Erich Mühsam: Sei willkommen, schwarze Schmach!


M  Strömt herbei, Besatzungsheere,
schwarz und rot und braun und gelb,
daß das Deutschtum sich vermehre,
von der Etsch bis an den Belt!

Schwarzweißrote Jungfernhemden
wehen stolz von jedem Dach,
grüßen euch, ihr dunklen Fremden:
sei willkommen, schwarze Schmach!

Jungfern, lasset euch begatten,
Beine breit, ihr Ehefrau’n,
und gebäret uns Mulatten,
möglichst schokoladenbraun!

Schwarze, Rote, Braune, Gelbe,
Negervolk aus aller Welt,
ziehet über Rhein und Elbe,
kommt nach Niederschönenfeld!

Strömt herbei in dunk’ler Masse,
und schießt los mit lautem Krach:
säubert die Germanenrasse,
sei willkommen, schwarze Schmach!

Erich Mühsam (1923)

SUnd wenn jetzt jemand in der Person Erich Mühsams einen menschenverachtenden Deutschenhasser vermutet, dann hat er wohl nie etwas von ihm gelesen. Ernst Jünger schrieb in seinem 1943 entstandenen Tagebuch zu einer 1933 bei ihm erfolgten Hausdurchsuchung:

Ich glaube, man suchte Briefe des alten Anarchisten Mühsam bei mir, der eine kindliche Neigung zu mir gefaßt hatte und den man dann auf so schauerliche Weise ermordete. Er war einer der besten und gutmütigsten Menschen, denen ich begegnet bin.

1923 saß Erich Mühsam wegen seiner Teilnahme an der Bayerischen Räterepublik in Niederschönenfeld ein. Zum Begriff „schwarze Schmach“ ist bei Wikipedia folgende Aufklärung zu erhalten: „Als Schwarze Schmach (auch Schwarze Schande) wird eine hauptsächlich von Deutschland ausgehende, internationale Kampagne gegen den Einsatz französischer Kolonialtruppen (darunter Turkos) während der Alliierten Rheinlandbesetzung bezeichnet. Dabei wurden den Soldaten u. a. massenhafte Gewalttaten gegen deutsche Frauen und Kinder unterstellt. Die Kampagne erreichte zwischen 1920 und 1923 ihren Höhepunkt, verstummte allerdings auch bis 1930 nicht.“

Heute ist das Thema spätestens seit Merkels Weigerung, eine Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen festzulegen, wieder in aller Munde. Eine sog. geordnete Zuwanderungspolitik ist damit weitgehend unmöglich gemacht worden. Die Silvesterereignisse kochten die Suppe noch zusätzlich richtig hoch. Jetzt noch ein paar Attentate und die Kacke ist richtig am Dampfen.

Man könnte sagen, dass es sich nicht um eine reguläre Zuwanderung, sondern um die Aufnahme von Menschen in höchster Not handelt, einer Not zudem, an deren Entstehung wir (?) alles andere als unbeteiligt waren und sind. Das ist für den einheimischen Bürger jedoch eine völlig unlösbare Aufgabe. Einerseits möchte er den Flüchtlingen helfen, andererseits hat er so gut wie keinen Einfluss auf die Außen– und Wirtschaftspolitik der EU-Staaten und der Nato, dann wiederum sieht er sich konfrontiert mit einem anscheinend unbegrenzten Zustrom fremder Menschen mit völlig andersartigen Kultur- und Rechtsvorstellungen und Glaubenssystemen. Die Verwischung der Grenzen von Zuwanderungs- und Flüchtlingspolitik trägt darüber hinaus zur allgemeinen Desorientierung bei. Flüchtlinge müssen nicht zwangsläufig integriert werden, da sie ja früher oder später wieder in ihre Heimat gehen wollen. Zuwanderer dagegen wollen in ihrer neuen Heimat auf Dauer bleiben. Polarisierende Emotionen schaukeln sich gegenseitig immer höher, Demonstrationen und Gegendemonstrationen sind schon fast an der Tagesordnung und die Vergleiche mit dem Ende der Weimarer Republik machen ebenso die Runde, wie die Angst vor den Nachfolgern von Hitler und dem nächsten Krieg umgeht. Viele scheinen allerdings auch eher auf den neuen starken Mann zu hoffen, der den Saustall einmal gründlich ausmistet.

