Jed McKenna: unsere Unwissenheit ist selbstverschuldet


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Den Menschen genügt es normalerweise zu glauben, das Universum sei ein Mysterium, die Bedeutung des Lebens unergründlich, und damit hat es sich; doch jemand, der nach Antworten auf die größeren Fragen sucht, lässt sich nicht so leicht abspeisen. Offensichtlich scheint es ein Mysterium zu sein, aber warum? Worin besteht das Wesen dieser Mysteriosität? Liegt es im Wesen des Universums, mysteriös zu sein? Liegt es im Wesen von Bedeutung, unergründlich zu sein? Sind wir betäubt, gefesselt oder verhext? Gibt es irgendeinen Beauftragten oder eine Behörde, deren Aufgabe es ist, uns im Dunkeln festzuhalten? Wer oder was ist es, das die Realität von uns fernhält oder sie vor uns verbirgt? Weshalb sollte etwas so Einfaches so schwierig sein?

Was ich entdeckte, war: Unsere Unwissenheit ist uns nicht auferlegt, sie ist freiwillig und sogar selbstverschuldet. Nichts wird verborgen oder von uns ferngehalten, die Wahrheit ist nicht von Natur aus mysteriös, und es gibt auch keine Verschwörung, die dafür sorgt, dass wir unwissend bleiben. Es gibt jedoch einen ganz realen Prozess, einen Täuschungs-Mechanismus, der in jedem von uns am Werk ist. Der Name, den ich diesem Täuschungs-Mechanismus gebe, stammt aus dem Hinduismus und lautet Maya. Maya, das sollte nicht vergessen werden, ist keine wirkliche Erzgottheit, die uns von oben ausbremst. Maya ist in uns, ist Teil von uns und hat uns völlig in der Gewalt. Maya ist die Angst, die uns in einem solchen Ausmaß durchdringt, dass wir nicht wissen, dass sie hier ist. Maya ist das organisierende Prinzip emotionaler Energie in dem auf Angst gründenden Abgetrennten Zustand, und Maya ist von Natur aus mysteriös.

aus: Jed McKenna, „Spirituelle Dissonanz“

„Wer oder was ist es, das die Realität von uns fernhält oder sie vor uns verbirgt? Weshalb sollte etwas so Einfaches so schwierig sein?“ Eine spannende Frage, die der Jed McKenna da stellt. Gestern sind mir zwei Videos in die Quere gekommen, mit denen ich mich mal dem Thema nähern möchte. Im ersten Video geht es um Abu Nagie mit seinem Hinweis auf die Aussage eines gewissen Muhammad Salih al-Munajjid und im zweiten Video um Claudia Roth.

 

 
Die Gemeinsamkeit, die ich hier herausstellen will, ist der Verweis auf ein Buch bei der Ermittlung „der Wahrheit“. In einem Fall ist dies der Koran, im anderen Fall unser Grundgesetz. Ich will hier völlig außer Acht lassen, wie die beiden Bücher zustande gekommen sind, sondern mich auf die Frage beschränken, wie sie benutzt werden. Sowohl dem Herrn Muhammad Salih al-Munajjid wie der Frau Roth sollte aus meiner Sicht bewusst sein, dass man jedes geschriebene oder gesprochene Wort so oder ganz anders deuten kann. Das Wort ist eben nicht das Ding, für das es steht. Sowohl für Herrn Muhammad Salih al-Munajjid wie für Frau Roth scheint das Wort jedoch das Ding zu sein und zwar in ihrer höchst eigenen Auslegung, was natürlich jeden Dialog verunmöglicht. Wir können Herrn Muhammad Salih al-Munajjid leider nicht im Gespräch sehen, aber eigentlich reicht ja Frau Roth völlig zur Veranschaulichung. Sie scheint kein bisschen an einem Gespräch interessiert zu sein, sondern versucht mit rollenden Augen und der moralischen Keule alles platt zu machen: „Im GG … Artikel … § … steht eindeutig, …“ Nichts ist eindeutig, alles muss miteinander in Beziehung gebracht und abgewogen werden. Wäre es anders, bräuchten wir beispielsweise keine Richter mehr. Ein Blick in ein Gesetzbuch würde genügen. Edmund Stoiber, ansonsten nicht gerade mein Intimus, der sich auch an der Runde beteiligte, wirkte neben Frau Roth geradezu besonnen und sehr realistisch, während Frau Roth wie eine geifernde Gläubige ihre Blitze schleuderte.

