Huang-po: KEIN Dharma empfangen heißt geistige Übertragung


D F: Wenn es nichts gibt, was ich fassen kann, wie ist dann der Dharma übermittelt worden?

A: Es ist eine Übertragung von Geist zu Geist.

F: Wenn der Geist zur Übermittlung benutzt werden kann, warum sagt Ihr dann, dass auch der Geist nicht existiert?

A: Kein Dharma – welcher Art auch – empfangen heißt geistige Übertragung. Das Begreifen dieses Geistes braucht keinen Grund und kein Dharma.

F: Wenn es keinen Geist und kein Dharma gibt, was bedeutet dann Übertragung?

A: Du hörst, dass Menschen von Geist-Übertragung sprechen, und meinst, die sprächen von etwas, das man erhalten kann. Bodhidharma aber sprach:

Das Wesen des Geistes, recht verstanden,
Lässt sich durch Menschenwort nicht greifen noch vermitteln.
Erleuchtung lässt sich nicht erlangen,
Und der sie findet, sagt nicht, dass er weiß.

Würde ich dies auch erklären, du würdest es doch nicht verstehen.

aus: Huang-po, „Der Geist des Ch’an“

Antoine de Saint-Exupéry sagte diesen berühmten und in vielen Poesiealben verewigten Satz: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist unsichtbar für die Augen.“ Ich weiß nicht, wie der Autor seinen Satz verstanden haben wollte, die Poesiealbengestalterinnen meinten mit „Herz“ vermutlich den Ort ihrer Liebebedürftigkeit. Dem Begriff „Geist“ geht es ähnlich wie dem Begriff „Herz“: Er ist den unterschiedlichsten Definitionen ausgesetzt. Ich werde es jetzt halten wie Huang-po: KEINE Definition heißt geistige Übertragung. Friss Vogel [die Nicht-Definition] oder stirb! Und in Erweiterung von Oshos Statement: Alle Definitionen, Erklärungen und Begründungen sind Bullshit! Und noch einmal Rilkes warnende Worte: „Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern. Die Dinge singen hör ich so gern. Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm. Ihr bringt mir alle die Dinge um.“ Wenn Rilke sich so vor der Menschen Wort fürchtet, dann aus meiner Sicht deshalb, weil das Wort nie das Ding ist, geschweige denn das Nicht-Ding, aber dafür gehalten werden soll. Statt lebendiger Nahrung bekommen die Menschen Kunst-Nahrung und wundern sich dann, wenn ihnen das nicht bekommt und sie krank werden.

M

Ausverkauf an gutem Rat

Ich habe aus traurigem Anlaß jüngst
So viel freundschaftlichen Rat erhalten,
daß ich mich genötigt sehe,
Einen Posten guten Rat billig
Abzugeben.
Denn: so einer in Not ist,
Bekommt er immerfort
Guten Rat. Seltener Whisky.

Durch Schaden-Freunde
Wird man klug.
Sie haben für alles
Passenden Rat parat.
Für Liebeskummer und Lungenkrebs.
Für Trauerfälle und deren Gegenteil.
Denn Rat erspart oft Taten.
Befolgt der Freunde Un-Rat nicht!
Dann seid ihr wohl beraten.

aus: Mascha Kaléko, „In meinen Träumen läutet es Sturm“

Wie schön das welke Laub auf dem Boden, die letzten Äpfel am Baum, an denen sich die Vögel erfreuen, der wolkenverhangene Himmel, … „der Wald steht schwarz und schweiget …“ dichtet Matthias Claudius. Was für eine Wohltat – Schweigen, einfach nur Schweigen. Aber leider – „Darum fahren alle unsere Tage dahin durch deinen Zorn; wir bringen unsre Jahre zu wie ein Geschwätz.“ (aus dem Psalm 90) – Der Typ da oben muss ja wirklich gewaltig zornig sein, wenn er die Erde mit diesem grauenvollen Geschwätz überzieht.

Das Wesen des Geistes, recht verstanden,
Lässt sich durch Menschenwort nicht greifen noch vermitteln.
Erleuchtung lässt sich nicht erlangen,
Und der sie findet, sagt nicht, dass er weiß.

