Osho: Wenn ihr versteht, werdet ihr nicht glauben


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Zarathustra: Ihr seid meine Gläubigen: aber was liegt an allen Gläubigen!

Die Welt ist seit Jahrtausenden die gleiche geblieben. Der Mensch hat sich nicht einen Zentimeter fortbewegt, was sein Bewusstsein angeht. Welchen Zweck hat es zu glauben? Es wird Zeit, dass wir zu Menschen wie Zarathustra eine neue Beziehung eingehen – nicht eine des Glaubens. Ihr habt an Buddha geglaubt, ihr habt an Mahavira geglaubt, ihr habt an Krishna geglaubt, ihr habt an Jesus geglaubt, ihr habt an andere geglaubt. Aber euer Glaube hat nicht die geringste Veränderung in euch bewirkt. Zarathustra will keinen Glauben, sondern eine authentische Revolution in eurem Sein. Wenn ihr ihn versteht, werdet ihr nicht glauben. Ihr werdet euch auf die Suche nach der Wahrheit machen. Ihr werdet euch in euch selbst auf die Suche machen nach der Quelle des Lebens und der Liebe. Wenn ihr Zarathustra lieben gelernt habt, kann sich die Liebe nur daran erweisen – nicht, dass ihr ihm glaubt, sondern dass ihr seinen Traum in die Wirklichkeit holt, dass ihr den Übermenschen auf die Erde bringt, dass ihr als Mensch verschwindet und statt eurer den Übermenschen erschafft.

Aller Glaube hat nur eines bewirkt: Er hat den Menschen falsche Identitäten gegeben. Ihr könnt Christ werden, ohne gekreuzigt zu werden, ihr könnt Buddhist werden, ohne durch den langen Prozess der Meditation zu gehen. Ohne einen Finger zu rühren, könnt ihr zu glauben anfangen und euch selbst vormachen, dass ihr alles getan habt, was für euer spirituelles Wachstum nötig ist. Und Glaube hat noch ein Zweites getan: Er hat auf Erden so viel Blutvergießen wie nur möglich verursacht. Statt mehr Liebe auf die Welt zu bringen, hat er unmenschliche Wesen geschaffen, Wesen, die selbst noch unter den Menschen gefallen sind.

aus: Osho, „Zarathustra, ein Gott, der tanzen kann“

Z

Glaube ist ein „Anstatt“. Das ist ungefähr so, wie wenn ein Biologie-Lehrer seinen Schülern den Auftrag gibt, bis zur nächsten Stunde herauszufinden, wie viele Zähne die Landraubtiere haben. In der nächsten Stunde antwortet ein Schüler, den der Lehrer nach der Zahl fragt: „Ich glaube, es sind 40. – Oder sind es dreißig? So um den Dreh rum halt.“ Auf gut Deutsch, der Schüler hat gar nicht versucht, herauszufinden, wie viele es denn nun wirklich sind. Und Gott? Gibt’s den? – Klar gibt’s Gott. Schließlich bin ich Christ oder Muslim oder weiß der Geier was. Aber wehe, jemand greift meinen Glauben an. Dann gibt’s aber Saures! Mehr ist von der ganzen Glauberei nicht übrig geblieben als eine Möglichkeit, sich als Gruppe abzugrenzen und einen guten Anlass für eine handfeste Prügelei oder einen gerechten Krieg zu haben.

JIn Mt 23,13 sagt Jesus: „Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr das Himmelreich zuschließet vor den Menschen! Ihr kommt nicht hinein, und die hinein wollen, lasst ihr nicht hineingehen.“ Auf wen hören die Gläubigen? Natürlich auf die Schriftgelehrten und Pharisäer und das, was sie über Gott und den wahren Glauben erzählen. Das gilt heute so wie damals. Und so kommt es, dass die Welt seit Jahrtausenden die gleiche geblieben ist.