„Wer oder was ist es, das die Realität von uns fernhält oder sie vor uns verbirgt? Weshalb sollte etwas so Einfaches so schwierig sein?“ fragt also McKenna. Und er gibt diese Antwort: „Maya ist die Angst, die uns in einem solchen Ausmaß durchdringt, dass wir nicht wissen, dass sie hier ist. Maya ist das organisierende Prinzip emotionaler Energie in dem auf Angst gründenden Abgetrennten Zustand.“ Glauben beruht zutiefst auf Angst und damit auf Maya. Eigentlich müssten alle Gläubigen eine Therapie machen, die sie von ihrer Angst befreit. Leider haben Gläubige in aller Regel absolut keine Lust, so eine Therapie zu machen. Sie kreuzigen lieber die Ungläubigen und gehen für ihren Glauben durchs Feuer. Schlechte Aussichten für den immer wieder groß angekündigten universellen Bewusstseinswandel.

B

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9 Antworten zu Jed McKenna: unsere Unwissenheit ist selbstverschuldet

  1. doro schreibt:

    „Unsere Unwissenheit ist uns nicht auferlegt, sie ist freiwillig und sogar selbstverschuldet. …
    Maya ist in uns, ist Teil von uns und hat uns völlig in der Gewalt. Maya ist die Angst, die uns in einem solchen Ausmaß durchdringt, dass wir nicht wissen, dass sie hier ist. …
    Maya ist das organisierende Prinzip emotionaler Energie in dem auf Angst gründenden Abgetrennten Zustand, …“ Jed Mc Kenna 

    Warum sollten wir Angst haben? Ich verstehe nicht, warum die Rede von Angst und Schuld ist, wenn doch das Eine „gesehen“ wurde. Hier ist von Trennung die Rede, ich nehme Enttäuschung wahr und die Aufforderung zum Kampf für eine Befreiung. Was sollte denn bloß bekämpft werden und was befreit?
    Es wird eine Person installiert, die einen teuflischen Angst-einflößenden Anteil Maya in sich trägt, und sich schleunigst davon befreien sollte.
    Ich gestehe, Radikalität, Vorschriften und Gesetze hinter denen man sich verstecken kann, um nicht zu denken, zu fühlen und keine Verantwortung zu tragen, machen mir auf den ersten Blick in der Dualität Angst. Dazu zählt jedes „es wurde so beschlossen, deshalb ist es so durchzuführen!“. Da ist mir jedes Tetralemma wesentlich lieber, denn ich weiß, dass in dem Sowohl-Als-Auch-und-beides-Nicht mehr Wahrheit und Lebendigkeit stecken als in jeder Vorschrift und jedem Gesetz. Letztgenannte machen unser effektives Leben in dieser riesigen Gemeinschaft erst möglich, der Preis ist jedoch enorm hoch. Jed Mc Kenna stellt nun Maya als Schuldigen an den Pranger, und will es ausmerzen. Ich frage mich, was übrig bliebe, wenn ihm das gelänge.

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    • Nitya schreibt:

      Es gibt keine Angst, es gibt keine Schuld und Maya wurde ganz bestimmt nicht an den Pranger gestellt. Wenn das „Eine“ gesehen wird, ist der ganze Spuk vorbei. Sieht Muhammad Salih al-Munajjid, sieht Claudia Roth das „Eine“? Ich vermute nicht. Aber viel wichtiger ist doch: Sieht Doro das „Eine“? Wenn ja, dann wird sie Angst und Schuld und Maya und Muhammad Salih al-Munajjid und Claudia Roth und Jed McKenna und vielleicht sogar mich als das „Eine“ sehen und keinerlei Problem mit dem Blabla hier haben. Niemand sollte sich befreien. Es ist viel schlimmer: Es fällt ab oder es fällt nicht ab.

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      • doro schreibt:

        Lieber Nitya! Es ist nicht wichtiger als ein Windhauch oder keiner, ob das Eine sich mir sichtbar erscheint oder nicht. Es spielt keine Rolle. Genauso egal ist es, dass mir nicht gefällt, dass Maya oder die Illusion als „mein Feind“ dargestellt wird, den es zu überwinden gilt. Wie lange habe ich das akzeptiert und den „Prozess der Erleuchtung“ damit verknüpft erlebt. Ganz unabhängig davon, dass es mir sowieso nie wirklich gelungen zu sein scheint, wenn mir meine Nase juckt, dann ist jede Meditation futsch, nehme ich Maya als voller Wunder steckend wahr und denke, ja, es ist Illusion und nicht die Wirklichkeit, und doch ist es grade zugleich soviel Wahrheit und Wirklichkeit, wie es im Moment gibt. Ich nehme es nun als Geschenk, und – auch das ist absolut unerheblich, aber ist sehr viel beeindruckender als jeder Kampf.
        Und ich denke, es ist viel besser: es fällt ab oder nicht, oder es fällt ab und kommt wieder und fällt ab usw. Ich muss gar nichts tun! Das ist viel besser!