Huang-po: „Würde ich dies auch erklären, du würdest es doch nicht verstehen.“ Danke, lieber Huang-po! Danke, dass du nicht einmal den Versuch unternommen hast, es zu erklären. Und Meister Eckart sagte: “ Wer diese Rede nicht versteht, der bekümmere sein Herz nicht damit. Denn solange der Mensch dieser Wahrheit nicht gleicht, so lange wird er diese Rede nicht verstehen. Denn es ist eine unverhüllte Wahrheit, die da gekommen ist aus dem Herzen Gottes unmittelbar.“
D

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23 Antworten zu Huang-po: KEIN Dharma empfangen heißt geistige Übertragung

  1. Wolf Schneider schreibt:

    Ich liebe dein Blog! Und ich bewundere, wie du es schaffst, dort jeden Tag was einzutragen, was mich zum Lächeln oder Schmunzeln bringt und fast immer zum Zustimmen. Und auch beim Nicht-Zustimmen ist diese Süße des Verstehens da, das Gefühl, in dir einen ‚Bruder im Geiste‘ zu haben, den ich für seine Beharrlichkeit bewundere, dort jeden Tag was einzutragen. Jeden Tag!

    Wenn ich dich „Bodhisattva“ nennen würde, du würdest protestieren, so weit kenne ich dich nun schon. Na gut, dann protestiere halt. Ich darf dich doch nennen wie ich will. Oder ist es dir lieber, wenn ich es eine „Obsession“ nenne, was du da jeden Tag machst? Für die Menschen, denen ein obsessives Verhalten verständlicher ist, lebensnäher ist als eine Produktion von „seiner Heiligkeit“ (so nennt Franz Alt den Dalai Lama) des Bodhisattva zu bewundern?

    Als ich einmal die Chance hatte, den Dalai Lama zu interviewen, wollte ich das schon wegen dieses Begriffs „seine Heiligkeit“ nicht tun. Als Journalist hätte ich das auch weglassen dürfen, ich bin ja kein Buddhist (und auch dann dürfte ich das), aber ich mochte und mag den Kult nicht, der mit solchen Begriffen verbunden ist, obwohl ich den Dalai Lama sehr schätze. Das meiste, was der Dalai Lama sagt, finde ich richtig, aber todlangweilig, auch deshalb wollte ich ihn damals nicht interviewen.

    Dein Blog aber finde ich nicht todlangweilig. Jeden zweiten oder dritten Eintrag dort lese ich ganz, bei den anderen sage ich mir nur: Ah, hat er sich diesmal das Thema rausgefischt (oder jenen alten Text). Dann weiter in meinem heiligen Alltag …

    😇

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    • Marianne schreibt:

      Bin gespannt, was Nitya auf diesen „Liebesbrief“ antworten wird …😉

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      • Nitya schreibt:

        Na, zufrieden, liebe Marianne?

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      • Marianne schreibt:

        Kennst Du eigentlich die Beschreibung des Kernthemas der NEUN bei Almaas? Ich zitiere (meine Zusammenfassung):
        NEUN: Die spezifische Verblendung am Punkt NEUN nennt Almaas localized love, lokali-sierte Liebe. Er meint damit den Irrglauben, dass das Liebevolle im Universum ein lokales Phänomen ist, das nur an bestimmten Punkten in Zeit und Raum auftritt und an Bedingungen geknüpft ist. Daraus ergibt sich die spezifische Schwierigkeit, sich selbst unliebenswert zu erleben (Minderwertigkeitskomplex). Das Kind meint, Liebe ist nicht an dem Ort, wo es selbst ist, zu finden. Die Seele fühlt sich unwert, verkleinert, entblößt seiner guten Qualitäten, ein Gefühl, dass einem innerlich Qualitäten fehlen, die andere haben. Die spezifische Reaktion darauf (Not-Lösung oder Ego-Aktivität) ist Einschlafen. Die Seele wird unbewusst in Bezug auf ihre wahre Realität. Das Einschlafen ist im Wesentlichen ein Aufgeben, eine Resignation, ein Vergessen und unbewusst werden, ein Vernachlässigen des eigenen Seins, weil man es nicht für liebenswürdig hält (Facetten der Einheit, S. 279 ff.).