„Wenn ihr versteht, werdet ihr nicht glauben.“ Wenn ich den Zündschlüssel umdrehe, springt der Motor an. Das habe ich mal verstanden und mache es immer wieder so. Da muss ich bestimmt nichts glauben. Ich muss nicht einmal verstehen, was da genau passiert. Und wenn der Motor einmal nicht anspringt, muss ich nicht glauben, dass mich Gott verlassen hat, und ich werde ihm kein Brandopfer darbringen, sondern fahre in die nächste Werkstatt, damit die den Fehler finden und beheben. Gläubige werden mich vielleicht einen verfluchten Ungläubigen nennen und mir verklickern, dass das jetzt eben die Strafe des Herrn für meinen Unglauben sei. Das hat ungefähr dasselbe Intelligenzniveau wie die kühne Aussage, dass ich aus der fremdenfeindlichen rechten Ecke käme, weil ich die inzwischen vielleicht nicht mehr so ganz rassistische Nachricht weitererzähle, dass in der Silvesternacht in Köln und anderenorts der Bär tobte: Massenweise sexuelle Übergriffe und Raubdelikte durch bandenmäßig organisierte, nordafrikanische Banditen. Versteh ich das? Jein. Glaub ich das? Ich war nicht dabei, kenne das also nur aus x. Hand. Ich halte es für möglich. Wissen tu ich gar nichts.

„Die Welt ist seit Jahrtausenden die gleiche geblieben.“ Intelligente Menschen gab es schon immer. Wer immer die Hoffnung hat, dass sich in den nächsten Jahrtausenden irgendetwas zum „Besseren“ ändern könnte, kann irgendwie nicht sauber ticken. „Ihr, die ihr hier eingetreten seid, lasst alle Hoffnung fahren!“

„Und wenn wir auf der ganzen Welt die Bildung vorantreiben?“ – „Träum weiter!“ – „Und wenn alle Primärtherapie machen würden?“ – „Dito“ – „Und wenn alle …“ – „Ach rutsch mir doch den Buckel runter!“

 

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4 Antworten zu Osho: Wenn ihr versteht, werdet ihr nicht glauben

  1. doro schreibt:

    Zarathustra: Ihr seid meine Gläubigen: aber was liegt an allen Gläubigen!

    Es ist wohl immer das gleiche. Menschen suchen sich einen „Führer“, in der Politik, der Religion, im Freundeskreis, in der Familie. Sie werden seine Gläubigen, und das bedeutet dann meist, dass sie damit aufhören, in sich selbst hinein zu horchen. Sie suchen Heil und Rettung, Wohlbefinden, Erlösung und/oder Glück beim anderen, im außen. Wenn mir das passiert, dann kann es nicht sein, dass ich mir bewusst werde, was in mir ist. Wenn ich mich verrenke, um Regeln zu befolgen, Vorschriften einzuhalten, dann bin ich nicht bewusst. Selbst, wenn ich nur versuche, die Gleichnisse und Bilder exakt nachzuleben, sind es nicht meine, wird es fremd und starr, tot und leblos bleiben.

    „Wenn ihr Zarathustra lieben gelernt habt, kann sich die Liebe nur daran erweisen – nicht, dass ihr ihm glaubt, sondern dass ihr seinen Traum in die Wirklichkeit holt, dass ihr den Übermenschen auf die Erde bringt, dass ihr als Mensch verschwindet und statt eurer den Übermenschen erschafft.“

    Die Wahrheit kann ich nur in mir finden. Gleichnisse, Bilder, Ideen und Gedanken können mich anstoßen, können eine Richtung weisen, ein Sprungbrett oder eine Brücke sein. Insofern sind sie wichtige Schlüssel, die Türen öffnen können, Richtungsweiser, um den Zugang zu finden, helfende Hände, um die ersten Schritte begleitet zu werden. Der Rest ist in mir. Kein anderer kann das für mich gehen. Nur ich kann in mir meine Wahrheit finden. Ich kann begleitet werden, mich mitteilen, immer wieder inspiriert und ermutigt werden. Dann wird es eigene Bilder und Gleichnisse geben, die das Unbeschreibliche versuchen werden in Worte zu fassen, die Schlüssel werden können.

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  2. doro schreibt:

    Trunkne Lust ist’s dem Leidenden, wegzusehn von seinem Leiden und sich zu verlieren.

    Nietzsche, „Also sprach Zarathustra“

    Verlieren im Außen, in der Arbeit, in Religion, im Amusement, in Drogen, Sex oder Spiel, überall, nur nicht in dem, was wirklich da ist. Nur das Verlieren des Egos und das Sich-Verlieren in dem einen, das immer ist, würde echte Erlösung vom Leid bringen.

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