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      • Nitya schreibt:

        Liebe Doro,

        wer Maya als Maya verehrt, wird mit Maya kein wirkliches Problem haben. Wer aber beispielsweise getrieben wird von Hass, Gier und Verblendung und in ihnen nicht Maya erkennt, der wird nicht sagen können: „Es spielt keine Rolle.“ Der wird einfach schrecklich leiden, der lebt mitten in seiner Hölle. Dem geht es darum, seiner Hölle zu entkommen, und nicht so sehr darum, Erleuchtung zu erlangen, was auch schon wieder ein Höllentrip ist.

        Übrigens: Wenn die Nase juckt, dann ist nicht die Meditation futsch. Wenn das so ist, war da gar keine Meditation. Wenn in der Meditation die Nase juckt, dann erscheint einfach die „Meditation der juckenden Nase“. Meditation schließt absolut nichts aus. Undwenn Kampf angesagt ist, dann wied auch der Kampf Teil der Meditation. Offene Weite – nichts von heilig oder unheilig.

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  2. Marianne schreibt:

    Guter Punkt von Doro: Indem wir zwischen Gut und Böse, Schwarz und Weiß polarisieren und uns auf eine Seite schlagen, erschaffen wir genau diese Gegensätze! Wenn wir dann noch dagegen ankämpfen ist das ein Kampf gegen eigene Projektionen …
    „Maya“ steht für „Illusion“ … Wenn ich dagegen ankämpfe, nehme ich den Gegensatz: Wahrheit – Illusion für bare Münze … Gibt es den wirklich?

    Claudia Roth finde ich in dem gezeigten Disskussions-Ausschnitt energetisch auch ein bisschen anstrengender als die anderen Diskussionsteilnehmer (- wobei ja die anderen gar nicht alle vorkommen.)
    Allerdings: Verbindliche Gemeinschafts-Regeln wie das Grundgesetz brauchen wir offensichtlich so lange noch, wie keine natürliche, dem Leben dienende Ethik gemeinsamer Konsens ist, an die sich alle halten. Die Fatwa eines fundamentalistischen Islam-Lehrers würde ich hier keinesfalls in den gleichen Topf werfen.

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    • Nitya schreibt:

      Das Tao braucht keine Ethik. Und hinter einer Ethik, an die sich alle halten, steht schon wieder ein Buch. Die Fatwa eines fundamentalistischen Islam-Lehrers ist ebenfalls schriftlich zu haben Fatwa Nr. 14231). Wenn ich sage: „Weg mit dem ganzen Plunder!“, dann sage ich das nur für mich. Ich propagiere es nicht.

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  3. Eno Silla schreibt:

    Ach Maya, du Wunderbare, du Schöne!
    Du schrecklich Anstrengende!
    Was wäre ich ohne dich?
    Nichts.Nichts.Nichts.
    Nicht ärgern könnte ich mich.
    Nicht freuen und glücklich sein.
    Nicht Krieg führen.
    Nicht für Frieden demonstrieren.
    Nicht lieben und streiten.
    Ach Maya:
    Ich liebe D ich!

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  4. Brigitte schreibt:

    Dass ich mein Selbst bewusst erlebe,
    Nach allen Seiten hin es wende,
    So dass es Schatten wirft in bunten Farben
    Auf Dein Leuchten – das ist Deine Maya.

    Du richtetest die Schranke auf
    In Deinem eigenen Sein und riefest
    Dein abgetrenntes Selbst in tausend Weisen,
    Und dies Dein Abgespaltensein ward Form in mir.

    Sein Echo wirft der hallende Gesang
    Durch alle Himmel, wird zu Tränen, zu Lächeln,
    Zu Befürchtungen und Hoffen, vielfarbig widertönend.
    Die Wogen türmen sich und sinken wieder,
    Träume branden, finden Form.
    In mir ist Deine Selbstentäußerung.

    Den Schleier, den Du vorgezogen,
    Hat der Tage wie der Nächte Hand
    Mit unermesslich viel Gestalten bunt bemalt.
    Dahinter aber ist Dein Thron,
    Ganz in Geheimnisse gewoben,
    In wundervoll geschweiften Bögen,
    Die keiner Gradheit dürre Linie dulden.

    Den ganzen Himmel überzogen
    Hat dieses große Festspiel Deines
    Und auch meines Seins.
    In allen Lüften zittert die Melodie
    Von Dir und mir.
    Und die Jahrtausende gehen hin
    Im Suchen und Verbergen
    Von Dir und mir.

    Rabindranath Tagore

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