Alan Watts über richtige und unrichtige Frauen ;-)

 WWir nennen das Unbewusste irrational, aber in Wirklichkeit ist es die sog. Vernunft, die verrückt ist. Der Fehler liegt nicht in der Vernunft an sich, sondern in der bewussten, intellektuellen Idee darüber, was Verstand zu sein hat, nämlich eine mathematische Operation, in der kein Platz ist für die Gefühle und die Bedürfnisse des physischen Wesens. Eine echte Frau versteht dies; täte sie es nicht, bekämen die Kinder nie etwas zu essen (noch weniger der Ehemann), und das Heim wäre nie gemütlich – was sich feststellen lässt in den Wohnungen solch „praktischer“ Frauen, die dem Geschäfts- und Sozialleben, kulturellen Idealen und anderen idealistischen, theoretischen und nebulösen Beschäftigungen nachgehen. Der Witz hierbei ist aber der, dass solches Verhalten niemals das gewünschte Ergebnis bringt, und es ist nicht ungewöhnlich, dass richtige Frauen sich weitaus intelligenter über Literatur, Musik, Kunst, Politik, Religion und alle kulturellen Belange unterhalten als ihre weniger häuslichen Schwestern, die das Heim verlassen, um genau diese Dinge zu erwerben. Sie sind so beschäftigt mit dem Versuch, geistreich zu sein, dass sie keine Zeit haben, einfach geistreich zu sein.

aus: Alan Watts, „Die sanfte Befreiung“

HDas hat der Alan Watts 1940 geschrieben. Ich denke gerade an den Aufschrei der feministischen Fraktion und nicht nur dieser. Was soll denn das! Soll das wieder ein Zurück zu den drei K (Kinder, Küche, Kirche) werden? Eva Herman? Rechte Ecke? Bei kaum einem Thema wird derart polarisiert, wie bei dem Frau-Mann-Thema. Ich selbst komme ja noch aus einer Familie, in der der Vater das Geld verdiente und die Mutter für den Haushalt und die fünf Kinder zuständig war. Mein Vater, Jhg. 89 (19. Jhd. versteht sich) war noch ganz in seinem Denken, Fühlen und Handeln im Kaiserreich verwurzelt. Ein Patriarch vom Scheitel bis zur Sohle. Die Emanzipation der Frauen war ihm abgrundtief verhasst. Meine Mutter durfte eigentlich nur Strick-, Häkel- und Schnittmusterzeitschriften lesen. Als 1954 die „Brigitte“ herauskam, musste sie diese Hetzzeitschrift vor meinem Vater verstecken. Falls ihr also bei mir bisweilen irgendwelche patriarchalischen Anwandlungen erleben solltet, wisst ihr jetzt, wie ich dazu gekommen bin. Marianne hat mich ja gestern schon als Machismo entlarvt. Ach ja. Ich hatte das Pech oder das Glück, in eine Zeit des Umbruchs hineingeraten zu sein. Einerseits gab es da die Freude, dass am Thron der Patriarchen, unter denen ich ja selbst genug zu leiden gehabt hatte, heftigst gesägt wurde, andererseits war ich als männliches Wesen natürlich auch Betroffener des Emanzipationsstrebens der Frauen. Mitgefangen, mitgehangen. Ich erinnere mich noch gut an die Idee der „Schwarzen Botinnen“, alle Männer zu kastrieren, die mich armes Würstchen natürlich nicht eben zu Begeisterungsstürmen bewegen konnte. Jedenfalls war der Krieg der Geschlechter mal wieder voll entbrannt und so etwas wie ein friedliches Miteinander ziemlich schwierig.
EAlan Watts kommt in seinem Beitrag ganz von seiner Sicht des sog. Taoismus her. Das weibliche und das männliche PRINZIP haben ihre je eigenen Aufgaben. Was das dann ganz konkret heißt, ob jetzt auch mal die Kerle den Mülleimer rausbringen müssen … das ist alles Pipifax. In einer Zeit, in der die Menschen zum Teil nicht einmal mehr sich selbst alleine durch ihrer Hände Arbeit durchbringen können, ist die Frage der Erwerbstätigkeit durch nur einen Teil der Familie absolut müßig. Yang geht hinaus ins feindliche Leben, Yin hütet derweil das häusliche Herdfeuer und die Kinder machen ihren Eltern eine Freude. Ist natürlich Käse und – gab’s das vielleicht jemals?

Alan Watts sagt:Der Fehler liegt nicht in der Vernunft an sich, sondern in der bewussten, intellektuellen Idee darüber, was Verstand zu sein hat, nämlich eine mathematische Operation, in der kein Platz ist für die Gefühle und die Bedürfnisse des physischen Wesens.“ Mit die Folge dieses Fehlers dürften die Verhältnisse sein, in denen wir leben. Die Mittel wären längst da, in denen es keinen Hunger und keine Not mehr auf der Welt geben müsste und in denen man sich dafür öffnen könnte, wie sich das Weibliche und das Männliche optimal zu Nutz und Frommen des Ganzen entfalten könnten. Dennoch haben wir Verhältnisse zu ertragen, in denen Frauen und Männer völlig überlastet sind und aus dieser Not heraus sich gegenseitig zu Feinden machen. „Divide et impera!“ Operation gelungen, der Patient darf weiter vor sich hin siechen.

Gibt es nun richtige und falsche, echte und unechte Frauen? Das ist natürlich Quatsch. Aber es gibt selbstverständlich Verhältnisse, die für das Gedeihen der Pflanzen, der Tiere, der Menschen förderlich sind, und solche, die es nicht sind. In diesem Sinn meint der Alan Watts das wohl mit dem Richtig und dem Falsch und das bezieht er sich sicher (?) nicht nur auf die Frauen. Na ja – wer weiß? – vielleicht war der Alan Watts ja auch so ein Machismo wie ich? Ein Genderist war er ziemlich sicher so wenig wie ich.

Y

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Alan Watts über richtige und unrichtige Frauen ;-)

  1. Marianne schreibt:

    Lieber Nitya,
    ich fand deine Zaubermeister-Reaktion gestern genial – hat mir jeden weiteren Protest im Halse erstickt …😉
    Und … Elwood’s Frou erscheint mir als „weise Frau“.
    Was mich selbst angeht, erkenne ich auf meine „alten Tage“ immer mehr den Genuss einer heimeligen Wohnumgebung – im Winter steht hier mein Holzofen im Mittelpunkt, mit dem ich in drei Räumen eine wohlige Wärme erzeugen kann.🙂
    Liebe Grüße
    Marianne
    https://buchstabenwiese.files.wordpress.com/2015/11/smilie_xmas_208.gif?w=115&h=105

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s