanke, so kommt man zu Wissen,
Wer das Netzwerk untersucht, dreht sich unaufhörlich im Kreis.
Still sein, Still sein, gar nichts untersuchen –
Das ist ein dunkler Raum ohne jegliche Bewegung.

Gedanke auf Gedanke, daran ist nichts Falsches –
Still sein, Still sein, das ist die hellste Klarheit.
Die Myriaden Erscheinungen sind alle ganz wirklich,
Die Vielfalt ist von dem Einen Geschmack.

Im Gehen und Kommen, im Sitzen und Stehen,
Hör einfach auf, etwas festzuhalten,
Wo keine Richtung zu bestimmen ist,
Wie könnte es da Kommen und Gehen geben?

Kein Sammeln ist nötig und kein Zerstreuen,
Es gibt weder langsam noch schnell.
Die leuchtende Stille ist Von-selbst-So,
Das ist nicht zu erklären, da gibt es nichts zu erreichen.

aus: Niútóu Fǎróng, „Xinming, die Herz-Geist-Einmeißelung“

Ach, die sind einfach so wundervoll, diese alten Knacker! Da ist nicht ein Hauch von Drängeln oder von Moralkeule, niemand wird aufgefordert, irgendetwas zu erreichen, einfach nur ein paar Beobachtungen und das war es dann auch schon. Irgendwie hat der chinesische Geist des Dao dem Buddhismus richtig gut getan. Es gibt nichts zu erklären, nichts zu erreichen, also entspannt euch einfach und lasst es euch gut gehen – oder lasst es bleiben!Wasser„Gedanke auf Gedanke, daran ist nichts Falsches.“ Also, macht um Gottes willen aus eurer Dauerdenkerei keine Todsünde, nicht einmal eine klitzekleine lässliche Sünde! Und „Die Myriaden Erscheinungen sind alle ganz wirklich, die Vielfalt ist von dem Einen Geschmack.“ Wenn dir ein Glas auf den Boden fällt, ist es vermutlich kaputt. Das ist ganz wirklich. Auch die hübsche Idee, dass das Glas nur eine Erscheinung ist, wird das Glas nicht vor seinem Zerbrechen bewahren. Aber macht ja nix, auch das Zerbrechen ist nur eine Erscheinung. Was soll’s? Alles Klugscheißerei. „Die Vielfalt ist von dem Einen Geschmack.“ Alexis Sorbas: „Heh, Boss! Hast du jemals erlebt, dass etwas so bildschön zusammen kracht?“ Scheint so, als habe dieser Typ etwas von diesem „Einen Geschmack“ mitgekriegt. „Wozu nützt die Diskussion, ob die Welt wirklich oder lediglich eine unwirkliche Erscheinung ist, …“, sagt Ramana. Und ich finde, Niútóu hat es wunderbar auf den Punkt gebracht.

„Hör einfach auf, etwas festzuhalten.“ sagt er. Nicht das Denken ist es, sondern das Festhalten eines Gedanken. Gestern sagte Karl Renz: „Alles, was du hervorhebst oder auf den Thron stellst, macht dich zum Sklaven.“ Was immer festgehalten wird, wurde auf den Thron gestellt und macht einen zum Sklaven.

O„Gedanke auf Gedanke, so kommt man zu Wissen, wer das Netzwerk untersucht, dreht sich unaufhörlich im Kreis. Still sein, Still sein, gar nichts untersuchen – das ist ein dunkler Raum ohne jegliche Bewegung.“ Nichts dagegen, wenn es jemandem Spaß macht, sich im Kreis zu drehen. Aber Niútóu weist darauf hin, dass da noch etwas ist: „Ein dunkler Raum ohne jegliche Bewegung.“ Und der wird einem nun mal nicht über das Denken und Wissen zugänglich, sondern darüber: „Still sein, Still sein, gar nichts untersuchen.“ Und er schließt diesen Hinweis ab mit der Feststellung: „Das ist nicht zu erklären, da gibt es nichts zu erreichen.“ Da sind wir wieder bei diesem unbarmherzigen „Friss Vogel oder stirb!“ Keine Chance für den gierigen Verstand, diesen dunklen Raum ohne jegliche Bewegung irgendwie einsacken und dann angeblich wohlfeil verkaufen zu können.

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2 Antworten zu Niútóu Fǎróng: Still sein, Still sein, das ist die hellste Klarheit

  1. Brigitte schreibt:

    Ganz interessanter Einblick über ‚Advaita-Freiheit / Advaita-Falle‘ von Padma und Torsten

    (entdeckt im connection-blog: http://connection.de/die-seele-der-nationen-buchrezension-und-mehr/#more-649)

    Gefällt mir

  2. Pingback: Nichts zu erklären, nichts zu erreichen – Mystik aktuell

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