S

Heute Nacht hatte ich mal wieder einen Steinmarder auf dem Dachboden. Die Vorhut einer ganzen Rasselbande, wie ich aus leidvoller Erfahrung weiß. Ich habe absolut nichts gegen Steinmarder, bin also ganz bestimmt kein Steinmarderhasser, ich finde ganz im Gegenteil, dass das wunderschöne Tierchen sind, die genauso ihre Daseinsberechtigung haben wie ich, und denen ich von Herzen das Allerbeste wünsche – nur nicht auf meinem Dachboden. Also habe ich mal wieder erfolgreich dafür gesorgt, dass der Steinmarder auf dem Dachboden das Weite gesucht hat. Ich meine, wenn sich der Steinmarder so „friedlich“ wie die Eichhörnchen verhalten würde, würde ich ihm ebenfalls nur zu gerne seine Leckerbissen servieren – aber so … nee, nicht mit mir. Ich lass mir doch nicht den ganzen Dachstuhl ruinieren und schlafen würde ich auch ganz gerne ungestört! Bin ich jetzt links, wenn ich den Steinmarder füttere, und rechts, wenn ich ihn vergraule? Ist das etwa eine Frage der Ideologie? – Ein bisschen Realismus würde allen sicher gut tun.

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5 Antworten zu Erich Mühsam: Sei willkommen, schwarze Schmach!

  1. fredo0 schreibt:

