Jed McKenna: Würdet ihr nichts für alles eintauschen?


DIch begann meine Reise vom ersten Moment an mit der Erkenntnis, dass mein Leben verwirkt war. Das war ein Angebot, und ich war unsagbar glücklich, dieses Schnäppchen ergattert zu haben. Mein umnebeltes kleines Nichts von Leben als Preis für die Klarheit? Aber sicher. Das verstand sich doch von selbst. Da gab es nie das geringste Zögern. Würdet ihr nichts für alles eintauschen? Wenn ihr diese Frage versteht, habt ihr sie bereits beantwortet.

Die Person, der das passiert ist, existiert nicht mehr, und was ich jetzt bin, lebt in ständigem Todesbewusstsein, das mein gesamtes Dasein im Traumzustand bestimmt so wie früher die Angst und Todesleugnung. Ich habe den Tod fortwährend vor Augen. Ich verberge ihn nicht, leugne ihn nicht und verdränge ihn nicht. Der Tod ist der Diamant im Herzen meines Daseins im Traumzustand. Er ist das entscheidende Merkmal, das mir den Wert von allem aufzeigt, was ich sehe.

Ich habe es schon einmal gesagt, ich liebe die Tatsache meines Todes. Sie hat mir mein Leben ermöglicht. Ohne sie hätte es kein Erwachen gegeben. Durch sie erkenne ich denn Wert der Dinge. Durch sie weiß ich was Schönheit ist. Darum ist meine Basis Dankbarkeit statt Angst. Auch kann ich so ein Kind von einem Erwachsenen unterscheiden, Schlafende von Erwachten. Deshalb kann ich jemanden anschauen und wissen, ob der Tod vor oder hinter ihm geht.

Der Tod ist der Buhmann. Ihr könnt ihn nicht töten, euch vor ihm verstecken oder ihm entkommen. Ihr könnt euch ihm nur zuwenden oder von ihm abwenden. Wenn ihr euch ihm zuwendet, freundet euch mit ihm an, umarmt ihn aufrichtig, nicht halbherzig, sondern als eure essenzielle Wahrheit, dann ist der Tod der Dämon, auf dessen Rücken ihr in jede Schlacht reiten könnt.

aus: McKenna, „Spirituelle Dissonanz“

T„Deshalb kann ich jemanden anschauen und wissen, ob der Tod vor oder hinter ihm geht.“ Was meint der Jed McKenna damit und warum scheint ihm das so wichtig zu sein? Also das ist schon klar, das sind bloß meine Projektionen. Der Jed kann da nix für. (Übrigens der Scherenschnitt, der der kleinen Animation zugrunde liegt, stammt von einem Georg Hempel.

Wenn der Tod hinter mir ist, dann sitzt er bzw. die Angst vor ihm mir ständig im Genick. Was immer mir begegnet wird durch den Filter dieser Angst gesehen. Alles kreist um das Thema Sicherheit und Vermeidung dessen, wofür das Thema Tod steht. Ist dagegen der Tod „der Diamant im Herzen meines Daseins im Traumzustand“, dann ist mir die Aussage aus 1. Korinther, 15 nicht mehr fremd: „Wenn aber das Verwesliche wird anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche wird anziehen die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht: Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“ Jed McKenna sagt: „Wenn ihr euch ihm [dem Tod] zuwendet, freundet euch mit ihm an, umarmt ihn aufrichtig, nicht halbherzig, sondern als eure essenzielle Wahrheit, dann ist der Tod der Dämon, auf dessen Rücken ihr in jede Schlacht reiten könnt.“ Na, ist das nix? Das ist reine Freude, denn was könnte euch da noch etwas anhaben? Die Bremer Stadtmusikanten sagten: „Etwas Besseres als den Tod findest du überall.“ und genau das sagen auch die meisten Menschen, falls es sich nicht gerade um Selbstmörder handelt. Matthias Claudius widmete seine „Erklärung der Kupfer und Zeichen“ seinem Freund Hain mit diesen Worten: „Ihm dedizier ich mein Buch, und Er soll als Schutzheiliger und Hausgott vorn an der Haustüre des Buchs stehen.“ Dafür ehre ich den Matthias Claudius, indem ich seinen Freund Hain uns freundlich zuwinken lasse.

HÜbrigens: Nur Leute, die den Tod vor sich her gehen lassen, können jemanden anschauen und wissen, ob der Tod vor oder hinter ihm geht. Leute, die behaupten, sie würden das wissen, behaupten damit immer auch, dass sie selbst den Tod vor sich her gehen lassen würden. Sag ich mal so.

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4 Antworten zu Jed McKenna: Würdet ihr nichts für alles eintauschen?

  1. thomram schreibt:

    Ich bestätige die Beschreibung von Jed Mc Kenna.
    Nein, ich bin nicht im von ihm beschriebenen Zustand.
    Ja, ich war zwei Tage lang in demselbigen, vor 13 Monaten, ich hatte Malaria und lag zwei Wochen flach, nahm von 62 auf 52 Kilo ab und während zweier Tage wusste ich eine ganz einfache, schlichte, natürliche Tatsache:
    Junge, jetzt balanciert es auf Messers Schneide. Die Chance, hier zu bleiben oder hinüberzugehen ist bei 50:50.
    Und es war einfach in Ordnung. Weiter hier leben? Prima. Hinübergehen? Prima.

    Das erzählt einer, der gelegentlich Aengste entwickelt, im Sarg oder im Verbrennungsofen aufzuwachen.

    Es ist beneidenswert, das erlebt haben zu dürfen. Nochmal, keineswegs bin ich seither dauerhaft so abgeklärt, doch ist das Erlebnis ein Hintergrund hinter dem Alltagsgeschehen, welcher ausgleichend wirkt, welcher mehr Gelassenheit ermöglicht.

    Ich wünsche jedem hier, dass du alles, was dir begegnet, was du in Wirklichkeit selber dir hergezogen hast, als Chance und Segen erleben mögest.

    Und ich danke dem unmööööglichen Blogchefe für seine Fahrten durch das Leben.

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  2. Savitri schreibt:

    Ich habe mal so etwas wie eine Meditationsreise zu meinem „inneren Tod“ gemacht, was sehr aufwühlend aber schön war. Das wichtigste, was ich daraus für mich mitnahm waren so in Stichworten: schwarzer warmer weicher Samt(umhang), darin eingehüllt und liebevoll hinüber-getragen werden…

    Alles Liebe noch zum Neuen Jahr, lieber Nitya und Euch!
    Savitri

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  3. Elwood schreibt:

    Das hat man nun von seinen Bemühungen…..

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