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      • Nitya schreibt:

        Der redet Blech, dieser Almaas. Hast du eine Ahnung, wie ich mich liebe! Also ich bin so ein süßes Schnuckelchen, das kannst du dir gar nicht vorstellen!🙂

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      • Marianne schreibt:

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    • Nitya schreibt:

      Sag ma, Sugata, was hast du denn geraucht?
      Scheint ja’n geiles Kraut zu sein.
      Muss ich auch haben!

      Solltest du aber nichts geraucht haben, werde ich dich wohl demnächst wegen absoluter Themaverfehlung hier sperren müssen, du „Bruder im Geiste“ du.

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      • Wolf Schneider schreibt:

        Hey, Nitya, ich bin doch Nichtraucher. Ich habe nur den Nektar meiner alltäglichen Verfassung getrunken, und dazu gehört meine Liebe zu diesem Blog und auch alles das, was ich da sonst noch heute morgen reingeschrieben habe. Ob du den Bodhisattva-Titel ablehnst oder nicht ist mir im tiefsten Grunde meines Herzens völlig egal. Ich geb ihn dir trotzdem. Als Trickster und leidenschaftlicher Provokateur tue ich das schon deshalb, weil du ihn mit so viel Verve ablehnst.

        Ja, ich mag dieses Blog! Die Person Nitya kenne ich fast nur durch dieses Blog, deshalb gebe ich diesem Blog meine Liebeserklärung ab (schlau, oder?).
        Hier weht ein solcher Geist der Freiheit, wie ich ihn woanders kaum finde. Das ist es, was mich hier anzieht. In meiner alltäglichen Umgebung habe ich nur wenig davon. Heute war wieder so ein Tag, wo ich innerlich so viel aufgestöhnt habe – „aufstöhnen musste“, so kam es mir vor. Aber ich musste ja nicht. Dennoch: Aufstöhnen. Sehnsucht nach einem solchen Feld, wie es sich hier im Blog eröffnet. Manchmal auch in meinem Blog, das aber diesseitige ist (oder??? Hm, weiß nicht.)

        Ich bleibe dabei: was für ein Blog!!!!! Staunen. Bewunderung. Freude. Ich mag das. Ich fühle mich beglückt, das lesen zu dürfen und jetzt, dies schreiben zu dürfen.
        Marianne hat mich drauf gebracht. Dann habe ich abonniert. Seitdem lese ich dein Blog täglich (wenigstens drei Zeilen weit, manchmal ganz).

        Ich brauche dir, Nitya, nicht zu sagen, dass dir solche Bewunderung wie diese hier von mir egal sein kann, du weißt das doch selbst. Und wenn dir dieser Tobak zu viel wird (die Dosierung macht, ob ein Mittel Medikament ist oder Gift, sagen die Pharmazeuten), dann gibst du diesen Kommentar einfach nicht frei. Ist doch ganz einfach, hehe, hoho, hugh oder high, ich habe gesprochen.

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    • chantaltalia schreibt:

      Lieber Sugata,
      den “Bodhisattva” wollte ich Nitya auch schon mal überstülpen. Dieses Kleid hat er prompt in den Orkus geworfen. Davon bin ich jetzt geheilt. Auch Marianne ahnte so was. Aber warum nicht mal mit Nitya zusammen virtuell mit etwas Gras nachhelfen? Wenn er schon danach fragt.
      Wie heisst es da oben so schön im Text:
      „Das Wesen des Geistes, recht verstanden,
      Lässt sich durch Menschenwort nicht greifen noch vermitteln.“
      Dann wird mir der letzte Satz auch verständlich.
      „Erleuchtung lässt sich nicht erlangen,
      Und der sie findet, sagt nicht, dass er weiss. “
      Und schreibt auch nicht mehr, dass er Nitya’s Blog liebt. Lesen wir hier einfach weiter, ob als Bruder, oder Schwester im Geist, Shit happens, einfach weil wir gerne lesen. Und du gerne schreibst.🙂
      Liebe Grüsse ins Neue Jahr
      Chantal

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      • Wolf Schneider schreibt:

        Nicht einmal daran, ob daraus solche Liebeserklärungen hervorsprudeln oder nicht, kann man Bodhicitta erkennen. 😉

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      • Marianne schreibt:

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      • Wolf Schneider schreibt:

