Osho: … weil ihr euch selbst nicht liebt


O Der eine geht zum Nächsten, weil er sich sucht. Allein vergisst man leicht, wer man ist. Seinen Namen, seinen Beruf, seine Qualifikationen, seine akademischen Grade, seine Schönheit, seine Stärke, seine Ehre – allein neigt man dazu, all das zu vergessen, weil das alles falsche Dinge sind, die einen umgeben. Aber wenn du zum Nachbarn gehst, erinnert er dich, schmeichelt er dir, schmeichelst du ihm. Beide freut ihr euch: Du hast dich gefunden und er hat dich gefunden. …

Der eine geht zum Nächsten, weil er sich sucht, und der andere, weil er sich verlieren möchte. Wenn du in Angst, in Verzweiflung und Sorge lebst und das Leben dir dunkel und leer erscheint, möchtest du zu deinem Nächsten gehen, um irgendwie deine Angst loszuwerden mit ein paar Drinks, mit einem guten Plausch, mit Klatsch und Tratsch – wessen Frau mit wem durchgebrannt ist, wessen Mann hinter welcher Frau her ist. Man möchte sich verlieren, weil die Verzweiflung zu groß ist.

Eure schlechte Liebe zu euch selbst macht auch aus der Einsamkeit ein Gefängnis- weil ihr euch selbst nicht liebt. Genau darum kommt euch eure Einsamkeit fast wie ein Gefängnis vor, und ihr wollt ausbrechen: Lauf in irgendeine Richtung, tu irgendwas, nur sei nicht allein!

Alleinsein ist die schönste Erfahrung, die es gibt, der herrlichste Schatz, den du hast, aber du hast ihn nie erforscht, weil du dich nie geliebt hast.

aus: Osho, „Zarathustra, ein Gott der tanzen kann“

N

Wie könnte man lernen, sich besser zu freuen, wenn man sich selbst nicht liebt?! Wie? Was? Wer sollte wen besser lieben? Das ist doch primitivster Dualismus! Den haben wir edlen Advaitins doch längst hinter uns gelassen! „Kein Subjekt, kein Objekt, sondern das pure Nichts.“ Gut gebrüllt, Löwe? Brav auswendig gelernt, du Kamel! Das ist alles genauso ein Glaube wie irgendein anderer Glaube. Damit ist nichts gesagt über wahr oder nicht wahr. Allein die Tatsache, dass daran geglaubt wird, macht die größte Wahrheit zur Lüge.

R

Ich muss öfters daran denken, wie ich mir als Jugendlicher schwor, nie irgendeine Ideologie über schlichte Menschlichkeit zu stellen. Sollte ich je vor die Wahl zwischen Ideologie oder Menschlichkeit gestellt werden, würde es da für mich nie eine Wahl geben. Auch die Nationalsozialisten waren Idealisten, hörte ich immer wieder. Heute ist die Demokratie angeblich der Weisheit letzter Schluss. Worte, Worte, Worte, … Jesus: „Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Phuuu… ist das wieder dualistisch! Was dieses Thema betrifft, empfehle ich, sich mal mit diesem Ramakrishna zu beschäftigen, der etwa nie damit aufhörte, die Göttin Kali zu verehren und der alle Wege in sich zu vereinigen schien. U.a. Advaita -und dann Kali verehren? Darf der denn das?

Meister Eckhart sagte: „Hast du dich selbst lieb, so hast du alle Menschen lieb wie dich selbst. Solange du einen einzigen Menschen weniger lieb hast als dich selbst, so hast du dich selbst nie wahrhaft lieb gewonnen.“ Und wer sich selbst nie wahrhaft lieb gewonnen hat, der geht zum Nächsten, weil er sich sucht oder weil er sich verlieren möchte, der hält es einfach nicht aus, mit sich allein zu sein. Und wenn er dann hört „Alleinsein ist die schönste Erfahrung, die es gibt, der herrlichste Schatz, den du hast“, dann kann er nur drei Kreuze machen: Dann doch lieber unter Menschen sein und ihnen eine Predigt über Advaita halten: „Advaita heiß Nicht-Zweiheit …“

VAm liebsten ist mir, wenn keiner kommt.
Fallende Blätter und herumwirbelnde Blüten
Ziehe ich als Weggefährten vor.