    Für mich steckt in der ganzen Debatte bei der BAF (BreitArmFraktion) eine Menge unrealistische Hybris.
    Es ist meiner Meinung nach einfach eine fast „chemische“ Situation gegeben.
    In eine sekuläre , dazu noch alternde , high-tec Gesellschaft , wie die Deutschlands , kann nur ( wenn es friedlich und weitestgehends komplikationslos verlaufen soll ) in „osmotischer“ Dosierung „fremdes“ hinzugefügt werden. Dies hat nicht das geringste mit Fremdenfeindlichkeit oder gar rechten Haltungen zu tun. Es ist einer rein pragmatischen , vernüftigen , geradezu naturwissenschaftlichen Sicht auf das Phänomen Menschenmenge und sein Verhalten auf Zuführung oder Abwanderung . Und dabei gilt es auch mit der Intensität „Fremde“ behutsam umzugehen . Je „fremder / anders“ die Mentalität / Kultur / Religion des Ankömmlings ist , um so länger dauert dessen Annahme . Ich schreibe hier ausdrücklich nicht von Integration , denn die erscheint mir überbewertet in ihren Möglichkeiten . Wie langfristig da kulturell bedingte Mentalitäten wirken , zeigt zum Beispiel die Reaktion einer muslimischen Profesorin auf „Köln“ , die bereits in Deutschland , jedoch in türkischem Elternhaus geboren wurde , doch hochgebildet ist und damit eigentlich laut Mythos „Integration“ voll integriert sein sollte , dann jedoch zu den Ereignissen in Köln meinte ( bevor sie irgendeine Betroffenheit äußerte ) , dass da wohl die deutschen Frauen zu „aufreizende Kleidung“ getragen hätten . Eine typische Verdrängung und Schuldverschiebung , aber noch mehr ein starkes Symptom der langfristigen Hartnäckigkeit von Mentalität und Weltbild , dass ja , wie man mitlerweile weiß , über mehrere Generationen hinweg , sogar genetisch tradiert wird . Wo und wie sollte da dann auch die gutwilligste „Integration“ ausreichend wirken könen , wenn konträre Haltungen geradezu genetisch betoniert sind ? Wenn überhaupt kann da nur viel Zeit , und behutsame Vorsicht mit Menge und dem „Anderen“ das schlimmste verhindern , nämlich generationslanger , dann auch bals gewalttätiger Konflikt . Ich plädiere hier nicht für ein Verhinderung des „Fremden“ , das kann geradezu vitalisierend für eine Gesellschaft sein , wie es die Hugenotten für mein Nordhessen waren, jedoch scheint mir ein vernüftiger Umgang mit Zeit und Menge des „Fremden“ unverzichtbar und aus schlichter Vernuft geboten.
    Es ist mit dieser Problematik Zuwanderung von extrem unterschiedlicher Kultur , um in einem Bild zu bleiben , wie bei einer anzudickenden Soße , ein wenig Zugabe zur rechten Zeit und passender Dosierung macht eine leckere Dosierung , zuviel des ganzen in zu kurzer Zeit lässt einen ausgeklumpten Pamps entstehen.
    Es ist als nicht der Fremde an sich , es ist das Problem des zuviel Fremde auf einmal in zu kurzer Zeit , was die aktuelle Diskussion um Millionen Ankömmlinge prägt.
    Ein wenig Fremd wird angenommen , ohne große Probleme . Jedoch zuviel und vor allem zuviel in zu kurzer Zeit führt dann plötzlich zu einer Komplettabstoßung des Fremden.
    Da verhalten sich Gruppen und Gesellschaften nicht viel anders als Flüssigkeiten in gesättigten Lösungen.
    Ein deklamatorisches „Wir schaffen das schon“ ändert nix daran , dass eine Gesellschaft selbst mit höchstem „moralischen“ Willen , aber von beginnender Robotronic geprägt , und damit extrem schwindenden Arbeitsplätzen , erstmal mit dieser Situation genug beschäftigt ist , und kaum tausende meist analphabetische neue Arbeitslose zusätzlich gebrauchen kann , und schon gar nicht Millionen. Auch wenn das diverse Arbeitgeber fordern , da sie wie immer nicht mehr zusätzliche Arbeitnehmer wollen , sondern vor allem mehr billige ( ! ) Arbeitnehmer .
    Das hat alles nix mit Flüchtlingen zu tun . Denn , wie Nitya schon erwähnte , in Deutschlang gibt es gar keine Flüchtlinge , kann es nicht geben , denn nach der Genfer Flüchtlingskonvention ( die übrigens auch nur eine in damaliger Zeit als machbar gesehene Vereinbarung ist , und keinesfalls göttliches Gesetz der Völker ) , gibt es nur in einem direkten Nachbarland eines Konflikt den Status „Flüchtling“ . Reist dieser weiter , weil er wo anders ein noch besseres Leben erwartet , wird aus dem Flüchtling sofort ein reiner Einwanderungsaspirant , reist er/sie ohne Einladung , dazu noch ein illegaler .

    Was mir dringend erwähnenswert scheint , ist der Umstand , das dieses quasi „importierte“ Dilemma , mit seinen höchst problematischen Auswirkungen , bestimmten „GlobalPlayern“ gehörig in die Karten spielen wird . Dass diese womöglich gehörig an der Schraube „Flüchtlingsstrom“ gedreht haben , erscheint mehr und mehr unabweisbar.

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  2. Eno Silla schreibt:

    Mach´s gut Blackstar!

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  3. fredo0 schreibt:

    auch von mir ein feines ade

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  4. Eno Silla schreibt:

    Das Nichts
    Ich sah durch ein hohes, großes Loch.
    Ist Nichts darin? – Doch! scholl es. – Doch!
    Und ich suchte und suchte und grub nach dem Nichts. –
    Da quoll aus dem Loch eine Garbe Lichts. –
    Ich habe das Nichts gefunden, –
    Und mir um die Stirn gewunden.

    Erich Mühsam

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