        Ja, gerne! Zu viert mal was rauchen (oder einen speziellen Keks essen), mit dir, Nitya und Chantal :-)))
        Wenn Hamburg nur nicht so weit weg wäre …
        😋

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      • Nitya schreibt:

        Vier Stiere stehen auf der Weide, ein junger, ein schon etwas „gestandener“, ein reifer und ein alter Stier. Sie stehen da so herum, als eine Herde wunderschöner Kühe auf eben diese Weide getrieben wird. „Die Hälfte für mich, der Rest ist für euch!“, ruft der junge Stier wild mit den Augen rollend. „Na, na!“, antwortet der schon etwas gestandene Stier. „Hier wird gerecht durch vier geteilt!“ Sagt der reife Stier: „Wir könnten auch abwarten, ob die Damen überhaupt an einem Kennenlernen interessiert sind!“ Aufgeregt fällt ihm der alte Stier ins Wort: „Jungs, duckt euch bloß um Gottes willen! Vielleicht haben wir Glück und die Weiber haben uns noch nicht entdeckt!“

        Das würde ja ein interessantes Treffen werden. Die Verteilung der Kühe auf die Stiere könnte problematisch sein.

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      • Marianne schreibt:

        Die Verteilung der Kühe auf die Stiere könnte problematisch sein.

        In Bezug auf patriarchalisches Verhalten (bzw. Machismus) lässt der Freiheits-Geist hier schon noch zu Wünschen übrig …😉
        Wer – bitteschön – verteilt hier wen?

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      • Nitya schreibt:

        Du wagst es tatsächlich, das Verhalten eines waschechten Bodhisattva in Frage zu stellen?

        »In die Ecke,
        Besen! Besen!
        Seids gewesen.
        Denn als Geister
        Ruft euch nur, zu seinem Zwecke,
        Erst hervor der alte Meister.«

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      • Marianne schreibt:

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      • Elwood schreibt:

        °Wer – bitteschön – verteilt hier wen?°

        Gute Frage
        Mene Frou sagte spontan:
        Vom ersten Stier läßt sie sich ordentlich durchrammeln.
        Mit dem zweiten Stier geht sie auf die Party.
        Ein Theaterbesuch mit dem dritten und
        schöne tiefe Gespräche mit dem Alten.
        Watt für ein Geschenk!

        Und der Bodhisattva ist auch nur ein Nagel,
        mit dem man ein Pudding an die Wand nageln will.

        Die Hochsee ist tief
        Die Tiefsee ist hoch

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  2. Nitya schreibt:

    Heute werde ich ja mal wieder gesegnet mit Zuschreibungen aller Art von Bodhisattva bis zum unbewussten, ungeliebten Schlumpf.

    Wie sagte meine Mutter selig immer: „Ick bin ick. Mir kann keena.“

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  3. marcopollopo schreibt:

    Auch Burroughs (oder der Virus) sprach: Sprache ist ein Virus.

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  4. Eno Silla schreibt:

    Diese Zen-Leute sind schon irgendwie schräg. Man weiß nie woran man ist. Es ist wie in dem wunderbaren gezeichneten Witz, den Marianne vor einiger Zeit hier mal reingestellt hat. „Ja und Nein“ (und das ganze Tetralamma), dass steht für mich für die Zen-Leute und für all die anderen geliebten Schlaumeier. Kein Halt, kein Nagel an dem man sich aufhängen kann. Nichts Fassbares.
    Jedes Konzept wird zerstört, jede Vorstellung landet auf dem Müll. Damit lassen sie einen allein und haben einen Heidenspass dran! Und wenn ich das so schreibe, ohne zu wissen, wohin es führt, dann steigt da ein Grinsen in mir auf und eine tiefe Liebe angesichts dieser Grenzenlosigkeit….
    Keine Ahnung warum, aber diese zwei Zitate, die mir in den letzten beiden Tagen über den Weg gelaufen sind, verlangen danach mit euch geteilt zu werden:

    “Doubt thou the stars are fire,
    Doubt that the sun doth move,
    Doubt truth to be a liar,
    But never doubt I love.“
    William Shakespeare

    „Wenn wir es recht überdenken,
    so stecken wir doch alle nackt
    in unseren Kleidern.“
    Heinrich Heine

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  5. klaus bublitz schreibt:

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