Ikkyû Sôjun

 

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5 Antworten zu Osho: … weil ihr euch selbst nicht liebt

  1. Brigitte schreibt:

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  2. RonnyRonny schreibt:

    “Jesus: “Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.” Phuuu… ist das wieder dualistisch!” Öhhhm, was ist jetzt Dualistisch?
    …sobald Erfahrung stattfindet, ist eine Art von Polarität mit im Spiel, immer …die Aussage kommt mir eher wie ein Volltreffer vor, wo bei Worte immer x-fach interpetiert werden können.
    Interpretation natürlich auch mehr wie ein Gedankenspiel, auch ein was und wie wird jetzt erlebt.
    Selbst MC Donalds kann die Schicht auf DIES öffnen mit Ihrem: „Ich Liebe Es“, schlimm oder;-)
    Ich bin mal in Österreich in eine Kirche, lass da ein Zitat der Mutter was an der Wand im Eingang hing, und mir liefen die Tränen voller Hingabe und Wahrheit oder Selbst öffnet sich durch alles erlebbare.
    Ein paar Tage später wollte ich nochmal in diese Kirche weil ich garnicht wusst welches Zitat mich da so berührt hat. Ein wundern, ich verstands nicht, da stand eine “freundliche Christliche Lebensregel” mir blieb nur zu schauen*hehehe… warum nicht
    Und das ist auch mein Eindruck zu “Advaita-Vedanta” – nicht als erhabene Philosophie oder Möglichkeit sich konzeptuell rauszureden ist es in Indien teilweise auch Möglichkeit sich DEM EINEN ohne Zweitem voll zu überantworten. Und die Hingabe an “Etwas Größeres” Kali hier bei Ramkrishna, ein lebedgier Pfad “mich” darin zu verlieren.
    In letzer Zeit habe ich Zwei Aussagen, meist hintereinader, aus dem Christlichen zitiert: “Du bist nach dem Ebenbild Gottes geschaffen” und “Du sollst dir kein Bild von Gott machen” eben weil DAS kein Bild ist,… Erforscht man das für sich, geht dem auf den Grund, eröffnet sich dies lebendige Wissen und Erleben das es nicht Zweites gibt, und in der Vielfalt von Leben keine Trennung,…
    Und dennoch scheint es als wolle Vielfalt und Zweiheit Ihre Macht nicht fallen lassen wollen– und eben nicht nur im Traum des Absoluten als Ausschmückungen dienen.
    Was soll man da machen: lass es doch, ich bleib lieber HIER

    Zur Mutter, Kali, Ramakrishna Jesus,… fällt mir noch Tukaram ein, very nice

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    • Nitya schreibt:

      Lieber Ronny,

      das „Phuuu… ist das wieder dualistisch!“ war mal wieder reine Ironie von mir. Ich kann’s einfach nicht lassen.

      Morgen werde ich wohl mal wieder den Niútóu bringen, diesmal mit dem geilen Satz: „Die Myriaden Erscheinungen sind alle ganz wirklich, die Vielfalt ist von dem Einen Geschmack.“

      Vielen Dank für Stephen Wolinsky und Sant Tukaram! Wunderbar.

      Herzlichst
      Wilhelm

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      • Ronny schreibt:

        …hab die Ironie gerochen, ich kann’s einfach nicht lassen;-)

        Allein der satz “Die Myriaden Erscheinungen sind alle ganz wirklich, die Vielfalt ist von dem Einen Geschmack.” ein Genuss. Liebe Grüße, Ronny

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